Maria Magdalena

Normalerweise werden Heiligenlegenden mit der Zeit immer schöner und strahlender – bei Maria Magdalena war es genau umgekehrt. Als ältestes erhaltenes Zeugnis über sie gilt das Neue Testament, wo sie in allen vier Evangelien als "Maria aus Magdala" eine wichtige Rolle spielt. Gemeinsam mit anderen Jüngerinnen folgt sie Jesus nach und verließ ihn selbst bei der Kreuzigung nicht (vgl. Mk 15,40f). Im Johannesevangelium ist Maria sogar die erste, die dem Auferstandenen begegnet. Als Zeugin soll sie den anderen Jüngern die Osterbotschaft verkünden (vgl. Joh 20,11-18). Bereits ab dem 4. Jahrhundert begann sich Marias Image jedoch zu wandeln: Die geachtete Jüngerin wurde zunehmend mit anderen Frauengestalten identifiziert. Besonders die Gleichsetzung mit der namenlosen "Sünderin" (vgl. Lk 7,36-50) brachte Maria den Ruf einer Prostituierten ein und beflügelte die Fantasie zahlreicher Künstler. Erst ab dem 20. Jahrhundert trat Maria wieder mehr als Glaubensbotin ins kirchliche Bewusstsein. 2016 griff Papst Franziskus Marias antiken Titel "Apostelin der Apostel" wieder auf und erhob ihren Gedenktag in den Rang eines Festes.