Ein Gemälde in bunten Farben zeigt brennende antike Gebäude und einen Mann, der mit dem Arm auf das Geschehen weist.
Kaiser Nero und die Frage nach der Schuld am Brand Roms

Göttertempel in Flammen

Es geschieht vor 1.950 Jahren in einer Vollmondnacht im Hochsommer. Im Herzen Roms, zwischen dem Circus Maximus und den beiden Hügeln Palatin und Caelius, bricht ein Feuer aus. Hier befinden sich Wohnhäuser, Marktbuden und Werkstätten. Zahlreiche Menschen kommen ums Leben, Tausende Wohnhäuser werden zerstört. Auch Paläste und Göttertempel mit wertvollen Kunstschätzen, Statuen und Büchern fallen dem Brand zum Opfer.

Bonn - 19.07.2014

In dieser Nacht auf den 19. Juli im Jahr 64 n. Chr. droht das Zentrum des römischen Reiches unterzugehen. Der damalige Herrscher, Kaiser Nero, soll dem Schauspiel vom Turm des Maecenas-Palastes auf dem Esquilin zugesehen haben. In ein Kostüm gekleidet soll er einen Gesang über den Untergang Trojas vorgetragen haben. Die antiken Geschichtsschreiber Sueton und Cassius Dio behaupten gar, Nero selbst habe Rom anzünden lassen. Angeblich wollte er die Stadt noch zu Lebzeiten dem Erdboden gleich machen und eine neue Stadt mit einem Namen wie "Neropolis" errichten lassen.

Tatsächlich befand sich der Kaiser bei Ausbruch des Brandes aber in seiner Geburtsstadt Antium, rund 60 Kilometer von Rom entfernt. Als er vom Feuer erfuhr, eilte er zurück in die Stadt, um Löscharbeiten zu organisieren. Tausende Feuerwehrleute versuchten, dem Brand Herr zu werden. Doch es sollte neun Tage dauern, bis die Arbeiten beendet waren. Schlussendlich waren drei von 14 Stadtteilen Roms völlig zerstört, darunter auch Circus maximus und Palatin. Nur vier Viertel blieben unversehrt.

Notunterkünfte in kaiserlichen Gärten

Nero ließ in kaiserlichen Gärten und öffentlichen Gebäuden Notunterkünfte für obdachlos gewordene Menschen einrichten. Leichen und Schutt wurden aus Vorsicht vor Seuchen von den Straßen entfernt. Zudem sorgte der Kaiser für Hilfslieferungen aus Nachbarstädten und sammelte Spenden von reichen Privatleuten für den Wiederaufbau der Stadt.

Büste mit den Kopf Kaiser Neros aus hellem Stein.
Bild: © KNA

Marmor-Büste des römischen Kaisers Nero.

Trotz dieser Maßnahmen ging man - weniger im Volk als in senatorischen Kreisen - davon aus, Nero selbst habe den Brand angezettelt. Sueton etwa behauptete, er habe insbesondere die maroden Stadtteile vernichten und neu gestalten wollen. Doch das Feuer brach in der Nähe von Neros eigenem Palast aus und traf vorwiegend die besseren Viertel. Dass er dort später seinen prächtigen Domus Aurea-Palast errichten ließ, erhärtete zwar den Verdacht. Doch hätte ein Kaiser nicht auch andere Mittel als heimliche Brandstiftung zur Verfügung gehabt, seine städtebaulichen Pläne zu realisieren?

Vielmehr könnte es sich bei der Schuldzuweisung an Nero für den Brand um eine Verleumdungskampagne aus senatorischen Kreisen handeln. Deren Geschichtsschreiber wollten Nero als drakonischen Herrscher darstellen. Die römischen Aristokraten hatten wenig übrig für Neros Hang zur Welt der Künstler, Philosophen und Erfinder. Er selbst versuchte sich als Sänger, Dichter und Schauspieler und orientierte sich stark an der hellenischen Kultur. So sah er sich als Erneuerer Roms, der weg von einem römischen hin zu einem Weltkaisertum strebte.

Erster Christenverfolger

Dabei zeigte Nero durchaus Züge eines Tyrannen, sei es durch seine zunehmende Verschwendungssucht oder seine grausamen Strafen für politische Gegner - so machte er auch vor seiner eigenen Mutter Aggrippina nicht Halt, die er umbringen ließ. Zudem gilt Nero als der erste Christenverfolger. Der antike Historiker Tacitus etwa deutet an, dass Nero wiederum den Christen die Schuld am Brand Roms gab. So beschreibt er, wie Nero Christinnen und Christen verhaften ließ. Sie mussten als brennende Fackeln dienen oder wurden gar Hunden zum Fraß vorgeworfen. Doch nicht nur Brandstifter wurden so bestraft, auch Hochverräter. Der Hauptvorwurf gegen Christen war ihr "Hass auf das Menschengeschlecht", etwa, weil sie sich von der Mehrheit der römischen Bevölkerung abgrenzten und nicht an ihren Riten und Festen teilnahmen. So wurde Neros Vorgehen gegen Christen als menschenfreundliche Handlung gewertet.

Was, wenn aber weder Nero noch die Christen Schuld am Brand Roms waren? Bereits Tacitus deutet an, dass das Feuer durch Zufall ausgebrochen sein könnte. Schließlich war es Hochsommer und wohl sehr heiß. Zudem war es nicht der erste Brand in der Stadt - war Rom doch voll von verwinkelten Gassen und Häusern aus leicht brennbarer Bausubstanz.

Ganz klären lässt sich die Frage wohl bis heute nicht. Neros Troja-Verse jedenfalls könnten auch als ein Versuch gelesen werden, der Katastrophe einen Sinn und dem römischen Volk eine Zukunftsperspektive zu geben: Aus den Flammen Trojas war Rom entstanden. Aus den Flammen Roms entstand eine neue Welt. So dachte wohl der Künstler Nero. Als Kaiser sorgte er im Anschluss an das Feuer für einen verbesserten Brandschutz in der Stadt.

Von Claudia Zeisel (KNA)

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