Chile will Kardinal Ezzati die Staatsbürgerschaft entziehen
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Wegen Vertuschung von Missbrauch in der Kritik

Chile will Kardinal Ezzati die Staatsbürgerschaft entziehen

Viele Chilenen haben wegen des Missbrauchsskandals kein Vertrauen mehr in die Kirche. Sie fordern Konsequenzen für die Bischöfe. Der chilenische Senat will dem nun nachkommen – und beginnt bei Kardinal Ricardo Ezzati.

Santiago de Chile - 08.01.2019

Die Kommission für Menschenrechte des chilenischen Senats hat sich dafür ausgesprochen, Kardinal Ricardo Ezzati die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Das Votum über den bereits im Juli des vergangenen Jahres gestellten Antrag erfolgte einstimmig, berichtete die chilenische Zeitung "La Tercera" am Montag. In der Begründung hieß es, der Erzbischof von Santiago de Chile sei den Ansprüchen seiner Aufgabe und seiner ihm ehrenhalber verliehenen chilenischen Staatsbürgerschaft nicht gerecht geworden. Damit die Entscheidung der Kommission rechtsgültig wird, müssen der Senat und die Abgeordnetenkammer zustimmen.

Ein Mitglied der Menschenrechtskommission, der linksgerichtete Senator Juan Ignacio Latorre, äußerte nach der Sitzung die Hoffnung, dass der gesamte Senat das Votum ratifizieren werde. Das chilenische Parlament sei Teil eines "säkularen Staates, der sich von der kirchlichen Hierarchie absetzen" müsse. Senator Alejandro Navarro, ein weiteres Kommissionsmitglied aus dem linken Spektrum, sagte, dass es sich bei dem Entzug der Staatsbürgerschaft nicht um eine Strafe handele. Vielmehr versuche man die Wahrheit zum Vorschein zu bringen und zu zeigen, dass niemand unantastbar sei.

Im Jahr 2006 war dem Italiener Ezzati vom chilenischen Parlament die Ehren-Staatsbürgerschaft der Andenrepublik wegen seiner Verdienste im Bildungswesen zugesprochen worden. Im chilenischen Missbrauchsskandal steht der 77-Jährige besonders in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester vertuscht zu haben. Im Dezember hatten Medienberichte über eine bevorstehende Entfernung Ezzatis aus dem Amt spekuliert. Demnach soll ihm ein ausländischer Geistlicher nachfolgen, der mit der Situation der chilenischen Kirche vertraut ist.

Ezzati trat 1959 ins Noviziat der Salesianer Don Boscos in Chile ein und lebt seitdem dort, unterbrochen von Studienaufenthalten in Italien und Frankreich. 1996 wurde er zum Bischof der südchilenischen Stadt Valdivia ernannt, 2010 zum Erzbischof der Hauptstadt Santiago de Chile und 2014 machte ihn Papst Franziskus zum Kardinal. Von 2010 bis 2016 war Ezzati zudem Vorsitzender der Chilenischen Bischofskonferenz. (rom)