Gysi: Muss den Papst häufig verteidigen – gegenüber Katholiken
Früherer Linke-Spitzenpolitiker lobt Franziskus

Gysi: Muss den Papst häufig verteidigen – gegenüber Katholiken

Er glaubt zwar nicht an Gott, ist aber dennoch voll des Lobes für Papst Franziskus und die moralische Kraft der Religionen: Linkenpolitiker Gregor Gysi erzählt, warum er den amtierenden Pontifex sogar oft gegenüber Katholiken verteidigen muss.

Wien - 19.03.2019

Der frühere Linke-Spitzenpolitiker Gregor Gysi hat das Engagement von Papst Franziskus gelobt. Trotz aller Kritik, die er am Papst in Fragen der Sexualmoral, des Umgangs mit Homosexualität oder den Missbrauchsfällen anbringen müsse, sei Franziskus "mit seinen immer wieder geäußerten Positionen zum Frieden und seiner Bedrohung und zu den sozialen und ökologischen Folgen kapitalistischen Wirtschaftens ein wichtiger Impulsgeber für die gesellschaftliche Entwicklung", sagte der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Linken der jüngsten Ausgabe der österreichischen Zeitschrift "miteinander". Angesichts dessen müsse er den Papst sogar "häufig gegenüber Katholiken verteidigen", so der Politiker.

Gysi, der sich selbst als nicht-gläubig bezeichnet, würdigt im Magazin des Canisiuswerkes den Wert der Religionen für die Regeneration von Wert- und Moralvorstellungen in der Gesellschaft: So sehe er zur Zeit nur die Religionen in der Lage, "grundlegende Moral- und Wertvorstellungen allgemeinverbindlich in der Gesellschaft" prägend zur Geltung zu bringen. Die Linke habe ihre Kraft in dieser Hinsicht spätestens seit dem Ende des real existierenden Sozialismus "für längere Zeit verwirkt"; die Rechte ordne indes Wert- und Moralvorstellungen den wirtschaftlichen Imperativen unter - "der Markt aber kann keine Moral- und Wertvorstellungen hervorbringen".

Keinen Zweifel lässt Gysi daran, dass es eine starke Linke in Europa "als Gegenüber zu den Rechtsaußen" brauche: Weder die Globalisierung noch die ökologische Frage oder die eskalierenden kriegerischen Konflikte lassen sich laut Gysi schließlich "mit dem extremen nationalen Egoismus a la Trump, Orban oder Strache beantworten". Allerdings brauche es dazu eine neue linke Kraft, da die bisherigen linken Kräfte "historisch versagt" haben.

Gregor Gysi (71) war von 2005 bis 2015 Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag. 2016 wählte ihn die übernationale Europäische Linke auf einem Parteitag in Berlin zu ihrem Präsidenten. (tmg/KNA)