Griechisch-orthodoxer Metropolit Augoustinos Labardakis bei einem Lobpreis, einer Doxologie, in der griechisch-orthodoxen Metropolie in Bonn am 12. Juni 2017.
Protest gegen Patriarchat von Konstantinopel

Bischöfe erwägen Rückzug aus Orthodoxer Bischofskonferenz

Der Streit zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel hat auch Auswirkungen auf Deutschland: Die Einheit der Orthodoxen Bischofskonferenz droht zu zerbrechen.

München - 17.09.2018

Die Einheit der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland ist gefährdet. Aus Protest gegen die Initiative des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel zur Bildung einer eigenständigen orthodoxen Landeskirche in der Ukraine erwägen die russischen Bischöfe ihren Rückzug aus der Bischofskonferenz, sagte der Leiter der deutschen Eparchie (Diözese) der russisch-orthodoxen Auslandskirche, Erzbischof Mark, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag in München.

"Es ist zu befürchten, dass alle drei russisch-orthodoxen Bischöfe Deutschlands an den Sitzungen der Orthodoxen Bischofskonferenz nicht werden teilnehmen können, wenn in nächster Zeit keine sinnvolle Änderung der Situation eintritt", so Mark. Das Leitungsgremium der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau hatte am Freitag beschlossen, dass ihre Bischöfe die Mitarbeit in kirchlichen Gremien vorerst einstellen, die vom Patriarchat von Konstantinopel geleitet werden. Dazu gehört auch die 2010 gegründete Orthodoxe Bischofskonferenzen in Deutschland. Ihr gehören 16 Diözesan- und Weihbischöfe aus 7 orthodoxen Kirchen an.

"Äußerst schmerzhafte Entwicklung"

Die bedeutendsten Machtzentren der orthodoxen Kirche, die Patriarchate von Konstantinopel und Moskau, streiten um die Bildung einer eigenständigen (autokephalen) Kirche in der Ukraine. Moskau will die Trennung der ukrainischen von der russischen Kirche verhindern und die Oberhoheit über die orthodoxen Christen in der Ukraine behalten.

Mark nannte die Entwicklung "äußerst schmerzhaft". Die Frage des Rückzugs aus der Bischofskonferenz stelle sich wegen der "unerlaubten Einmischung" Konstantinopels in die Angelegenheiten der russischen Kirche. "Sie droht den Frieden in der orthodoxen Kirche zu stören oder sogar zu zerstören", so Mark. Konstantinopel habe mit der Ernennung von zwei Bischöfen zu Exarchen für die Ukraine die kirchliche "Brüderlichkeit" verletzt und das Kirchenrecht gebrochen.

In Deutschland leben laut Schätzungen etwa zwei Millionen orthodoxe Christen. Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz ist der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos mit Sitz in Bonn. Gemäß der Kirchenstatuten leitet die Bischofskonferenz stets der ranghöchste Bischof des Patriarchats von Konstantinopel. (KNA)