Ein Richterhammer und eine Waagschale als Symbole für das Gerichtswesen.
Konsequenzen nach Pennsylvanias Untersuchungsbericht

Missbrauch: Erstmals ermittelt die US-Bundesjustiz

Vor zwei Monaten erschien der Untersuchungsbericht zu Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche der USA. Nun ermittelt die Bundesjustiz gegen die Bistümer in Pennsylvania und ein erster Angeklagter steht vor Gericht.

Bonn - 19.10.2018

In den USA gibt es die ersten Ermittlungen auf Bundesebene zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Die Bundesjustiz leitete Medienberichten zufolge Ermittlungen im Bundesstaat Pennsylvania ein. Sieben der acht Bistümer des Staates bestätigten, am Donnerstag Vorladungen erhalten zu haben. Sie erklärten, man werde mit dem US-Justizministerium zusammenarbeiten. In der Vorladung wird unter anderem Einsicht in vertrauliche Akten verlangt, die Beweise für strafbare Handlungen nach Bundesrecht enthalten könnten. Das könnten etwa Missbrauchsfälle außerhalb Pennsylvanias sein oder der Austausch von Kinderpornografie.

Der Abgeordnete im Repräsentantenhaus des Bundesstaates Pennsylvania, Mark Rozzi, der selber als Kind von einem Priester missbraucht worden war, meinte, die zusätzlichen Ermittlungen des Bundesanwalts seien sinnvoll, "weil das eine bessere Möglichkeit eröffnet, den Vatikan zur Rechenschaft zu ziehen".

Einem Geschworenengremium – der "Grand Jury" – zufolge haben in Pennsylvania 301 katholische Priester über Jahrzehnte hinweg mindestens 1.000 Minderjährige sexuell missbraucht. Dokumentiert ist in dem Untersuchungsbericht auch, wie die katholische Kirche in dem Bundesstaat versuchte, Missbrauchsfälle zu vertuschen. Der zuständige Generalstaatsanwalt sprach von einer "jahrzehntelangen Vertuschung" durch ranghohe Kirchenobere in Pennsylvania und im Vatikan.

Ex-Priester aus Pennsylvania vor Haftstrafe

Erstmals seit der Veröffentlichung des Berichts im August steht ein ehemaliger Priester vor Gericht. Der 64-jährige David P. hat sich dabei schuldig bekannt, einen Jungen mehrmals sexuell angegriffen zu haben. Außerdem wird ihm der Versuch des Missbrauchs eines zweiten Minderjährigen zur Last gelegt. Dem Beschuldigten könnten bis zu 14 Jahre Gefängnis bevorstehen. Ein Urteil soll in 90 Tagen verhängt werden.

Generalstaatsanwalt Josh Shapiro sagte auf einer Pressekonferenz, die Opfer seien zum Zeitpunkt der ersten Taten acht und 15 Jahre alt gewesen. Der Beschuldigte war über vier Jahrzehnte als Priester in der Diözese Erie tätig, bis er im Frühjahr 2018 aus dem Klerikerstand entlassen wurde. Der Bischof von Erie, Lawrence Persico, erklärte in einer ersten Reaktion, er sei über jeden einzelnen Fall "sehr traurig". Zugleich kündigte er an, weiterhin eng mit der Justiz zusammenzuarbeiten.

Der mutmaßliche Straftäter ist einer von nur zwei Priestern, gegen die bislang Anklage erhoben wurde. Noch ist unklar, ob es trotz der hohen Zahl der Fälle in Pennsylvania überhaupt zu vielen weiteren Gerichtsverfahren kommen wird. Grund für die bisher geringe Anzahl von Prozessen ist auch das geltende Verjährungsgesetz in Pennsylvania. Dieses ermöglicht es den Opfern von Missbrauch nur bis zu ihrem 50. Geburtstag, strafrechtliche Vorwürfe einzureichen. Die Grenze für die Einreichung von Zivilklagen liegt bei 30 Jahren. Der Generalstaatsanwalt forderte das Parlament von Pennsylvania auf, die Verjährungsfrist aufzuheben und ein "ziviles Fenster" zu schaffen, damit auch ältere Opfer Gerechtigkeit finden können. (luk/KNA)