Afrikanische Theologen kritisieren Synode

Afrikanische Theologen haben scharfe Kritik an der Familiensynode im vergangenen Jahr geäußert. Diese sei zu sehr auf westliche Fragen ausgerichtet gewesen. Die Kirche müsse sich mehr um afrikanische Themen kümmern.

Familiensynode | Bonn - 20.08.2015

Theologen haben eine stärkere Berücksichtigung afrikanischer Themen bei der anstehenden Familiensynode im Vatikan gefordert. Wie die amerikanische Nachrichtenseite "National Catholic Reporter" (NCR) jetzt berichtete, hatten die afrikanischen Theologen bei einer Konferenz im Juli scharfe Kritik an den Beratungen der Synode im vergangenen Jahr geäußert. Demnach hätte sich das Bischofstreffen zu sehr auf Fragen konzentriert, die hauptsächlich für Europäer und Nordamerikaner relevant seien.

Beim "Theologischen Kolloquium zu Kirche, Religion und Gesellschaft in Afrika" in Nairobi hatten sich viele Beiträge um die anstehende Familiensynode im Vatikan gedreht, heißt es im Bericht. An der Konferenz hatten laut dem NCR prominente katholische Sozialethiker vom afrikanischen Kontinent teilgenommen, darunter auch drei Bischöfe.

Wieso ist die sexuelle Orientierung ein grundlegendes Menschenrecht, aber nicht das Recht auf Wasser?

Emmanuel Katongole

Der Theologe Emmanuel Katongole aus Uganda äußerte scharfe Kritik an der Engführung moralischer Fragen auf die Sexualität. "Man wundert sich, wieso Sexualität eine drängende, moralische Frage ist, nicht aber die Tatsache, dass Millionen Afrikaner keinen Zugang zu Trinkwasser, Nahrung oder Obdach haben", wird er zitiert. "Wieso ist die sexuelle Orientierung ein grundlegendes Menschenrecht, aber nicht das Recht auf Wasser?"

Bischof fordert afrikanische Ehetheologie

Der Bischof von Malindi in Kenia, Emanuel Barbara, habe nach den Erfahrungen der Synode im vergangenen Jahr eine neue Ehetheologie im afrikanischen Kontext gefordert. "Wenn wir unsere afrikanischen christlichen Familien respektieren wollen, müssen wir ernsthaft an einer afrikanischen christlichen Theologie der Ehe arbeiten", wird er vom NCR zitiert.

Barbara habe als Vorschlag für die Synodenväter unter anderem die Schaffung eines abgestuften Prozesses der Eheschließung eingebracht. In der afrikanischen Kultur sei die Ehe früher nicht mit einem Ja-Wort geschlossen worden, sondern in einem Prozess über mehrere Jahre gewachsen, was auch ein Zusammengehen der Familien eingeschlossen habe. "Können wir heute wirklich noch von einer universellen Form der Ehe sprechen, wenn das Ja-Wort, das der lateinischen und germanischen Kultur entstammt, als einzige Zustimmung zur Eheschließung ausreicht?", zitiert der NCR Bischof Barbara.

Der kenianische Bischof Barbara habe ebenfalls die kirchliche Lehre zu Fruchtbarkeit und Empfängnisverhütung kritisiert. Diese würde sich zu sehr darauf konzentrieren, sündiges Verhalten zu definieren. Man könne christliche Paare über die Folgen von Verhütung nicht aufklären, wenn man ihnen nur erklärte, was sündhaft sei und was nicht. Diese Zweiteilung sei "zu simpel für eine Kultur, in der die Fruchtbarkeit eines der wichtigsten Elemente der Ehe ist", heißt es im Bericht weiter.

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Theorie trifft Praxis: Über zwei Jahre beraten Bischöfe und Laien im Vatikan über die "pastoralen Herausforderungen der Familie". Das ist ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.

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Bei der Konferenz seien zudem mehrere spezifisch afrikanische Themen identifiziert worden, die nach Meinung der Teilnehmer bei der Familiensynode im vergangenen Jahr nicht ausreichend diskutiert worden waren. Darunter sind häusliche Gewalt gegen Frauen, die Abwesenheit von Vätern im Familienleben oder die verheerende Armut in weiten Teilen Afrikas. Die Konferenzteilnehmer hatten sich auch mit weiteren Themen wie Umweltzerstörung, dem Einfluss von Papst Franziskus auf die afrikanische Kirche und religiösen Fundamentalismus befasst.

Die Kirche soll Beschützerin Afrikas sein

Die südafrikanische Theologin Nontando Hadebe habe die Weltkirche aufgefordert, verstärkt für die Menschen in Afrika zu sprechen, die großes Leid erleben. Angesichts der Entführung hunderter nigerianischer Schulmädchen durch die Terrorgruppe "Boko Haram" habe sie gefragt: "Wie schockiert sind wir? Wer beachtet das noch?" Die Kirche müsste "zur Wächterin, Bewahrerin und Beschützerin" Afrikas und schwarzer Menschen werden, wird Hadebe im Bericht zitiert. (kim)

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