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Christen im Kriegsdienst? Klartext.

Die Frage, ob ein Christ Dienst an der Waffe tun darf, ist ein hochsensibles und emotionales Thema. Pastor Christian Olding geht der Frage nach, wie Christen mit denen umgehen sollten, die ihr Leben im Einsatz riskieren, und was passiert, wenn ein Soldat tötet.

Video im Wortlaut

Die Frage, ob ein Christ Dienst an der Waffe tun darf, ist ein hochsensibles und emotionales Thema. Und wahrscheinlich gibt es auch den einen oder die andere, die direkt sagen: "Das geht doch gar nicht. Gewalt und Tötung sind immer etwas Grauenvolles". Und sicher gibt es auch den ein oder die andere, die sagen, es heißt doch in der Bibel: "Du sollst nicht töten!" Wer allerdings jetzt die Zehn Gebote in Anspruch nimmt, der verkennt, dass das hebräische Wort eigentlich die verbrecherische Tötung, also eher den Mord meint. Und auch sonst gibt es im Alten Testament den einen oder anderen Krieg, den das Volk Israel zusammen mit Gott vollführt.

Und selbst wer Jesaja heranzieht und sagt: "Da heißt es doch aus Schwertern Pflugscharen schmieden", selbst der reißt diese Stelle aus dem Zusammenhang. Und auch im Neuen Testament: Weder die Apostel noch Jesus Christus verbieten den Soldatendienst. Erst die Kirchenväter, die alten Kirchenväter, die halten den Dienst an der Waffe und das christliche Leben für unvereinbar. Mit der konstantinischen Wende allerdings, tritt die nächste Wende ein und Augustinus rechtfertigt den Krieg und damit auch den Dienst des Christen an dem Gewehr und an der Waffe. Wie man also sieht, ist diese Frage nie eindeutig beantwortet worden, bzw. hat zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Antworten gefunden. Ich, für meinen Teil, halte immer noch Luthers Kriegsleute-Schrift für heute einen maßgeblichen Impuls. Luther sagt darin, dass die Bergpredigt weiterhin verbindlich ist: "Liebe deine Feinde und verzichte auf Gewalt."

Und, dass ein Christ lieber Unrecht erleiden sollte, als Unrecht begehen. Nur, was Luther auch ziemlich deutlich macht, ist die Tatsache, dass wir mit Ungläubigen zusammenleben und in einer sündigen Welt. Und, dass diese Strukturen hin und wieder den Einsatz von Gewalt nötig machen. Gerade, wenn es darum geht, die Rechte der Schwachen, der Unterdrückten und der Armen zu schützen. Aus der heutigen Sicht gesprochen heißt es also: Dass es in Extremsituationen zur Anwendung von Gewalt kommen kann und das ist auch das, was die UN festgeschrieben hat mit ihrem Ausdruck der "responsibility to protect".

Manchmal gilt es Verantwortung zu übernehmen und dazu Gewalt anzuwenden. Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch: Wenn ein Soldat tötet, wird er schuldig, weil er nach christlichem Verständnis jemanden das Leben nimmt und sich damit am Leben eines anderen vergeht. Ein Soldat allerdings, handelt nicht nur aus seinen eigenen Motiven heraus, sondern auch aus einer Verantwortung, die er dem Staat, der Gesellschaft und dem Schutz der Freiheit gegenüber hat. Wenn er nicht handelt und nicht Gewalt anwendet, lässt er damit größeres Unrecht und größeres Leid zu. Wendet er Gewalt an, kann das in letzter Konsequenz bedeuten, dass er einem Menschen das Leben nimmt. Dieses Dilemma ist nicht aufzulösen.

Aber gerade deswegen verdienen die Soldaten, die für unser Land und für unsere Gesellschaft im Einsatz sind, unseren Beistand, unser Verständnis und vor allen Dingen unseren Rückhalt, dieses Dilemma auszuhalten und zu ertragen.

Im Video-Format von katholisch.de wird Klartext gesprochen, statt um den heißen Brei herumgeredet. Pastor Christian Olding aus dem Bistum Münster kommentiert alle zwei Wochen dienstags auf katholisch.de aktuelle Themen aus Kirche und Gesellschaft. Olding macht dabei auch vor heiklen Themen nicht Halt. "Nur zu Weihnachten in den Gottesdienst?", "Christen und die Willkommenskultur?" oder "Die Rolle der Frau in der Kirche?": Mit "Klartext" gibt es neben dem "Standpunkt" ein weiteres starkes Meinungsformat auf katholisch.de.