Eine Puppe liegt in einer Pfütze.
Görlitzer Oberhirte äußert sich zur Missbrauchsstudie

Aus Solidarität mit Opfern: Bischof kündigt Fasttag an

"Was wir durch die Studie erfahren, ist beschämend für unsere Kirche": Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat sich zur Missbrauchsstudie der Bischöfe geäußert und konkrete Konsequenzen angekündigt.

Görlitz - 23.09.2018

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat sich in einer Stellungnahme zu den Ergebnissen der Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland geäußert. "Was wir durch die Studie erfahren, ist beschämend für unsere Kirche und darf weder entschuldigt noch beschönigt werden", schrieb Ipolt in der Verlautbarung, die am Sonntag in allen Gottesdiensten des Bistums Görlitz verlesen wurde und anschließend auch auf der Internetseite des Bistums veröffentlicht wurde.

Messe für Opfer und Täter am 5. Oktober

"Wenn Priester, Ordensleute und pastorale Mitarbeiter, die im Dienst des Evangeliums stehen, das Vertrauen, das ihnen Menschen entgegenbringen, auf grobe Weise missbrauchen, ist das eine himmelschreiende Sünde", so der Bischof weiter. Es sei außerdem beschämend, dass die Opfer des Missbrauchs oft nicht gehört worden seien oder man ihnen nicht geglaubt habe. Die Studie zeige, dass die Institution Kirche mehr geschützt werden sollte als die Menschen, die durch Übergriffigkeit, sexuelle Handlungen und Gewalt missbraucht worden seien.

Bild: © KNA

Bischof Wolfgang Ipolt.

Ipolt bat die Opfer um Vergebung für das, was ihnen durch Mitarbeiter der Kirche widerfahren sei. Zugleich kündigte er an, am 5. Oktober eine Messe für die Heilung aller von Missbrauch Betroffenen, aber auch für die Täter zu feiern und durch einen Tag des Fastens seine Solidarität mit den Opfern ausdrücken zu wollen. "Dies soll ein Zeichen der Sühne für die Sünden der Mitarbeiter der Kirche sein", so Ipolt.

Studie wird am Dienstag in Fulda vorgestellt

Der Bischof kündigte weiter an, künftige Fälle von sexuellem Missbrauch konsequent entsprechend den staatlichen und kirchlichen Gesetzen zu ahnden. "In bin sehr dankbar, dass wir inzwischen im Bereich der Prävention von sexuellem Missbrauch in unserem Bistum viel unternommen haben und weiterhin unternehmen", so Ipolt, der sich gleichzeitig gegen pauschale Verdächtigungen oder Vorverurteilungen von kirchlichen Mitarbeitern aussprach. Er wisse, "dass die meisten Priester und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche in Deutschland ihren Dienst in Treue und Wahrhaftigkeit" täten.

Die Deutsche Bischofskonferenz will die von ihr in Auftrag gegebene bundesweite Studie zum Thema Missbrauch am Dienstag bei ihrer Versammlung in Fulda veröffentlichen. Erste Ergebnisse wurden vergangene Woche durch Medienberichte bekannt. Demzufolge gab es zwischen 1946 und 2014 in Deutschland 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 Beschuldigten, darunter mehrheitlich Priester. Der Titel der Untersuchung lautet "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz". (stz)

Themenseite: Missbrauch

2010 wurde erstmals eine größere Zahl von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Seitdem bemüht sich die Kirche um eine Aufarbeitung der Geschehnisse. Bei ihrer Vollversammlung veröffentlichen die deutschen Bischöfe am 25. September 2018 eine Studie, die die Missbrauchsfälle im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 1946 und 2014 dokumentiert.