Drei Päpste sind zwei zu viel
Vor 600 Jahren traten Johannes XXIII. und Gregor XII. zurück

Drei Päpste sind zwei zu viel

Eigentlich sollte es so ablaufen: Ein Papst stirbt, ein neuer wird gewählt. Als Benedikt XVI. dann 2013 zurücktrat und Franziskus sein Nachfolger wurde, galt das als Sensation. Dabei gab es schon einmal eine viel heiklere Konstellation als die von "nur" zwei Päpsten.

Von Christiane Neuhausen (KNA) |  Bonn - 04.07.2015

Der einzige Papst, der freiwillig zurücktrat, war Papst Cölestin V., der im Dezember 1294 sein Amt abgab. Im Zusammenhang mit der Kirchenspaltung, die zum Schluss drei miteinander konkurrierende Päpste hervorbrachte, kam es 1415 - vor 600 Jahren - gleich zur Abdankung zweier Päpste, Johannes XXIII. und Gregor XII.

Allerdings waren die Umstände von Johannes' und Gregors Rücktritt außergewöhnlich. Seit 1378 befand sich die Kirche im Schisma. Zwei Päpste konkurrierten seitdem um die Anerkennung in der Christenheit - der eine in Rom, der andere in Avignon. Wer von den beiden war der rechtmäßige Papst? Noch komplizierter wurde es mit dem Konzil von Pisa 1409. Die anwesenden Kardinäle setzten beide Päpste ab und wählten einen neuen. Da dieser nicht allgemein anerkannt wurde, sah sich die europäische Christenheit mit drei Päpsten konfrontiert.

Das Konzil soll es richten

Um das große Ärgernis der Kirchenspaltung zu beseitigen, trat das Konzil von Konstanz zusammen. Der erste der drei Päpste, der fiel, war Johannes XXIII. War er noch optimistisch zum Konzil gereist in der Sicherheit, ganz bestimmt die Anerkennung aller zu gewinnen, sah er sich getäuscht. Die Konzilsväter übten Druck auf ihn aus zurückzutreten, wenn es die anderen beiden Päpste auch täten. Johannes konnte dem Druck nicht standhalten, wollte fliehen und wurde gefangen gesetzt. Daraufhin machten sie ihm wegen seines unsoliden Lebenswandels den Prozess und erklärten ihn für abgesetzt. Johannes nahm das Urteil an und verkündete seinerseits seinen Rücktritt am 29. Mai 1415. Da waren es nur noch zwei.

Bild: © KNA

Die Imperia-Statue im Hafen von Konstanz hält auf ihrer rechten Hand König Sigismund und auf ihrer linken einen - nicht genauer bestimmten - Papst. Die Statue soll satirisch an das Konzil von Konstanz (1411-1418) erinnern und wurde von dem Bildhauer Peter Lenk entworfen.

Der nächste, der sein Amt allerdings freiwillig abgab, war Papst Gregor XII. 1406 im hohen Alter zum Papst gewählt, sollte er auf Wunsch der Kardinäle seinen Beitrag zum Ende des Schismas leisten. Er bewegte sich, immer ein bisschen, um dann vor dem entscheidenden Schritt zurückzuweichen. Doch am 4. Juli 1415 trat er zurück, nachdem das Konzil ihm entgegen gekommen war. Und dann war es nur noch einer.

Konkurrenz, Schisma, Krise

Übrig blieb Benedikt XIII. Er verschanzte sich auf einer kleinen Felseninsel vor Valencia in Spanien und ignorierte alle Bemühungen, das Schisma zu beenden. Das Konstanzer Konzil erklärte ihn nach einem entsprechenden Prozess in Abwesenheit für abgesetzt und wählte am 11. November 1417 einen neuen Papst, Martin V. Dieser wurde endlich wieder in der ganzen Christenheit anerkannt.

Gab es früher zwei oder gar drei Päpste, dann bedeutete das Konkurrenz und Schisma, auf jeden Fall eine Krisenzeit für die Kirche. Heute leben im Vatikan zwei Päpste friedlich miteinander, der eine als Emeritus zurückgezogen im Gebet, der andere als amtierender Papst für die universale Kirche. Papst Benedikt XVI. hat mit seinem freiwillig und kirchenrechtlich korrekten Rücktritt für seine Nachfolger eine Tür aufgestoßen, die auch Papst Franziskus durchschreiten will, wenn es so weit ist. Er hat bereits seine Absicht kundgetan, zurückzutreten, wenn seine Kräfte nachlassen. Der Papst muss nicht mehr im Amt sterben.

Von Christiane Neuhausen (KNA)