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Wofür nutze ich meine Zeit? Glaube.Leben.

Zeit: Meist hat man zu wenig davon. Und wenn man ausnahmsweise mal zu viel davon hat, ist man mit der aufkommenden Langeweile auch nicht zufrieden. Welchen Stellenwert Zeit für den modernen Menschen hat und wie man sie nutzen sollte, erläutert Pfarrer Christian Olding.

Video im Wortlaut

Benjamin Franklin formulierte einst: "Zeit ist Geld." Und Recht hat er. Wir sparen Zeit an, wir investieren Zeit oder wir reduzieren Zeit. Und das, was uns moderne Menschen am meisten belastet, ist, dass wir viel zu wenig von ihr haben. Deswegen lohnt sich die Frage "Wofür investiere ich eigentlich meine Zeit?"

Zeit ist an sich eine ziemlich faire Währung, weil sie jedem von uns täglich neue 24 Stunden gönnt. Aber gerade deswegen habe ich mir Prinzipien überlegt, nach denen ich mit dieser Zeit umgehen möchte. Das Erste ist, dass ich den Gedanken "Das kostet mich Zeit" verbannt habe. Immer wieder passiert es mir in meinem Alltag, dass mir Menschen begegnen, die sagen "Hast du mal eben Zeit für ein Gespräch?". Und allzu oft habe ich mich dann ertappt bei dem Gedanken "Oh nein, das kostet mich jetzt Zeit, die ich eigentlich gar nicht habe!". Und das Problem ist, dass man mir diesen Gedanken auch angesehen hat. Stattdessen trainiere ich immer wieder neu den Gedanken "Nein, ich habe Zeit. Und die Zeit nehme ich mir!". Das ist zwar nur die halbe Wahrheit, weil ich natürlich nach wie vor unter Druck stehe, aber diese Hälfte ist die mir deutlich sympathischere.

Zum anderen erlauben mir die zahlreichen digitalen Möglichkeiten, dass ich immer mitbekommen kann, was jetzt gerade irgendwo auf der Welt passiert. Ob ich im gleichen Maße allerdings immer mitbekomme, was hier in meinem Umfeld, in meinem Zuhause und in meinen Beziehungen passiert, das sei allerdings dahingestellt. Ich muss akzeptieren, dass die Zeit im analogen Raum anders verläuft als im digitalen. Meine Beziehung kann ich nun mal nicht so einfach updaten wie meinen Facebook-Status. Meine Freundschaften verlangen nach Zeit am Stück, und zwar nach ausgiebiger Zeit, um meine Beziehungen und Freundschaften zu vertiefen. Und das sollten sie mir wert sein. Zumindest wenn es mir daran gelegen ist, dass sie sich entwickeln und intensivieren.

Und als letzter Gedanke, und zwar ein Gedanke, der mich ziemlich entlastet, ist die Tatsache, dass Zeit nicht vergeht, sondern kommt. Solang ich lebe, wird neue Zeit auf mich zukommen. Und das ist ein ziemlich entlastender Gedanke, weil er mir deutlich macht, dass Zeit, egal ob ich sie verschwende, sinnvoll einsetze oder nicht, immer wieder neu auf mich zukommen wird. Und daran erinnert mich auch immer wieder eine schöne Begebenheit mit einer älteren Dame, die mir von einem Ritual erzählte. Jeden Morgen geht sie als erstes zum Briefkasten, holt die Tageszeitung heraus und schlägt sie auf. Das Erste, was sie kontrolliert, sind die Todesanzeigen. Sie schaut nach, ob sie ihre eigene Todesanzeige findet. Und wenn nicht, schließt sie die Zeitung mit einem Lächeln, geht in ihr Haus und kocht sich zunächst einmal einen Kaffee. So kann man es natürlich auch machen. Die Zeit einfach ignorieren.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann mal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus, nimmt Christian Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden zweiten Dienstag erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem YouTube-Kanal.