Bistum Osnabrück gibt Missbrauch durch Priester bekannt
Brief von Bischof Bode

Bistum Osnabrück gibt Missbrauch durch Priester bekannt

Mit einem Brief hat der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode über neu bekannt gewordene Missbrauchsfälle in seinem Bistum informiert. Täter sei ein inzwischen im Ruhestand lebender Geistlicher. Juristische Konsequenzen wird der Fall aber nicht haben – die Taten sind verjährt.

Osnabrück - 15.12.2018

Ein inzwischen im Ruhestand lebender Priester des Bistums Osnabrück hat in der St.-Lambertus-Gemeinde in Merzen im Landkreis Osnabrück in seiner aktiven Zeit als Pfarrer mehrere Kinder missbraucht. Das geht aus einem Brief des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode hervor, der an diesem Wochenende in den Gottesdiensten der Gemeinde verlesen wird und der von der Pressestelle der Diözese am Samstagabend veröffentlicht wurde. Demnach haben die Übergriffe in den 1980er- und 1990er-Jahren stattgefunden.

Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte gegeben habe, hätten sich vor einem Jahr erstmals Zeugen mit konkreten Vorwürfen gegen den Pfarrer bei ihm gemeldet, heißt es in dem Brief des Bischofs. Daraufhin habe er "intensive Gespräche" geführt, die unter anderem von den unabhängigen Ansprechpersonen für Opfer von sexuellem Missbrauch im Bistum fortgeführt worden seien. "Alle Beschuldigungen wurden umgehend der Staatsanwaltschaft zugeleitet", schreibt Bode weiter. Von dort sei zwar der Bescheid gekommen, dass die geschilderten Vorgänge grundsätzlich strafbar seien, aber aufgrund von Verjährungsfristen nicht mehr verfolgt werden könnten.

Bode: Beschuldigter hat Vorwürfe eingeräumt

Zeitgleich, so Bode weiter, seien die Unterlagen mit den Vorwürfen gegen den inzwischen 85-jährigen Priester vom Bistum an die Glaubenskongregation nach Rom gegeben worden. Auch dort sei die Schuld des Priesters festgestellt worden, zumal er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zwischenzeitlich eingeräumt habe. Wegen seines Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit sei aber von einem Verfahren vor einem kirchlichen Gericht abgesehen worden.

Bild: © katholisch.de

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode äußerte sich in einem Brief zu den Missbrauchsfällen in Merzen.

Bode verwies in seinem Brief jedoch auf mehrere Sanktionen, die er dem Priester auferlegt habe. So seien ihm alle öffentlichen Auftritte und liturgischen Handlungen untersagt worden, er dürfe seine frühere Pfarrei in Merzen nicht aufsuchen und er werde dort auch nicht kirchlich bestattet.

Vertreter des Bistums stehen mit Opfern in Kontakt

Laut Bode stehen Vertreter des Bistums weiter mit den Opfern des Pfarrers in Kontakt. Den Opfern sei es wichtig, dass über die damaligen Vorfälle in Merzen offen gesprochen werde. Bode rief mögliche weitere Betroffene dazu auf, sich mit den unabhängigen Ansprechpersonen des Bistums in Verbindung zu setzen. Die Kirche habe auf dem weiten Feld des sexuellen Missbrauchs durch Priester, Diakone und Ordensangehörige schwere Fehler gemacht und sei schuldig geworden, betont Bode in seinem Brief an die Gemeinde. "Im Bistum Osnabrück muss ich als Bischof für diese Schuld einstehen. Das habe ich im Jahr 2010 schon öffentlich getan, das tue ich auch jetzt."

Der beschuldigte Priester war laut Bistum von 1976 bis 1997 Pfarrer in Merzen und war davor in drei emsländischen Gemeinden eingesetzt: von 1966 bis 1969 in Dalum, von 1969 bis 1972 in Rhede und von 1972 bis 1976 in Twist. Seit 1997 sei er im Ruhestand und lebe inzwischen in einem Altenheim. (stz)