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Was ist gerecht? Glaube.Leben.

Was ist eigentlich gerecht? Und wer entscheidet darüber? Welche Rolle spielen mein individuelles Empfinden und das Gemeinwohl? Pfarrer Christian Olding glaubt, dass Gottes Handeln uns allen Vorbild in Gerechtigkeitsfragen sein kann.

Was ist eigentlich in welcher Situation gerecht? Ist es gerecht, wenn ich entsprechend meiner Leistungen und Verantwortungen entlohnt werde? Intuitiv würden die meisten wohl ja sagen. Spätestens allerdings, wenn es um die Gehälter und Boni von Vorstandsvorsitzenden geht, lässt sich trefflich streiten. Was also ist Gerechtigkeit?

So unterschiedlich und widersprüchlich die meisten Gedanken zum Thema Gerechtigkeit auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie messen, berechnen, zählen und wiegen ab. Wer erhält was? Und damit ist der Begriff "Gerechtigkeit" vor allen Dingen ein Kampfbegriff in Verteilungsfragen geworden. Alt gegen jung, arm gegen reich. Wenn man allerdings in die Bibel schaut, stellt man fest, dass dort der Gerechtigkeitsbegriff ganz anders gelagert ist. Er wird aus einer Beziehung heraus definiert. Und zwar zunächst einmal hat er seine Grundlage in der Beziehung Gottes seinem Volk gegenüber. Gott befreit das unterdrückte und unterjochte Volk Israels aus der Knechtschaft in Ägypten. Das ist die Urgerechtigkeitstat Gottes. Das ist der Ausgang göttlicher Gerechtigkeit. Und weil Gott sich so seinem Volk gegenüber gezeigt hat und diese Tat treu immer wieder einlöst, deswegen fühlt der Mensch sich dazu motiviert, ähnlich zu handeln und in diesem Sinne Gerechtigkeit walten zu lassen. Gerechtigkeit hat also mit der Treue demgegenüber zu tun, was der Gemeinschaft nützt und zuträglich ist.

Jesus setzt an diesem Punkt an und treibt ihn noch weiter. Er setzt sich für eine neue Form des miteinander Umgehens ein. Nicht Konkurrenz und Überlegenheit, sondern Solidarität und gegenseitiger Dienst sollen das Miteinander bestimmen. Soziale Rangunterschiede und Ordnungen interessieren nicht mehr. Die neue und bessere Gerechtigkeit, für die Jesus wirbt, die zeigt sich vor allen Dingen im schönen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Zu unterschiedlichen Zeiten werden sie angeworben und am Ende alle mit dem gleichen Lohn ausgestattet. Gleicher Lohn für ungleiche Arbeit.

Das haut unserem klassischen Gerechtigkeitsempfinden so richtig ins Gesicht, hat aber eine einmalige Logik. Dahinter steht die Überzeugung, dass es bei Gerechtigkeit vor allen Dingen darum gehen muss, dass jeder das erhält, was er zum Leben braucht. Und dafür soll ich mich einsetzen. Dafür soll ich mich engagieren. Und zwar aus dem einzigen Grund, dass ich weiß, dass Gott gut ist und dass Gottes Güte mich nicht vergisst und mich nicht übersieht. Dass dieser Gott dafür sorgen wird, dass ich im Leben nicht zu kurz komme. Und weil ich dieses Vertrauen habe, weil ich von dieser Grundüberzeugung geleitet und getragen bin, deswegen kann ich die Sorge um mich selbst und meine eigene Anerkennung vergessen und mich ganz den Bedürftigkeiten und Empfindsamkeiten der anderen Menschen öffnen und mich dafür engagieren und einsetzen, was sie zum Leben brauchen. Das ist ein biblisches Verständnis von Gerechtigkeit, das weit über unsere klassischen Vorstellungen hinausgeht. Aber eine, die unser Miteinander und unser Zusammenleben definitiv verbessern kann.

Im Video-Format "Glaube.Leben." beantwortet Christian Olding Fragen, die sich jeder irgendwann einmal stellt. Die katholisch.de-Serie will Orientierung für das eigene Leben mit dem Glauben geben. Aus seiner persönlichen und beruflichen Erfahrung heraus nimmt Pfarrer Olding den Zuschauer an die Hand. Dabei bedient er sich in gewohnter Manier klarer Worte und Bilder. Jeden ersten Dienstag im Monat erscheint eine neue Folge auf katholisch.de und in unserem YouTube-Kanal.