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Wie entwickle ich Achtsamkeit? Glaube.Leben.

Achtsamkeit ist eine Fähigkeit, die in uns allen liegt, aber stetig trainiert werden will, um uns Gutes zu geben. Wie das gelingen kann, dafür gibt Pfarrer Christian Olding Strategien an die Hand.

Video im Wortlaut

Der Mensch braucht eingebaute Mechanismen zur Selbsterforschung und Selbsterfahrung, damit wir am Ende nicht nur wie Billardkugeln herumgeschoben werden, sondern auch mitbekommen und realisieren, was uns eigentlich innerlich antreibt. Damit wir nicht nur aus Zwang handeln, sondern bewusst unsere eigenen Entscheidungen treffen können. Und ein gutes Mittel dafür ist die Entwicklung einer Achtsamkeit.

Ignatius von Loyola empfiehlt an dieser Stelle vor allen Dingen die abendliche Gewissenserforschung. Es geht darum, die verschiedenen Ereignisse des Tages in sich wieder aufsteigen zu lassen, um mit den eigenen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Aber Achtung: Es soll nicht darum gehen, sich selbst zu zerfleischen für all das, was vielleicht nicht rund gelaufen ist. Nein, überhaupt nicht. Es geht einfach nur darum, zunächst einmal die Dinge vollkommen wertfrei Revue passieren zu lassen. Hilfreiche Mittel dazu sind das Schweigen und die Stille. Denn nichts bringt uns schneller mit uns selbst in Kontakt, als wenn alle Geräusche um uns herum zum erliegen kommen. Die Stille ist etwas, zu dem man sich am Anfang zwingen muss, weil es Überwindung kostet. Aber, und auch das lehrt die Erfahrung, am Ende ist es etwas sehr, sehr Wohltuendes.

Der Beginn der Gewissenserforschung könnte so aussehen, dass man zunächst einmal für drei Dinge dankt, die es Wert waren, diesen Tag anzupacken. Drei Dinge, die mich erfreut haben. Drei Dinge, die schön gewesen sind. Das führt am Ende dazu, dass wir erleben, dass wir zwar nicht für alles dankbar sein können, was uns widerfährt, aber dass wir trotz aller Herausforderungen immer wieder Dankbarkeit spüren und erleben können. Das verändert die Perspektive und lässt uns intensiver erkennen, was jeder Tag auch an schönen und guten Möglichkeiten und Erfahrungen bereit hält.

In einem weiteren Schritt geht es dann zu schauen, was für Ereignisse an diesem Tag haben mich noch bewegt. Wo war ich voller Leidenschaft, was hat mich motiviert. Oder aber auch was hat mich frustriert, was hat mich eher in die Angst oder in die Furcht getrieben. Diese Dinge aufsteigen zu lassen, in den Blick zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Und falls du dabei feststellen solltest, dass die Gedanken immer wieder abschweifen, dann mach das Ganze schriftlich. Nichts holt uns mehr in das Hier und Jetzt, als wenn wir anfangen, einen Stift in die Hand zu nehmen und wirklich auf klassischem Papier zu schreiben. 

Und am Ende, am Ende gebe ich diesen Tag ab. Am Ende vertraue ich alles, was gewesen ist Gott an und verlasse mich darauf, dass er es ist, der auch die Dinge zusammenzufügen vermag, wo mein Verständnis an seine Grenzen kommt. Wenn ich auf diese Art und Weise mein Leben bewusster und achtsamer in den Blick bekomme, dann führt es zum einen dazu, dass ich meine Tage intensiver wahrnehme, dass ich nicht nur durch mein Leben stolpere, sondern zielgerichteter und absichtsvoller unterwegs bin. Und das ist etwas, was meine Lebensqualität auf Dauer definitiv steigern wird.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann einmal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus nimmt Pfarrer Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden zweiten Dienstag erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem YouTube-Kanal.