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Die Kirche und das Geld. Klartext.

Kirchenmitglieder zahlen in Deutschland Kirchensteuer. Von vielen Seiten hagelt es dafür Kritik. Selbst Benedikt XVI. kritisierte das System. Pastor Christian Olding hält die Kirchensteuer an sich nicht für das eigentliche Übel.

Video im Wortlaut

Das Geld hat in allen Bereichen immer mehr Einfluss gewonnen. Auch Kultur, auch Caritas, müssen immer mehr mit Geld haushalten und sehen sich unter Druck und Zwang gesetzt. Und das wird zunehmend zu einem Problem. Natürlich ist die Kirche reich, aber ehrlich gesagt, sie ist nicht reicher als ihre Mitglieder. Dass die Kirche so viel Geld zur Verfügung hat, ist zunächst einmal ein Spiegelbild dessen, was die finanzielle Situation ihrer Mitglieder hergibt. Und nicht zu vergessen ist auch, dass die zehn Reichsten in Deutschland immerhin Milliarden besitzen.
So gesehen geht es der Kirche finanziell richtig gut, aber superreich ist sie gemessen, an dem was andere Privatiers zur Verfügung haben, auch nicht. Das, was Kirche zum Stein des Anstoßes macht, ist die Art und Weise wie sie mit ihrem Geld umgeht, wie sie haushaltet und wofür sie Geld verlangt. Und da gibt es in der Tat große Probleme. Papst Benedikt musste die deutsche Kirche zurückpfeifen, dass es nämlich nicht angehen könnte, Glaubenszugehörigkeit an einem finanziellen Beitrag festzumachen. Kirchensteuer als Beleg dafür zu sehen, wie gläubig jemand ist und wie sehr er zu dieser Gemeinschaft gehört, das ist nach wie vor ziemlich fragwürdig. Und auch ziemlich unzeitgemäß.

Und selbst ein sehr prominenter Christ, nämlich Papst Franziskus, hat der Kirche ziemlich deutlich ins Stammbuch geschrieben, wofür sie ihre finanziellen Ressourcen einzusetzen hat: nämlich den Armen zur Seite zu stehen und ihnen zu helfen, ihren Platz und ihr Standing in der Gesellschaft nicht vollkommen zu verlieren.
In dieser Hinsicht muss Kirche sich messen lassen, wofür sie ihre Einnahmen verwendet und da bedarf es definitiv einer grundlegenden Überholung. Nämlich zum Beispiel einer Frage, wie viel Geld wird eigentlich in tote Steine investiert? Und wie viel wird eigentlich für lebendige Steine ausgegeben? Wie viel Geld wird dafür ausgegeben, die Botschaft Gottes den Menschen wirklich wieder nahezubringen? Und wie viel wird nur dafür ausgegeben den bürokratischen Wasserkopf am Leben zu halten? Die Kirchensteuer an sich halte ich noch nicht einmal für das Übel. Mit ihr ließe sich Wunderbares veranstalten und machen. Die Frage ist nur, wie moralisch integer sind die Menschen, die verantworten, wofür das Geld ausgegeben wird?
Und ja, es gibt auch gute andere Modelle mit der Kirchensteuer umzugehen und diese Steuer zu erheben. Aber die Kirchensteuer an sich zu verteufeln und darin das Übel zu sehen, das ist zu kurz gegriffen. Denn auch wenn die Kirchensteuer nicht mehr da ist, sorgt das noch lange nicht dafür, dass die Menschen, die sie verantworten besser mit Geld umgehen.

Themenseite Kirchensteuer

Im Video-Format von katholisch.de wird Klartext gesprochen, statt um den heißen Brei herumgeredet. Pastor Christian Olding aus dem Bistum Münster kommentiert alle zwei Wochen dienstags auf katholisch.de aktuelle Themen aus Kirche und Gesellschaft. Olding macht dabei auch vor heiklen Themen nicht Halt. "Nur zu Weihnachten in den Gottesdienst?", "Christen und die Willkommenskultur?" oder "Die Rolle der Frau in der Kirche?" Mit "Klartext" gibt es neben dem "Standpunkt" ein weiteres starkes Meinungsformat auf katholisch.de.