Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Christen hätten "ganz sicher" keine Angst vor der Partei

Bedford-Strohm rechtfertigt AfD-Ausladung von Kirchentag

Warum wurden AfD-Politiker vom Kirchentag ausgeladen? Diese Entscheidung sei an ein ganz bestimmtes Ereignis geknüpft, sagt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Und nicht jeder, der der Partei nahestehe, sei damit ausgeschlossen.

Berlin - 17.06.2019

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, hat die ausdrückliche Ausladung von AfD-Politikern vom Evangelischen Kirchentag gerechtfertigt. Christen hätten "ganz sicher" keine Angst vor der AfD, sagte der bayerische Landesbischof der "Bild"-Zeitung (Montag). Die Entscheidung des Kirchentagspräsidiums sei "kurz nach den Ereignissen in Chemnitz" gefallen, die eine deutliche Radikalisierung der AfD zeigten.

Der Beschluss richte sich gegen Funktionäre der AfD. Radikale, deren Werte mit denen des Christentums nicht vereinbar seien, sollten auf dem Kirchentag kein Podium bekommen, fügte der Ratsvorsitzende hinzu. Eine Auseinandersetzung mit der AfD und Populismus insgesamt werde es dennoch geben. "Der Dialog soll, wird und muss stattfinden. Der Kirchentag wird die Sorgen und Meinungen der Menschen aufnehmen, auch derjenigen, die der AfD nahestehen. Sie sind nach Dortmund eingeladen."

Bedford-Strohm sprach sich für Differenzierungen zwischen Anhängern radikalen Gedankenguts und Protestverhalten aus. "Es gibt in der AfD Leute, die rechtsextreme Positionen vertreten, die vieles kaputt zu machen versuchen, was in diesem Land aufgebaut wurde. Zum Beispiel unsere Erinnerungskultur, mit der wir auf die dunklen Seiten unserer Geschichte blicken." Wenn jemand sage: "Ich bin zuerst Deutscher und dann Christ, dann ist das Ketzerei! Solche Auffassungen haben keinen Platz auf unseren Podien." Mit Menschen, die die AfD aus Protest wählten oder sich mit konservativen Positionen in anderen Parteien nicht mehr zu Hause fühlten, müsse man im Gespräch bleiben. "Ganz klar. Die Grenzen des Dialogs sind erreicht, wo sich jemand menschverachtend oder rassistisch äußert."

Greta Thunberg "keine Heilige"

Weiter warnte Bedford-Strohm vor der Überhöhung und Sakralisierung der Klima-Aktivistin Greta Thunberg und der Grünen gewarnt. "Greta ist keine Heilige, sondern ein Mensch, der sich Gedanken macht über die Zukunft, wie es übrigens viele schon immer in den christlichen Kirchen tun. Wer glaubt, dass die Welt Gottes Schöpfung ist, der kann nicht einfach zusehen, wie Menschen sie zerstören." Gleichwohl gebe seine Kirche keine Wahlempfehlung für die Grünen, sagte Bedford-Strohm. "Keine Partei bekommt einen Heiligenschein. Deshalb ist es gut, dass wir auf allen Ebenen unserer Kirche und in ihren Ämtern Vertreter ganz unterschiedlicher Parteien haben."

Zugleich wies Bedford-Strohm Kritik an seinem Engagement für die Seenot-Rettung von Migranten im Mittelmeer zurück. "Es gibt keinen Sog-Effekt. Mittlerweile dürfen die Retter kaum noch helfen. Die EU-Mission Sophia ist eingestellt. Und dennoch haben fast 3.000 Menschen in den letzten 18 Monaten ihr Leben im Mittelmeer verloren." Menschen ertrinken zu lassen, könne keine migrationspolitische Lösung sein. Niemand käme auf die Idee, einen Unfallfahrer, der unangeschnallt an einen Baum gefahren ist, zur allgemeinen Verkehrserziehung verbluten zu lassen. "Und wenn Menschen, die Ertrinkende aus dem Mittelmeer retten, dafür auch noch kriminalisiert werden, dann ist das eine Schande - nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa."

Bedford-Strohm begrüßte außerdem die aktuellen Reformbestrebungen in der katholischen Kirche. "Die katholische Kirche muss genauso evangelisch werden, wie die evangelische Kirche katholisch werden muss. Denn evangelisch heißt, sich am Evangelium zu orientieren, und katholisch bedeutet die eine und universale Kirche." Dass beide Kirchen getrennt seien, sei ein Zustand, "den wir auf Dauer nicht hinnehmen können und wollen. Es gibt keinen katholischen oder evangelischen Christus". Insofern freue er sich, wenn "wir Trennendes überwinden, in der Zukunft auch gemeinsam Abendmahl feiern und die eine Kirche Jesu Christi sein können, die er uns aufgetragen hat". (tmg/KNA)