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Wie schaffe ich eine Beziehung zu Gott? Glaube.Leben.

In jeder Beziehung gibt es gute und weniger gute Zeiten. Der Wert einer Beziehung zeigt sich besonders in schlechteren Phasen. Doch gerade in denen hat man oft das Gefühl, dass Gott gar nicht da ist. Wie also kann man in herausfordernden Zeiten mit ihm in Beziehung treten?

Video im Wortlaut

Gerade dann, wenn es in meinem Leben anstrengend wird, wenn Leid sich bemerkbar macht, wenn ich mit Tod und anderen Katastrophen konfrontiert werde, gerade dann würde ich mir wünschen, dass ich Gott spüre, dass er wirklich da ist, dass er mich begleitet. Doch leider fehlt genau in diesen Momenten dieses Gespür und diese Sicherheit.

Freundschaften und Beziehungen zu leben und zu pflegen wenn alles gut läuft, ist keine wirkliche Herausforderung. Freundschaften werden auf die Probe gestellt und wachsen meistens dann, wenn es Phasen gibt, in denen sich mehr Distanz als Nähe breit macht. Warum sollte es im Blick auf Gott anders sein? Auch da gibt es Phasen, in denen ich das Gefühl habe, dass zwischen mir und Gott eine riesen Distanz herrscht, dass ich ihn nicht spüre, ihn nicht wahrnehme, ihn nicht erlebe. Zeiten der Nähe und der Distanz gehören zu jeder Beziehung dazu.

Das gilt auch im Blick auf Gott. Auch große Theologen mussten sich durch Phasen hindurchkämpfen, wo sie von Gott nichts mehr spürten. Johannes vom Kreuz hat seine Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst: "Die dunkle Nacht". Auch große Gestalten der Bibel wie König David haben sich durch solche Phasen durchgequält und David hat etliche Psalmen darüber geschrieben, in denen er fast an Gott verzweifelte.

Und die für mich beeindruckendste biblische Gestalt in dieser Hinsicht ist Ijob. 37 Kapitel lang spürt er gar nichts mehr von Gott, während ihm sein Leben vollkommen entgleitet. Alles wird ihm genommen: Besitz, Familie, Gesundheit. Alles entgleitet ihm und dazu entschwindet ihm noch Gott. Und was macht Ijob? Er haut diesem Gott all seine Verzweiflung, all sein Nichtverstehen, all sein Klagen, all seinen Schmerz um die Ohren.
Und am Ende wird Gott sagen: "Ijob hat Recht gesprochen". Genau das war die Art und Weise, wie Ijob mit dieser Situation umgehen sollte: Seine Verzweiflung Gott entgegen zu knallen und gleichzeitig aber noch an Gott festhalten zu wollen. Und das ist genau das worauf es ankommt. Das ist das, was unseren Glauben wachsen lässt, dass wir in Momenten, in denen wir das Gefühl haben Gott ist nicht mehr da, dass wir uns in diesen Momenten an den Wahrheiten und Gewissheiten festhalten, die unseren Glauben ausmachen. Auch dann, wenn es sich anders anfühlt, gilt das was Gott versprochen hat: "Ich bin für dich da, in deinem Schmerz, in deinem Leid, in deinem Nichtverstehen, in deiner Verzweiflung". Und daran gilt es sich zu klammern. Zu meiner Beziehung mit Gott gehört es dazu, dass es Phasen gibt, in denen ich ihn nicht spüren werde. Auch in Zukunft wird das immer wieder eine Herausforderung sein. Die entscheidende Frage ist, wie ich diese Abschnitte gestalte, wie ich in diesen Abschnitten an Gott festhalten kann, ohne meinen Glauben und meine Beziehung zu ihm aufgeben zu müssen. Und dafür braucht es Überlebensstrategien. Und die Entscheidende ist, daran zu glauben und daran festzuhalten, dass das, was in guten Momenten für mich wahr und richtig ist, dass das auch in den schlechten und herausfordernden gilt. Gott ist da! Er geht mit, er ist real - auch wenn es sich anders anfühlt.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann mal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus, nimmt Christian Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden zweiten Dienstag erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem Youtube-Kanal.