Aus Datenschutzgründen: Vaterunser wird geändert!
Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Aus Datenschutzgründen: Vaterunser wird geändert!

Der kirchliche Datenschutz greift weiter um sich und hinterlässt nichts als eine pastorale Wüste. Doch Hinterkopffotos und Facebook-Verbote sind nur der Anfang. Für die Kirche vor Ort könnte es noch schlimmer werden, glaubt Björn Odendahl. Viel schlimmer.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 24.11.2018

Die Kirche muss raus aus Facebook, sagen Deutschlands katholische Datenschützer. Und raus aus Whatsapp und am besten raus aus diesem ganzen verdammten Internet! Wir haben diese Meldung trotzdem noch schnell gepostet, bevor unsere Artikel künftig wieder per Brieftaube in die Welt hinausflattern. Benedikt XVI. hätte diesen lauten Schrei der Datenschützer nach radikaler Entweltlichung allerdings bestimmt geliked – wenn er einen Facebook-Account hätte. Was für eine Ironie.

Wer jetzt mit dem Kopf schüttelt, dem sei aber gesagt: Das ist kein Schritt zurück, sondern fast schon Prophetie. Denn die Datenschützer gehen damit unbewusst den Weg Jesu mit. Ihr Vorschlag ist quasi der Emmausgang des Datenschutzes! Schon der Heiland höchstpersönlich sagte einst: Lasst die Kinder zu mir kommen! Aber mit Facebook? Unmöglich! Denn seitdem dort auch Oma unterwegs ist und die eigentlich als Privatnachricht gedachten Küsschen an den Enkel für alle sichtbar auf die Timeline knutscht, hat sich die junge Generation rar gemacht. Daher, liebe Pfarreien: Instagram, Snapchat oder Pinterest müssen eure Anrufbeantworter und Faxgeräte von morgen oder zumindest von übermorgen sein! Ich freue mich schon jetzt auf die zwei wöchentlichen Postings – immer am Dienstag und Donnerstag zu den Büroöffnungszeiten zwischen halb 10 und 11.

Schreckensszenario: Anonyme Bestattungen werden zum Standard

Aus purer Angst vor Bespitzelungen durch Facebook, die zuständigen Bistümer, den Staat und vielleicht auch die Geheimdienste weiß so manche Kirchengemeinde überhaupt nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. BRD, KDG, KGB – alles gefährlich! Früher, da gab es in den Pfarreien Bibelkreise und Alt-68er-Themenabenden mit dem Titel "Was hätte Jesus dazu gesagt?". Heute wird der Pfarr- zum Hörsaal, in dem Dr. jur. dem rüstigen Opa erklärt, wie er datenschutzkonform Fotos von der Taufe seines eigenen Enkelkindes schießt. Die klassischen Familienbilder im Wohnzimmer sind daher bereits vom Aussterben bedroht. Der Trend geht zum Hinterkopf!

Doch die Schreckensszenarien gehen weiter. Wie sieht die Zukunft aus, wenn der Datenschutz nicht mehr nur das Internet, sondern die Welt beherrscht? Die Gemeinden nehmen die Adressen der eigenen Kirchen von der Homepage, um die vielen Zugriffe Unbekannter auf den Gottesdienst zu verhindern. (Bei den meisten klappt das ja jetzt schon ganz gut.) Anonyme Bestattungen werden zum Standard und stürzen die gesamte Grabsteinbranche ins Verderben. Die Gotteslob-Lieber haben keine Nummern mehr, damit sie unentdeckt bleiben. Und im Hochgebet heißt es nur noch: "Wir beten für unseren Papst F. und unseren Bischof R." Man weiß ja schließlich nie, ob Zuckerberg nicht auch hier zuhört.

Aber es geht noch mehr! Es geht noch größer! Schließlich wird auch der Herrgott persönlich seit 2.000 Jahren durch die zahlreichen Anrufe von Gläubigen belästigt. Jetzt ist Schluss damit! Die Kirchen in Deutschland bieten bald auch Gott ein wenig Privatsphäre. Wie? Ganz einfach: Nach der neuen Bibelübersetzung und einem neuen Lektionar wird nun auch das Vaterunser reformiert – und zwar datenschutzkonform! Ab dem 1. Advent beten wir es in unseren Gottesdiensten dann offiziell ohne "im Himmel". Soviel Anonymität muss sein. Wo Gott wohnt, geht schließlich Niemanden etwas an.

Von Björn Odendahl

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"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren samstags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.