"Äußerst beeindruckend"

Das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia", das Papst Franziskus an diesem Freitag im Vatikan veröffentlicht hat, stößt auch unter den deutschen Bischöfen auf ein breites Echo. Katholisch.de dokumentiert die Stellungnahmen der Oberhirten.

Familiensynode | Bonn - 08.04.2016

Das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia", das Papst Franziskus an diesem Freitag im Vatikan im Nachgang zu den beiden Synoden über Ehe und Familie veröffentlicht hat, stößt auch unter den deutschen Bischöfen auf ein breites Echo. Katholisch.de dokumentiert die Stellungnahmen der Oberhirten:

Kardinal Rainer Maria Woelki (Erzbistum Köln)

"Schon eine erste oberflächliche Befassung zeigt für mich das Kennzeichnende dieses Textes: Der Papst stellt zum einen die großen biblischen, theologischen und kirchlichen Zusammenhänge her und wendet sich andererseits geradezu akribisch dem einzelnen Menschen und seiner Lebenssituation zu. Daraus wird eine großartige katechetische Bewegung, die die liebende Zuwendung Gottes zu jedem Menschen aufscheinen lässt: In der gelebten Liebe kann sich trotz ihrer Gefährdungen und Schattenseiten 'ein Traum Gottes mit uns Menschen' verwirklichen. Für Papst Franziskus ist überaus wichtig, dass die Kirche den Menschen nahe ist, dass sie durch ihre Art zu sprechen und zu handeln jeden Anschein einer idealistischen Überhöhung, undifferenzierten Beurteilung, lieblosen Verurteilung oder gar Ausgrenzung vermeidet. Diese Haltung der Nähe, eines 'demütigen Realismus' und der Barmherzigkeit bleibt in einer Spannung dazu, dass die Kirche immer 'Mater et Magistra' ist, Mutter und Lehrerin, die den Menschen nichts von dem vorenthalten darf, was der Schöpfer mit der Schöpfung gewollt und durch Christus gelehrt hat. Weder Dogmatismus noch Beliebigkeit führen zum Ziel, sondern nur die beharrliche Zuwendung im Geist Christi, jene Barmherzigkeit, die keine billige Gnade ist, sondern der Vernunft das Herz zur Seite stellt. Kennzeichnend dafür ist allein schon die Kapitelüberschrift 'Die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern'. Das ist anstrengend, das ist aufwändig, das führt im Zweifel zu vielen Fragen, erfordert Respekt und Klugheit, aber dieser Ansatz des Papstes fördert nicht zuletzt die Gewissensbildung und damit im besten Sinne die Verantwortung jedes einzelnen - als Ehefrau oder -mann, als Alleinlebende, als Bischof oder Priester. Der Text muss nun in seiner ganzen Tiefe intensiv studiert werden; ihm sind viele aufmerksame Leserinnen und Leser zu wünschen, die dieses sehr differenzierte Dokument aufmerksam lesen und die darin enthaltenen Spannungen und offenen Fragen auszuhalten versuchen, statt sie durch die gängigen Klassifizierungen in je ihrem Sinn zu erledigen."

Linktipp: Die Liebe im Mittelpunkt

Neun Kapitel, 325 Paragraphen, ein Thema: Das nachsynodale Schreiben des Papstes zur Familiensynode steht ganz im Zeichen der Liebe. Mit "Amoris laetitia" hat Franziskus am Freitag eines der wichtigsten Schreiben seines bisherigen Pontifikats veröffentlicht. Katholisch.de stellt die einzelnen Kapitel des Schreibens vor und zitiert die wichtigsten Stellen.

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Erzbischof Stephan Burger (Erzbistum Freiburg)

Das Erzbistum Freiburg will neue Anregungen von Papst Franziskus zur Seelsorge- und Beratungsarbeit für Ehen und Familien aufgreifen. "Die bisherigen Aktivitäten im Umgang mit Ehen und Familien werden reflektiert und - wo dies notwendig ist - ergänzt und verbessert", kündigte Erzbischof Stephan Burger am Freitag in einer ersten Stellungnahme zum Papst-Schreiben "Amoris laetitia" an. Burger zeigte sich dankbar für die Impulse von Papst Franziskus: "Wir sollen sein Anliegen ernst nehmen und das Schreiben nicht einfach nur hastig durchlesen, sondern in den kommenden Tagen und Wochen Abschnitt für Abschnitt geduldig vertiefen."

Erzbischof Stefan Heße (Erzbistum Hamburg)

"Der Papst hat die Lebenswirklichkeit der Menschen von heute im Blick. Diese Wirklichkeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich stärker verändert als in den Jahrhunderten zuvor. Auf der anderen Seite macht Franziskus auch klar: Wir geben unsere Ideale nicht auf. Wir müssen aber neu darüber nachdenken, wie Menschen sie leben können. Es muss gelingen, eine  begehbare Brücke zwischen Ideal und Wirklichkeit zu bauen. Der Papst hat bewusst keine neuen Regelungen getroffen. Er will vielmehr Hilfen geben, um die Gewissensbildung der Menschen zu fördern."

Erzbischof Ludwig Schick (Erzbistum Bamberg)

"Das eigentliche Anliegen von 'Amoris Laetitia' ist, Ehe und Familie als schön, bereichernd, hilfreich und notwendig darzustellen. Ehe und Familie sind schön, weil sie die 'Freude der Liebe' ermöglichen, der Ehepaare zueinander, von Eltern und Kindern und zu weiteren Familienmitgliedern. (...) Der Papst geht dabei auch eigens auf die konfessionsverschiedenen und religionsverschiedenen Ehen ein und verlangt besondere Aufmerksamkeit für sie. Bei den sogenannten 'irregulären Ehe- und Familiensituationen', womit nicht zuletzt die Geschiedenen und Wiederverheirateten gemeint sind, gibt der Papst keine allgemeine Entscheidung. Das war auch nicht zu erwarten, nachdem was Papst Franziskus schon seit Beginn seines Pontifikates diesbezüglich gesagt hat. Geschiedene Wiederverheiratete gehören zur Kirche dazu und sind nicht exkommuniziert. Diese Aussage wiederholt 'Amoris Laetitia'. Sie sollen ihren Platz in der Kirche haben und im kirchlichen Leben mitwirken. 'Begleiten, unterscheiden und eingliedern' sind die entscheidenden Begriffe. Bezüglich der Sakramente sollen die einzelnen Menschen und ihre je eigene Situation berücksichtigt werden. (...) Die Katholiken dürfen Papst Franziskus sehr dankbar sein für dieses umfangreiche und theologisch, pastoral und spirituell sehr tiefgehende Schreiben über Ehe und Familie. Es enthält auch viele Aufgaben bezüglich Ehevorbereitung, Familienpastoral und Kindererziehung, sowie Katechese, Sakramentenfeier und Spiritualität; auch Anforderungen an Politik und Gesellschaft, bessere Rahmenbedingungen für Ehe und Familie zu gestalten. Es ist jetzt an allen in der katholischen Kirche, der Ökumene und der Gesellschaft, dieses Schreiben zu lesen, zu verstehen und es in die Praxis umzusetzen."

Das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia" von Papst Franziskus.
 KNA

Bischof Gebhard Fürst (Bistum Rottenburg-Stuttgart)

Als unschätzbare Hilfe für die Seelsorge und kraftvollen Beitrag für die kirchliche Ehe- und Familienpastoral hat Bischof Gebhard Fürst das Schreiben "Amoris laetitia" von Papst Franziskus gewürdigt. Der Papst stelle in dem Text vor, wie die Botschaft von Gottes Liebe und Barmherzigkeit die Menschen auch in noch so schwierigen familiären Situationen erreichen könne, erklärte Fürst am Freitag. "'Amoris laetitia' ist ein großartiges Plädoyer für liebevolle Begleitung von Menschen in allen Lebenslagen durch die Kirche", so der Rottenburger Bischof. Das Schreiben des Papstes sei ein sehr fruchtbarer und kostbarer Beitrag zum christlichen Leben der Eheleute, der in den bisherigen päpstlichen Dokumenten seinesgleichen suche. Fürst zeigt sich erfreut, dass der Papst auch schwierige familiäre Lebenslagen konkret bannt habe und Scheitern nicht ausklammere. Für solche Situationen gelte nach den Worten von Franziskus "die Logik der pastoralen Barmherzigkeit". Diese Logik gelte es nun in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gegenüber Eheleuten, wiederverheirateten Geschiedenen und Menschen in anderen schwierigen Lebenssituationen konkret zu entfalten.

Bischof Felix Genn (Bistum Münster)

"'Amoris Laetitia' nimmt die Familien in ihrer Wirklichkeit ernst. Die Beschreibung der verschiedenen Konstellationen, mit ihren Stärken und Schwächen, ist keine Mängelliste. 'Amoris Laetitia' ist ein pastorales Schreiben, welches uns dazu aufruft, Familien zu stärken. Papst Franziskus gibt uns ein starkes Votum für die Stärkung der Ehepastoral und für die Stärkung der Ehevorbereitung. Er unterstützt jedes einfühlsame, weise und pastorale Vorgehen, wie es Seelsorger immer wieder getan haben, ohne die Lehre zu verändern. Jede Beziehung sucht danach, in Liebe zu wachsen. Für uns gilt es, dies immer mehr zu sehen und praktisch zu berücksichtigen. Der Papst ermuntert uns, immer mehr in ein vertrauensvolles Gespräch zu kommen, um gemeinsam einen Weg zu entdecken. (...) Handlungsprinzip der Kirche soll nicht Trennung und Ausschluss sein, sondern Wachstum in Beziehung und Liebe. So ist Familie: Wachstum, Integration, Liebe und Beziehung. Franziskus lädt uns ein, auf ein Ideal hin zu leben und nicht vom Ideal her die Menschen zu beurteilen."

Bischof Friedhelm Hofmann (Bistum Würzburg)

"Mit beeindruckenden 304 Seiten nimmt Papst Franziskus ausführlich und detailliert Stellung zu den in den beiden Bischofssynoden diskutierten Themen und Problemen im Kontext von Ehe und Familie. Es ist eine sehr große Themenfülle, die der Heilige Vater in seinem Schreiben bearbeitet. Dabei überrascht die Mischung aus theologischer und spiritueller Reflexion mit praktischen Beispielen und Erläuterungen. Es ist ersichtlich, dass er sich intensiv mit der Materie beschäftigt hat, und dass ihm das Wohl der Eheleute und der Familien am Herzen liegt. An vielen Stellen ist seine ganz persönliche Erfahrung und seine lateinamerikanische Prägung von Familie spürbar. (...) Papst Franziskus verschweigt kein Problem und keine Fragestellung, verfällt aber auch keiner vordergründigen Antwort etwa im Blick auf die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Vielmehr fragt er: Wie kann eine gute Vorbereitung auf die Ehe gelingen? Wie können Paare gut begleitet werden? Wie gibt Kirche Hilfestellung in Krisen und im Scheitern? Das sind Fragen, die auch bei uns im Blick sind. Großen Wert legt der Heilige Vater auf das innere Wachstum sowohl der einzelnen Personen als auch der Partner und der Mitglieder einer Familie. Insofern sie Hilfestellung zu diesem Wachsen geben, sind Ehe und Familie bereits Subjekt der Verkündigung und der Pastoral. Das wird bei uns noch zu wenig wahrgenommen und aufgegriffen, kann aber einen reichen Schatz heben. Realistisch gelingt es dem päpstlichen Schreiben, den Alltag in Ehe und Familie wiederzugeben. Dabei bleibt der Text nicht auf die Darstellung der Probleme beschränkt, sondern bringt immer auch praktische Beispiele, diese Schwierigkeiten anzugehen. Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang das völlige Fehlen von Verurteilungen. Im Gegenteil: immer wieder wird auf die göttliche Barmherzigkeit verwiesen, die auch der Kirche eigen sein sollte."

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 trat die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Bischof Franz-Josef Overbeck (Bistum Essen)

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat das Schreiben von Papst Franziskus als "äußerst beindruckend" gewürdigt. Der Text orientiere sich an der alltäglichen, oft sehr schwierigen Realität des heutigen Familienlebens, ohne das Ideal und die Bedeutung von Ehe und Familie zu verdunkeln, lobte der Ruhrbischof das unter dem Titel "Amoris Laetitia" veröffentlichte Dokument. Dabei betone der Papst sehr deutlich, dass es notwendig sei, aus dem sterilen Gegensatz zwischen Angst vor dem Wandel und schlichter Anwendung abstrakter Normen herauszukommen. Overbeck: "Der Papst zeigt sich in dem Text als ein wirklicher Seel-Sorger, der die komplexen Lebenssituationen und –verhältnisse wahrnimmt und weiß, dass sie nicht pauschal beurteilt werden können und differenziert zu betrachten sind." Für den Papst stellten die allgemeinen Normen nach wie vor ein Gut dar, das niemals außer Acht gelassen werden dürfe, so Overbeck weiter. Zugleich fordere er aber auch eine differenzierte Sicht auf die Realitäten ein. "Diese Sicht mit der klaren und auch weitergehenden Perspektive der Integration von Menschen in unterschiedlichen Lebensverhältnissen in Verbindung zu bringen ist sicherlich die herausfordernde Botschaft des Papstes."

Ulrich Neymeyr (Bistum Erfurt)

"Das Schreiben 'Amoris Laetitia' ist geprägt von einer großen Hochachtung vor der menschlichen Liebe. Besonders auch vor der Liebe, in der menschliches Leben gezeugt und weitergegeben wird. Es ist durchdrungen von einer tiefen biblischen Frömmigkeit. Zugleich weiß der Papst um die Realität von Ehe und Familie und gibt in dem Schreiben viele, sehr konkrete Hinweise und Anregungen, so dass das Dokument ein Schreiben ist, das jedem menschlichen Paar und auch den Menschen, die eine Familie gründen wollen, sehr hilfreich sein kann. Es wird deutlich, dass auch Eheleute an der Entstehung des Schreibens mitgewirkt haben, die aus ihrem eigenen Leben heraus wissen, was eine Familie ist."

Bischof Stefan Oster (Bistum Passau)

Das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie bietet nach Einschätzung des Passauer Bischofs Stefan Oster wichtige Anstöße zu einer pastoralen Neuorientierung. Franziskus wolle, "dass die Kirche und alle, die in der Seelsorge tätig sind, auf den einzelnen Menschen schauen", schrieb Oster am Freitag auf seiner Facebook-Seite. Das Papier gehe von einer Perspektive der Inklusion aus, nicht des Ausschlusses. "Keiner wird verloren gegeben, keiner soll zurück bleiben", so Oster. "Ausnahmslos jeder soll das barmherzige Handeln der Kirche erfahren dürfen." Der Papst fordere in dem Text dazu auf, Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder gescheiterten Beziehungen intensiv zu begleiten, "sie ins Leben der Kirche zu integrieren und immer gut den Einzelfall zu unterscheiden". Dadurch gewinne die Seelsorge neuen Spielraum. Dringlicher sei für das Kirchenoberhaupt aber die Stärkung bestehender Ehen und Familien. "Papst Franziskus überrascht einmal mehr", notiert der Passauer Bischof weiter. Das Schreiben sei "Ausdruck eines Hirten, eines Seelsorgers der ganzen Kirche". Franziskus habe sich hineinnehmen lassen in die konkrete Lebenswirklichkeit der Familien, "mit ihren Freuden und Nöten, mit ihren Chancen und ihrer Zerbrechlichkeit". Lehramtlich stehe der Papst in der Tradition seiner Vorgänger und wiederhole die kirchliche Lehre zu Ehe, Familie und Sexualität "in ihren großen und grundsätzlichen Linien ohne Abstriche". (KNA)

Linktipp

Das nachsynodale Schreiben "Amoris Laetitia - Über die Liebe in der Familie" liegt in deutscher Sprache vor und ist im Wortlaut auf der Internetseite des Vatikan zu finden.

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Bischof Rudolf Voderholzer (Bistum Regensburg)

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht in der Papstbotschaft zu Ehe und Familie in erster Linie "eine Hymne auf die von Gott geschenkte Liebe". Es handle sich um ein "werbendes, einladendes Schreiben" ohne Pauschalurteile und -lösungen, erklärte der Bischof am Freitag in einer ersten Stellungnahme. Papst Franziskus verzichte auf lehramtliche Entscheidungen in strittigen Fällen. Er fordere aber eine intensivere kirchliche Begleitung von Paaren vor und nach der Eheschließung, besonders in schwierigen Situationen. Mit Blick auf die intensive Diskussion über eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion stellte Voderholzer fest, der Papst habe an der bisherigen Lehre nichts verändert. Er schreibe sie aber "angesichts einer noch komplexer gewordenen Situation fort". Die Seelsorger sollten sich dieser Paare annehmen und mit ihnen einen "Weg der persönlichen Reifung" gehen. Voderholzer sagte, er garantiere jedem, der sich in seinem Bistum in einer "irregulären Situation" befinde und diese gemeinsam mit der Kirche klären wolle, eine "individuell abgestimmte und selbstverständlich kostenlose Beratung und Betreuung". (KNA)

Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Bistum Speyer)

"In einem Dreiklang des Unterscheidens, Begleitens und Integrierens eröffnet Papst Franziskus der Kirche einen Weg, um unfruchtbare Polarisierungen zu überwinden und Leben und Lehre neu zu verbinden", sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann am Freitag mit Blick auf das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia" von Papst Franziskus. Das Dokument ermutige zum Leben in Ehe und Familie, nicht "als ein fertiges Produkt, sondern als ein Prozess des lebenslangen Wachsens in der Liebe". Der Papst sehe die Familie auf diesem Weg als Subjekt, nicht als Objekt, so Wiesemann. Die Kirche habe die Aufgabe, die Ehepaare und Familien dabei zu stärken und zu begleiten. Dazu gehöre auch, die Gewissen zu bilden, nicht aber sie zu ersetzen. Wo Menschen nicht in voller Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre lebten, sei es wichtig, "sie zu integrieren und sie spüren zu lassen, dass sie Teil der Kirche sind." Positiv hob Wiesemann den konkreten und einfühlsamen Stil des Schreibens hervor: "Papst Franziskus erweist sich einmal mehr als erfahrener Seelsorger, der eine große Nähe zur Lebenswirklichkeit von Ehepaaren und Familien hat." Mit großem Verständnis behandle er die Chancen und Schwierigkeiten durch alle Phasen der Liebe hindurch und bringe dabei auch die Welt der Gefühle und Fragen der Sexualität offen ins Wort. "Man merkt sofort: Das ist kein Text über Familie, sondern für Ehepaare und Familien, die darin eine Vielzahl wertvoller Anregungen entdecken können."

Weihbischof Karl Borsch (Bistum Aachen)

Nach der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens "Amoris laetitia" von Papst Franziskus zeigt sich der Diözesanadministrator des Bistums Aachen, Weihbischof Karl Borsch, beeindruckt von der Grundhaltung der Begleitung, die das Dokument auszeichne sowie von dem positiven Grundton, der sich auch im Titel zeige: "Der Blick von Papst Franziskus auf die Familie im Jahr 2016 ist ein Blick der Barmherzigkeit. 'Amoris Laetitia' sieht nicht zuerst das 'Ideal' einer Familie, sondern betont ihre reiche und komplexe Realität", so der Weihbischof. "Hieraus spricht ein offener Blick, der sich nicht aus Abstraktionen oder Projektionen eines Ideals ergibt, sondern die Wertschätzung der Familie und die pastorale Realität verbindet." Auch wenn Papst Franziskus in seinem Dokument keine lehramtliche Entscheidung in konkreten Fragen fälle, so zeichne sich sein Schreiben dadurch aus, dass er immer wieder die Komplexität der verschiedenen Situationen betone. "Das Dokument enthält viele Anregungen für Paare und Familien, aber auch für die in der Pastoral Tätigen", betont Borsch. "Diese gilt es nun genau wahrzunehmen und Schlüsse daraus zu ziehen - auch für das Bistum Aachen. Insofern halte ich nun ein genaues Studium des Textes für notwendig, damit wir darüber ins Gespräch kommen können."

Von Steffen Zimmermann

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