Bischof: Sowjetsoldaten fielen im Krieg wegen ihrer Gottlosigkeit
Sieg über Nazi-Deutschland nur wegen getaufter Kameraden

Bischof: Sowjetsoldaten fielen im Krieg wegen ihrer Gottlosigkeit

Millionen Sowjetsoldaten verloren während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben. Ein russischer Bischof hat dafür eine merkwürdige Erklärung parat - und erntet umgehend Widerspruch anderer Kirchenvertreter.

Moskau - 26.06.2019

Ein russisch-orthodoxer Bischof hat für den Tod von Millionen sowjetischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg deren vermeintlichen Atheismus verantwortlich gemacht. "Hauptsächlich ungetaufte" junge Männer seien ums Leben gekommen und Opfer ihrer "Gottlosigkeit" geworden, sagte der Metropolit von Belgorod an der Grenze zur Ukraine, Ioann (58), bei einem Gedenkgottesdienst zum Jahrestag des Angriffs der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion Ende Juni 1941. Den Sieg über Deutschland verdanke die Sowjetunion den getauften Soldaten.

"Es ist klar, dass das nicht ganz stimmt"

Andere Kirchenvertreter widersprachen dem Metropoliten umgehend. "Es ist klar, dass das nicht ganz stimmt", sagte der Militärbischof Stefan der Nachrichtenagentur RIA (Dienstagabend). Menschen verschiedener Nationalitäten, Religionen und Konfessionen hätten das Vaterland verteidigt. Man dürfe nicht "mit der Lupe danach suchen, wer getauft war". Der Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche, Wladimir Legoida, betonte: "Unter den heldenhaften Frontkämpfern waren Gläubige verschiedener Religionen, aber auch Ungläubige." Der Tod habe seine Opfer nicht aufgrund "religiöser Merkmale" ausgesucht.

Unter dem Decknamen "Unternehmen Barbarossa" fiel die deutsche Wehrmacht am 22. Juni 1941 in die Sowjetunion ein. Nach dem Willen des NS-Regimes wurde ein rassistischer Vernichtungskrieg zur Zerstörung des "jüdischen Bolschewismus" geführt. Der Deutsch-Sowjetische Krieg endete nach dem Ende der Schlacht um Berlin mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8./9. Mai 1945. Nach heute vorherrschender Schätzung waren insgesamt etwa 27 Millionen sowjetische Opfer zu beklagen, 2,7 Millionen Wehrmachtssoldaten fielen an der Ostfront. (tmg/KNA)