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Wie prägt mich meine Familie? Glaube.Leben.

Mit dem Heranwachsen erben wir Denk- und Verhaltensmuster unserer Familie und des Umfelds. Dann gilt es, sich neu zu positionieren. Pfarrer Christian Olding glaubt, dass wir uns, indem wir uns von starren Glaubenssätzen lösen, frei machen für Jesus.

Welche Ereignisse und Menschen haben einen Einfluss darauf gehabt, dass ich heute der Mensch bin, der ich bin? Wie können sie mir helfen zu verstehen, was mich antreibt und was mich motiviert? Ich glaube, dass mit wenigen Ausnahmen unsere Herkunftsfamilie den prägendsten und mächtigsten Einfluss auf uns Menschen hat. Deswegen lohnt es sich, einen guten und einen intensiven Blick auf unsere eigene Familiengeschichte zu werfen.

Für das Neue Testament ist das Bild der Familie ein sehr entscheidendes und prägendes. Als Christen sind wir hineingenommen in eine neue Familie, in der – wie Paulus es so schön formuliert – nicht mehr interessiert, wo wir herkommen, welchen Status wir haben und was uns mitgegeben wurde. In dieser Familie gibt es weder Griechen noch Juden, weder Männer noch Frauen. In dieser Familie interessiert einzig und allein der Maßstab, den Jesus uns ins Stammbuch geschrieben hat. Das Problem ist nur, wir werden unsere Herkunftsfamilie nicht los. Gott löscht unser Gedächtnis nicht aus, unsere Vergangenheit wird uns nicht einfach genommen und es gibt leider auch keine emotionale Schönheitsoperation, die einfach ungeschehen sein lässt, was uns als Verletzungen und als Ballast mitgegeben wurde. Deswegen ist es nötig, damit wir frei werden für diese neue Familie, dass wir uns unserer eigenen Familie und unserer eigenen Vergangenheit stellen.

Das heißt, dass ich einen ehrlichen Blick darauf werfen sollte, wie in meiner Familie über bestimmte Menschen gesprochen wurde. Wie hat meine Familie über reiche oder arme, gebildete oder ungebildete oder über fremde Menschen gesprochen? Das heißt auch hinzuschauen, wie in meiner Familie bestimmte Themen angeschnitten wurden. Wie wurde über Sexualität gesprochen? Über Ärger? Wie wurde über den Umgang mit Frust und mit Wut geredet? All das hat mich geprägt und hat meinen eigenen Umgang mit diesen Themen bestimmt. Nur wenn ich mich mit diesen Themen bewusst auseinandersetze, nur wenn ich hinschaue, kann ich wirklich erkennen, von welchen zerstörerischen und belastenden Mustern ich mich lösen muss.

Jesus war es immer ein großes Anliegen, Menschen in die Freiheit zu führen. Wenn ich wirklich frei werden will, muss ich mich eben auch von dem lösen, was meine Familie mir an belastenden Erbschaften mitgegeben hat. So ein Blick zurück in meine Vergangenheit ist harte Arbeit und mag sich manchmal auch wie ein Verrat fühlen. Aber darum geht es nicht. Dieser ehrliche Blick hilft mir zu unterscheiden, was gut war in meiner Familie, was ich erhalten und bewahren möchte, was ich mitnehmen möchte in meine persönliche Zukunft. Es hilft mir aber klarzubekommen, wovon ich mich lösen muss und will. Denn nur, wenn ich das beides angehe, nur dann bin ich wirklich dazu in der Lage, mich auf die neue Familie einzulassen, in die Jesus mich mithineinnehmen möchte. Nur dann bin ich auch wirklich dazu in der Lage, diese neue Familie mit ihren neuen Maßstäben mitzugestalten und an ihr mitzuarbeiten. Damit ich auch anderen Menschen hier ein Zuhause bieten kann. Damit ich auch anderen Menschen dabei helfen kann, sich von dem zu lösen, was ihre Familie ihnen als belastendes Paket mitgegeben hat. Es lohnt sich. Es geht um Freiheit, es geht um Zukunft und es geht um ein neues Zuhause.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann einmal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus nimmt Pfarrer Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden zweiten Dienstag erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem YouTube-Kanal.