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Warum ist Essen so wichtig? Glaube.Leben.

"Essen ist viel mehr als Pflichterfüllung oder Kalorienaufnahme", glaubt Pastor Christian Olding. Besonders die soziale Komponente ist für ihn zentral. Wie er das meint und wie Essen demnach gestaltet werden kann, erklärt er in der neuen Folge von Glaube.Leben.

Video im Wortlaut

Für die einen ist Essen eine unliebsame Zeitverschwendung im Laufe des Tages, um halbwegs betriebsbereit zu bleiben. Für die anderen bedeutet es mühsames Kalorienzählen, damit nicht noch mehr Pfunde auf die Hüfte kommen. Beiden gemeinsam ist allerdings, dass sie eines übersehen: dass Essen so viel mehr bedeutet als bloße Nahrungsaufnahme.

Eine amerikanische Zeitschrift hat einmal eine Umfrage gestartet, in der Leser schreiben sollten, welche Sätze sie im Laufe des Tages gerne hören. Und die Top drei bildeten als erstes "Ich liebe dich", als zweites "Ich vergebe dir" und als drittes "Das Essen ist fertig". Problematisch ist nur, dass es so selten noch vorkommt, dass wir diesen Satz im Laufe des Tages noch hören. Und unser Zuhause ist zu einer Durchgangsstation geworden auf dem Weg von x nach y. Und dass wir mit unseren Lieben zusammen am Tisch sitzen und Zeit haben für gemeinsames Essen, das hat Seltenheitswert. Und dabei ist dieses gemeinsame Essen der notwendige und einfache Kitt, den es braucht, um Freundschaften und Familie zusammenzuhalten. Deswegen finde ich es sehr beeindruckend, dass der Sabbat mit einer gemeinsamen Mahlzeit beginnt. Es ist eine innere Logik, weil wir ansonsten es gar nicht schaffen, aus dem auszusteigen, was wir sonst jeden Tag tun. Wie sollen wir endlich anfangen aufzuhören? Und mit einem Essen werden andere Sinne angesprochen und andere Bedürfnisse gestillt und befriedigt als die, die sonst im Laufe der Woche oben auf liegen.

Es passiert eben an diesen langen Abenden, wenn die Teller geleert vom Tisch geräumt und in die Spülmaschine gestellt wurden, wenn wir uns gemeinsam aufs Sofa fallen lassen, dass wir die Nähe der Anderen genießen und endlich über die Dinge des Lebens sprechen, auf die es wirklich ankommt. Es passiert an diesen langen Abenden, dass wir über uns selbst, unsere Sehnsüchte, Bedürfnisse und Ängste sprechen. Und es sind diese Abende, an denen wir merken, dass sich Beziehungen vertiefen und dass die Zeit wie im Fluge vergeht.

In diesen Momenten interessiert dann nicht mehr, welche Worte und wie wir sie wählen. Es interessiert nicht mehr, wie wir uns vor Anderen darstellen und wie wir uns benehmen. In diesen Momenten können wir einfach nur noch sein. Und nicht umsonst steht ein Mal im Zentrum unseres christlichen Glaubens. Es ist das Abendmahl gewesen, was Jesus den Menschen hinterlassen hat, genau im Wissen darum, dass in solchen Momenten und solchen Situationen das Entscheidende auf den Tisch kommt und endlich wieder den Platz in unserem Leben erhält, den es verdient.