Papst Franziskus im Portrait
Vor der Veröffentlichung der neuen apostolischen Konstitution

Bericht: Papst plant neues Super-Dikasterium

Ein neues Super-Ministerium könnte in der römischen Kurie bald tonangebend werden. So berichten es Berater des Papstes. Damit kommt eine Institution ins Hintertreffen, die eine lange Geschichte aufzuweisen hat.

Rom - 23.04.2019

Papst Franziskus plant ein neues "Super-Dikasterium" für Evangelisierung. Es soll aus der Fusion zweier bestehender Ämter entstehen und könnte nach seiner Errichtung wichtiger sein als die Glaubenskongregation. Das berichten das auf Kirchenthemen spezialisierte US-Portal "Crux" und die englische katholische Wochenzeitung "The Tablet" am Dienstag, die sich beide auf einen Bericht der spanischen Zeitung "Vida Nueva" beziehen.

Demnach sollen durch die neue apostolische Konstitution "Praedicate Evangelium" ("Predigt das Evangelium") die Kongregation für die Evangelisierung der Völker und der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung zusammengeführt werden. Dadurch wären die für bisherige "Missionsgebiete" und bislang christlich geprägte Regionen zuständigen Behörden unter einem Dach versammelt. "Papst Franziskus hat immer unterstrichen, dass die Kirche missionarisch ist", zitiert der Bericht den honduranischen Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, der den Papst bei der Kurienreform berät. "Es ist nur logisch, dass das Dikasterium für die Evangelisierung das wichtigste ist, nicht die Glaubenskongregation."

Wurzeln bis zur Inquisition

Die Kongregation für die Glaubenslehre ist die älteste ihrer Art in der römischen Kurie, ihre Wurzeln reichen bis zur Inquisition zurück. Heutzutage gehört auch das Vorgehen gegen Priester bei Missbrauchsfällen zu ihren Aufgaben. 17 Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich darum. Besonders in der Amtszeit des späteren Papstes Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, als Präfekt wurde die Kongregation durch Ermittlungen und Disziplinarmaßnahmen gegen Theologen bekannt, wodurch sie sich in theologische Auseinandersetzungen einschaltete. Dieses Vorgehen hat im Pontifikat von Franziskus abgenommen. Nachdem der Papst die Amtszeit des damaligen Präfekten Kardinal Gerhard Ludwig Müller 2017 nicht verlängerte, wurde Müller zu einem der lautstärksten Kritiker des Pontifex.

Laut dem Bericht sieht die neue Konstitution vor, dass sämtliche Kongregationen und Päpstlichen Räte künftig Dikasterien genannt werden sollen. Zudem soll sich ihre Rolle ändern: Sie sollen die Ortskirchen weniger beaufsichtigen als vielmehr unterstützen. Neben dem neuen Super-Dikasterium soll es ein neues Dikasterium für die Caritas geben, zudem soll die Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen in die Kurie integriert werden.

Das Papier wurde laut dem Zeitungsbericht bereits an die Bischofskonferenzen der Welt, die Leiter der Dikasterien und  weitere Kirchen-Verantwortliche geschickt, die bis Ende Mai Rückmeldung geben können. Beim Treffen des Kardinalsrats Ende Juni wird der Text dann besprochen, größere Änderungen werden nicht erwartet. Zum Fest der Heiligen Peter und Paul am 29. Juni könnte der Papst die neue Konstitution dann unterzeichnen. (cph)