Kardinal DiNardo soll Missbrauchsverdächtige im Amt gelassen haben
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Nun auch Vorsitzender der US-Bischofskonferenz beschuldigt

Kardinal DiNardo soll Missbrauchsverdächtige im Amt gelassen haben

Er hatte ein härteres Vorgehen gegen Bischöfe, die Missbrauch vertuscht haben, angekündigt. Nun steht der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, selbst im Vertuschungsverdacht. Bislang in zwei Fällen, doch es könnten noch mehr werden.

Washington - 21.11.2018

Der Kardinal von Galveston-Houston und Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Daniel DiNardo, soll laut einem Medienbericht zwei des Missbrauchs beschuldigte Priester nicht aus dem Dienst entfernt haben. Der TV-Sender CBS berichtet (Dienstagabend Ortszeit), DiNardo habe keine Maßnahmen gegen zwei Priester seiner Diözese ergriffen, denen glaubwürdig sexueller Missbrauch gegen Kinder vorgeworfen werde.

In einem Fall hatte das mutmaßliche Opfer demnach bereits 2002 Vorwürfe gegenüber der Erzdiözese erhoben. Diese habe versprochen, den Beschuldigten in Therapie zu schicken. Tatsächlich sei der Pfarrer im aktiven Dienst verblieben. DiNardo leitet die Erzdiözese seit 2006.

Der CBS-Bericht stützt sich auf die Einsicht von Gerichtsunterlagen. Dabei sei ein weiterer Fall mutmaßlichen Kindesmissbrauchs entdeckt worden. Ein damals Zwölfjähriger hatte demnach per eidesstattlicher Erklärung einen weiteren Priester beschuldigt, ihn in den 70er Jahren sexuell missbraucht zu haben. Die Anwälte der Erzdiözese argumentieren, die körperliche Beschreibung passe keinesfalls auf den Beschuldigten. Zudem sei der Fall bereits außergerichtlich geklärt und die Verjährungsfrist überschritten.

Noch mehr Fälle?

Eigenen Angaben zufolge hat CBS News mit mehr als 20 Personen gesprochen, die von Beschuldigungen gegenüber Priestern in Galveston-Houston wüssten. Keiner von ihnen sei aber von kirchlichen Behörden zu den Fällen kontaktiert worden.

Im Oktober hatte das Justizministerium in Washington die katholischen US-Diözesen aufgefordert, alle kirchlichen Dokumente zu Missbrauchsvorwürfen zur Verfügung zu stellen, um eine landesweite Untersuchung einzuleiten. Kardinal DiNardo kündigte an, im Januar eine vollständige Liste über alle glaubwürdig verdächtigten Priester zu veröffentlichen. Zu CBS sagte er, die US-Kirche der 70er und 80er Jahre unterscheide sich radikal von der heutigen.

Im August hatte DiNardo in der Affäre um Ex-Kardinal Theodore McCarrick ein schärferes Vorgehen gegen Bischöfe, die Missbrauch begangen oder vertuscht haben, angekündigt. "Ich bin zuversichtlich, dass Papst Franziskus unseren Wunsch nach größerer Effizienz und Transparenz hinsichtlich der Disziplinierung von Bischöfen teilt", sagte der Kardinal damals. Zuletzt sorgte die Weisung des Vatikan an die US-Bischöfe, ihren Maßnahmenkatalog zu Missbrauch vorerst aufzuschieben, für Kritik und Rätselraten. (tmg/KNA)