Erzbischof Carlo Maria Vigano
Ex-Nuntius bezeichnet Homosexualität im Klerus als ansteckende Plage

Erzbischof Vigano: Papst soll "Irrtümer bekennen"

Kurienkardinal Ouellet hat jüngst Ex-Nuntius Vigano zur Ordnung gerufen. Der Italiener hatte Papst Franziskus Vertuschung im Fall McCarrick vorgeworfen. Nun antwortet Vigano auf Ouellets Brief – mit erneuter Kritik an Papst und Homosexualität im Klerus.

Bonn - 19.10.2018

Der frühere Vatikandiplomat Erzbischof Carlo Maria Vigano hat dem Papst Versagen im Amt vorgeworfen. Franziskus komme nicht seiner Aufgabe als Kirchenoberhaupt nach, "die Brüder im Glauben und in der gesunden Morallehre zu stärken", und erzeuge damit Verwirrung und Spaltung, so Vigano in einem am Freitag vom italienischen Blogger Marco Tosatti veröffentlichten Schreiben. Mit "widersprüchlichen Botschaften und zweideutigen Erklärungen" habe der Papst die Krise noch verstärkt. Franziskus solle "seine Irrtümer bekennen und Reue zeigen". Homosexualität im Klerus bezeichnete Vigano als ansteckende Plage.

Anlass des Konflikts zwischen dem pensionierten Kurienmitarbeiter und dem Papst ist eine Affäre um den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick (88), und dessen sexuellen Umgang mit Seminaristen. Vigano hatte Ende August ein umfangreiches Memorandum veröffentlicht und darin den Papst zum Rücktritt aufgefordert. Zudem forderte er von Leiters der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, Dokumente offenzulegen, die angebliches Fehlverhalten von Papst Franziskus im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen McCarrick beweisen sollen. Gegen den Kardinal seien unter Benedikt XVI. Sanktionen erlassen worden, die Franziskus faktisch zurückgenommen habe.

Vigano: Schweigen richtet in der Kirche Schaden an

Franziskus hatte McCarrick Ende Juli aus dem Kardinalsstand entlassen, nachdem Anschuldigungen bekannt wurden, der ehemalige Erzbischof von Washington habe als Priester in den 1970er Jahren einen Messdiener missbraucht.

Ouellet wies die Vorwürfe in einem Brief vom 7. Oktober zurück und rief Viagno zur Ordnung. In seinem aktuellen Antwortschreiben beruft sich Vigano auf sein Gewissen und darauf, dass er als alter Mann bald vor Gott über seine Handlungen und Unterlassungen Rechenschaft ablegen müsse. Das Schweigen habe in der Kirche großen Schaden angerichtet und tue es immer noch, "Schaden für so viele unschuldige Seelen, für junge Priesterberufungen, für die Gläubigen insgesamt". Das fünfseitige Schreiben wurde auch von Edward Pentin vom Onlinemagazin National Catholic Register (NCR) hochgeladen.

Der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet ist Leiter der vatikanischen Bischofskongregation. Er wies die Vorwürfe Viganos in einem Brief vom 7. Oktober zurück und rief den Ex-Nuntius zur Ordnung

Vigano wiederholt seine Anschuldigungen gegen Papst Franziskus: Bereits in den Jahren 2000 und 2006 hätte der jeweilige US-Nuntius den Vatikan über "homosexuelle Handlungen McCarricks mit Seminaristen und Priestern" informiert. Als Präfekt der Bischofskongregation habe Ouellet selbst ihm, dem neuen Nuntius, im November 2011 gesagt, dass McCarrick zu einem zurückgezogenen Lebensstil, Gebet und Buße aufgerufen werde. Ouellet hatte in seinem Brief geschrieben, dass es falsch sei, diese Maßnahmen als Sanktionen darzustellen. Vigano, von 2011 bis 2016 Nuntius in den USA, schreibt nun, dass er sich durch Ouellet bestätigt sehe und seine Vorwürfe rechtfertigen wolle.

Der Erzbischof schreibt, McCarrick sei Teil eines Netzwerkes von Bischöfen gewesen, die Homosexualität förderten und ihre Gunst bei Papst Franziskus ausnutzten, um bischöfliche Ernennungen zu manipulierten. Dadurch konnten sie "sich vor Gerechtigkeit schützen und das homosexuelle Netzwerk in der Hierarchie und in der Kirche stärken", schreibt der Erzbischof. "Franziskus selbst hat sich entweder an dieser Korruption beteiligt oder er ist, wissend, was er tut, grob fahrlässig darin, sich ihr nicht zu widersetzen und sie zu entwurzeln".

Mit Blick auf homosexuelle Beziehungen von Geistlichen warf Vigano der Kirchenleitung ein "dramatisches Schweigen" vor. Für die Krise der katholischen Kirche machte er "die Plage der Homosexualität" verantwortlich, die sich "durch Ansteckung" ausbreite. "Die Homosexualität ist ein Geschwür im Klerus geworden, das nur mit geistlichen Waffen bekämpft werden kann", so der Erzbischof.

Es sei Heuchelei, Missbrauchsopfer zu beklagen, aber nicht Homosexualität als "die Hauptursache zahllosen sexuellen Missbrauchs" zu benennen. Die "homosexuelle Verderbtheit" anzuklagen, finde jedoch "nicht einmal auf den höchsten Ebenen der Kirche" Zustimmung, schreibt Vigano weiter. Deshalb werde er auch wegen seiner Haltung der Illoyalität und der Rebellion bezichtigt. (luk/KNA)