Das bedeuten die vier Adventssonntage
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Von liturgischen Farben und lateinischen Namen

Das bedeuten die vier Adventssonntage

Violett, violett, rosa, violett – so lassen sich die vier Sonntage im Advent nach den liturgischen Farben zusammenfassen. Doch dahinter steht noch viel mehr. Katholisch.de erklärt, was.

Von Julia Martin |  Bonn - 01.12.2018

Die Weihnachtszeit beginnt, wenn es nach dem Einzelhandel geht, im September. Durch den inflationären Warendruck von Spekulatius, Lichterketten und singenden Elchen kommt spätestens Ende November jeder in Vorweihnachtsstimmung. Ob von Vorfreude oder Genervtheit erfüllt, sei dahingestellt. Gut, wenn der Zeitpunkt mit dem tatsächlichen Beginn des Advents zusammenfällt. Dieser beginnt nicht etwa stets am 1. Dezember wie es Adventskalender vermuten lassen, sondern am ersten Sonntag im Advent, der zugleich der erste Sonntag im neuen Kirchenjahr ist.

Der Termin wird so errechnet: Die Adventszeit hat vier Sonntage. Der letzte Sonntag im Advent ist immer der Sonntag vor dem Weihnachtsfest am 25. Dezember. Er muss also zwischen dem 18. und dem 24. Dezember sein. In diesem Jahr fällt Heiligabend auf einen Montag. Fällt Heiligabend auf einen Sonntag, ist er damit gleichzeitig der vierte Adventssonntag. In diesem Fall - wie etwa 2017 - ist die am kürzesten mögliche Adventszeit.

Im Gegensatz zur Fastenzeit hat der Advent aber keine feste Anzahl an Tagen. Die Adventszeit kann daher zwischen 22 und 28 Tagen variieren. Genau gesagt beginnt der Advent mit der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags. Konsequent würde diese mit dem Zeitpunkt des Sonnenuntergangs gebetet. Wer es - wie Liturgieprofessor Peter Wünsche - ganz genau haben will: In Berlin beginnt der Advent 2018 um 15.56 Uhr, in Hamburg um 16.04, in München um 16.25 und in Köln um 16.29 Uhr. In Freiburg muss bis 16.38 Uhr gewartet werden.

Der erste Sonntag

Mit dem ersten Sonntag im Advent beginnt für die Christen auch das neue Kirchenjahr. Die Anfangsworte des Eingangsgesangs der Messe (lateinisch "Introitus") stehen dabei für die Thematik des jeweiligen Gottesdienstes. Der erste Sonntag beginnt mit Psalm 25 "Ad te levavi animam meam" – "Zur dir erhebe ich meine Seele". Er handelt vom Vertrauen und der Treue zu Gott. Die liturgischen Texte in den Evangelien erzählen am ersten Sonntag von der Wiederkunft Christi am letzten Tag.

Im Jahr 2017/2018, dem Lesejahr B, stammt, das Evangelium von Markus. Der Text, Mk 13, 24-37, ist geprägt von Imperativen: "Seht euch also vor, und bleibt wach!" und "Seid wachsam!" Jesus beruft sich dabei auf ein Gleichnis von einem Hausherrn, der fortgeht und die Diener für das Haus sorgen lässt. Genau wie diese sollen die Jünger nicht tatenlos warten oder noch nicht bereit sein. Sie sollen wachsam und aufmerksam sein, damit sie den Tag erkennen, "wann die Zeit da ist".

Für Christen beginnt am ersten Sonntag im Advent die Zeit des Wartens, der Hoffnung, der Vorbereitung. Lieder wie "Wachet auf, ruft uns die Stimme" oder "O Heiland, reiß die Himmel auf" künden von der Ankunft und Menschwerdung Gottes an Weihnachten. Im Weihnachtsfestkreis hat das Kirchenjahr seinen ersten Höhepunkt.

Der zweite Sonntag

Das Warten und die Ankunft stehen im Zentrum des zweiten Adventssonntages. Der Eingangsgesang an diesem Tag aus dem Buch Jesaja beginnt mit "Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes" – "Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker". Im Evangelium wird Johannes der Täufer in den Fokus genommen.

Markus, Mk 1, 1-8, nimmt direkt Bezug auf den Introitus "wie es beim Propheten Jesaja steht". Ein Bote wird von Gott gesandt, der dem Herrn den Weg bereiten soll. Dieser Bote ist Johannes, der die Menschen zur Umkehr aufruft. Er ist aber auch derjenige, der die Menschen auf die Ankunft Jesu verweist: "Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich". Er tauft die Menschen, aber nur mit Wasser. Denn er weiß, dass die Taufe erst durch die Wirkung des Heiligen Geistes und durch Jesu Hilfe "vollständig" ist.

An diesem Adventssonntag sind die Menschen ebenfalls zur Umkehr aufgerufen. Sie sollen sich an diesem Tag noch mehr auf das Kommen des Herrn einlassen. Demütig wartend und auf die Zeichen achtend.

Der dritte Sonntag: Gaudete! – Freut Euch!

Der dritte Sonntag im Advent unterscheidet sich schon farblich von den anderen. Statt Violett kann der Priester an diesem Tag die liturgische Farbe Rosa als aufgehelltes Violett tragen. Einige Menschen haben an ihrem Adventskranz auch für den 3. Advent eine rosa Kerze. Dieser Brauch ist vor allem in Irland und England beliebt. Vielen ist dieser Sonntag auch unter dem Namen "Gaudete" (lateinisch "Freut Euch!") bekannt. Das kommt aus dem Eingangsgesang, der es in sich hat: "Gaudete in Domino semper!" – " Freut euch im Herrn allezeit!" Dieser Vers aus dem Philipperbrief sagt: Der Herr ist nahe, es dauert nicht mehr lange. Der Imperativ verstärkt die Intention.

Im Evangelium nach Johannes (Joh 1, 6-8.19-28) geht es an diesem Tag noch einmal um Johannes den Täufer, der die Menschen auf die Ankunft des Messias vorbereiten soll. Johannes selbst ist von Gott gesandt, um Zeugnis abzulegen. Alle sollten "durch ihn zum Glauben kommen". Doch er relativiert: Nicht er ist "selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen". Dieses Zeugnis gibt er auch vor den Priestern und Leviten aus Jerusalem ab. Wie im Markusevangelium am zweiten Adventssonntag erklärt er, dass er nur mit Wasser taufe und verweist auf Jesus, der noch kommen wird.

Der Adventssonntag sagt den Christen: Freut euch! Etwas Großes wird passieren. Jubelt, denn bald ist es so weit. Einen solche "freudigen Sonntag" gibt es auch nach der Halbzeit der Fastenzeit mit Blick auf Ostern, den 4. Fastensonntag "Laetare".

Der vierte Sonntag: Rorate

"Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem."– "Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor." Mit diesen bezeichnenden und eindringlichen Worten beginnt der letzte Sonntag vor Heiligabend und Weihnachten. Die Zeit, dass der Heiland kommt, ist fast da. Die Frühmessen im Advent sind ebenfalls nach diesem Wort benannt, da sie traditionell mit dem Eingangsvers begannen.

Das Evangelium dieses Tages stellt Maria in den Mittelpunkt. Während die vorherigen Adventssonntage nur diffus auf die Ankunft verweisen, wird es nun konkret: Erzengel Gabriel verkündet Maria, dass sie auserwählt sei. Die Anrede "Sei gegrüßt, du Begnadete" verweist auf den Heilsauftrag Gottes. Sie wird ein Kind bekommen, es wird "Sohn des Höchsten genannt werden". Die Herrschaft, die ihrem Sohn zugeschrieben wird, wird als ewig beschrieben. Sie wird das Kind durch den Heiligen Geist empfangen. "Denn für Gott ist nichts unmöglich." Mit diesen Worten endet der Prolog des Erzengels. Und Maria ist bereit: "mir geschehe, wie du es gesagt hast." Durch diese Zustimmung zeigt sich Maria als die demütige "Magd des Herrn".

Obwohl die Menschen sich von Gott abwenden, macht er sein Heilsversprechen wahr: Er schickt seinen Sohn wahrhaftig auf die Erde. Die freiwillige Entscheidung Mariens soll auch den Menschen heute ein Zeichen für die Macht Gottes sein. Die Menschen sind – personifiziert durch Maria – bereit für die Ankunft und die barmherzige Liebe Gottes.

Von Julia Martin

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Advent ohne Adventskranz ist unvorstellbar. Neben dem "Klassiker" aus Tanne haben wir nun einen umweltschonenden gebastelt.

Der Artikel erschien erstmals am 1. Dezember 2017 und wurde am 1. Dezember 2018 aktualisiert.