Historiker: AfD-Boykott auf Kirchentag unklug und falsch
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Kritik an Entscheidung des Evangelischen Kirchentags

Historiker: AfD-Boykott auf Kirchentag unklug und falsch

Ende September hatte der Evangelische Kirchentag entschieden, AfD-Politiker von der Teilnahme an Podien beim Kirchentag im kommenden Jahr auszuladen. Der Historiker Andreas Rödder kritisiert dieses Votum.

Köln - 03.10.2018

Der Historiker Andreas Rödder hat den geplanten Auftritts-Boykott von AfD-Politikern beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) im kommenden Jahr in Dortmund als unklug und falsch bezeichnet. Im Deutschlandfunk sagte Rödder zwar am Mittwoch: "Ich halte es grundsätzlich für richtig, Grenzen zu setzen, gerade im Umgang mit der AfD. Und diese Grenze ist die Menschenwürde, das ist Artikel 1 des Grundgesetzes. Diese Grenze ist die Anwendung oder die Propagierung von Gewalt, und diese Grenze ist völkisches Denken."

Allerdings sei diese Grenzziehung eine, "die wir gar nicht aus genuinen religiösen oder kirchlichen Gründen vornehmen müssen, sondern es ist eine, die wir zu 100 Prozent politisch begründen können", sagte der Historiker. "Vor diesem Hintergrund würde ich sagen, diesseits dieser Grenze ist es nötig, sich mit der AfD kritisch konstruktiv auseinanderzusetzen, und Ausgrenzung diesseits dieser Grenze, die ich gerade genannt habe, halte ich für politisch unklug und für politisch auch nicht richtig."

Leyendecker: Radikalisierung der AfD schreitet voran

Rödder betonte, er könne die Argumente von Kirchentagspräsident Hans Leyendecker zwar nachvollziehen, wenn dieser sage "auch diesseits dieser Grenze haben wir es mit einer AfD zu tun, die sich in den Sog hineinziehen lässt, der hin zu völkischem Denken und einem nicht mehr akzeptablen Denken führt". Aber zugleich müsse er sagen, "diese Ausgrenzung der AfD – voll und ganz, pur example – halte ich für unklug und für falsch", so Rödder.

Das Präsidium des DEKT hatte den Auftritts-Boykott von AfD-Politikern Ende September beschlossen. Noch beim Kirchentag 2017 in Berlin hatte das Kirchentagspräsidium AfD-Politiker als Teilnehmer auf Podien und Diskussionsveranstaltungen zugelassen. "Die AfD entwickelt sich rasend weiter nach rechts, die Radikalisierung der Partei schreitet voran", begründete Leyendecker den Kurswechsel. Der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, sprach von "Ausgrenzung" und einem "Armutszeugnis". Der Kirchentag in Dortmund findet vom 19. bis 23. Juni 2019 statt und steht unter dem Leitwort "Was für ein Vertrauen". (stz/KNA)