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Vegetarische Christen? Klartext.

Immer mehr Menschen wollen nicht, dass Tiere für ihre Ernährung sterben müssen. Aber was sagt eigentlich die Bibel zum Thema Fleischkonsum? Müssten etwa alle Christen Vegetarier sein?

Video im Wortlaut

Inzwischen dürfte jedem klar geworden sein, dass ungebremste Massentierhaltung keine Option ist und ökologisch einfach nur vertan. Und jeder, der schon einmal mit grausigen Fotos aus Schlachthöfen konfrontiert wurde, stellt sich unweigerlich die Frage: Muss nicht auch ich endlich Vegetarier werden? Schaut man in die Bibel, ist zumindest klar, dass es ein Schwarz-Weiss in dieser Frage nicht gibt. Jesus selbst feierte das letzte Abendmahl als Pessachmahl und auch für ihn und seine Jünger wurde ein Lamm geschlachtet, das definitiv nicht als reine Deko auf'm Tisch liegen geblieben ist, sondern auch verzehrt wurde. Die ethische Kernfrage ist jedenfalls nicht in einer knallharten und radikalen Ideologie aufzulösen. Zumal die Bibel in dieser Hinsicht eine sehr schöne Ansage kennt. Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst und wer nicht isst, richte den nicht, der isst. Denn Gott hat ihn angenommen. Und bei dieser Stelle geht es um den Fleischkonsum. Die Bibel gibt eine ethische Richtungsangabe, eine Orientierungshilfe, denn was die Bibel nicht kennt, ist die ganze Frage der Nachhaltigkeit, so wie wir sie uns heute stellen müssen. Die damaligen Menschen haben den Luxus gar nicht gehabt, sich zu fragen, wie viel oder wenig Fleisch sie denn nun konsumieren. Weil das ganze Essensthema wesentlich mehr auf das Existenzielle angelegt war. Nimmt man also die Bibel ernst und folgt man den Überzeugungen der Christen, dann ist zumindest eines klar. Das Fressen kommt nicht vor der Moral und vor dem Genuss steht die Liebe. Das machen prominente heilige Tierschützer deutlich, wie Franz von Assisi und Philipp Neri oder auch die Ansprache von Papst Franziskus 2015 vor der Uno, in der er noch einmal betonte, welchen Eigenwert die Geschöpfe besitzen und dass wir Menschen eben nur in Zusammenarbeit und in Abhängigkeit von unserem Geschöpfen leben und existieren können. Der Griff ins Kühlregal ist auch immer ein Griff des Glaubens und ein Griff der eigenen ethischen Überzeugung. Es geht nicht allein um die Frage, was kann ich mir leisten, sondern es geht um eine Frage der Verantwortung. Und zwar der Verantwortung dieser Welt und der Menschen gegenüber, die nicht in denselben Konsummöglichkeiten existieren und leben, die ich besitze. Nein, ich muss als Christ kein Vegetarier sein, aber es kann eine Ausdrucksform meiner Überzeugung und meines Glaubens sein, dass ich eine Verantwortung dieser Welt und diesen Geschöpfen gegenüber habe. Ich jedenfalls werde auch weiterhin Fleisch genießen, aber mit Wissen darum, dass es ein Genuss bleiben muss und kein selbstverständlicher Konsum tagein und tagaus - ohne Rücksicht auf Verluste.

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Im Video-Format von katholisch.de wird Klartext gesprochen, statt um den heißen Brei herumgeredet. Pastor Christian Olding aus dem Bistum Münster kommentiert alle zwei Wochen dienstags auf katholisch.de aktuelle Themen aus Kirche und Gesellschaft. Olding macht dabei auch vor heiklen Themen nicht Halt. "Nur zu Weihnachten in den Gottesdienst?", "Christen und die Willkommenskultur?" oder "Die Rolle der Frau in der Kirche?" Mit "Klartext" gibt es neben dem "Standpunkt" ein weiteres starkes Meinungsformat auf katholisch.de.