Mehrere Helle Säulen, davor eine sitzender Mann
Auf dem Petersplatz endet die Restaurierung der Kolonnaden

Kunstvoller Grenzübergang

Der künstlerische Wert von Grenzübergängen ist in der Regel dürftig. Oft reicht ein Hinweisschild und ein Häuschen für Zoll- und Passkontrolle. Im Vatikan dagegen markieren die prächtigen Kolonnaden des Petersplatzes die Grenze zwischen dem Kirchenstaat und Italien. Auch wenn der Besucher an normalen Tagen wenig davon mitbekommt, dass er hier von einem Land ins nächste wechselt. In dieser Woche endet nach dem Abbau der Gerüste die dreijährige Restaurierung der beiden auf den Petersdom zulaufenden Flügel und der halbkreisförmigen Säulengänge um den Platz.

Vatikanstadt - 27.02.2014

Die 284 Säulen, 88 Pfeiler und 140 Heiligenfiguren auf den beiden Balustraden sind nun grundüberholt. Den Pilgern und Touristen präsentieren sie sich wieder so hell und makellos wie bei ihrer Errichtung im Hochbarock.

Herunterfallende Gesteinsbrocken

Rund einhundert Handwerker, Ingenieure und Kunsthistoriker arbeiteten bei jedem Wetter, um der 1656 bis 1667 von Gian Lorenzo Bernini geschaffenen Anlage ihr ursprüngliches Antlitz zurückzugeben. "Jenseits aller Ästhetik war das auch ein Gebot der Sicherheit, denn immer wieder fielen Gesteinsbrocken herunter", sagt der zuständige Direktor der vatikanischen Museen, Arnold Nesselrath.

Foto von der Kuppel des Petersdoms auf den Petersplatz in Rom.

Die Kolonnaden des Petersplatzes bilden mitten in Rom die offene Grenze zwischen Italien und dem Vatikanstaat.

Deren Steinwerkstatt übernahm das Mammutprojekt gemeinsam mit den Angestellten der Technischen Dienste des Vatikan. Der verwendete römische Travertin-Kalkstein sei zwar ein wunderbares Baumaterial, aber auch anfällig für Verwitterung, erst recht in einer Großstadt mit so hoher Verkehrsdichte, so der deutsche Kunsthistoriker. Schmutzpartikel, Algen und Mikroorganismen hatten die poröse Oberfläche an vielen Stellen mit schwarzer Kruste überzogen.

Hässliche Zementplomben

Die letzte Generalsanierung der Kolonnaden liegt gut 150 Jahre zurück, später wurden freilich weitere Arbeiten ausgeführt, etwa zum Heiligen Jahr 2000. Doch nicht immer sorgfältig, meint Marco Bargellini, leitender Ingenieur beim vatikanischen Governatorat. "Als wir Anfang 2011 die Arbeit mit einem speziellen Sandstrahlverfahren begannen, stießen wir auf etliche hässliche Zementplomben." Vorher hatten die Experten Teile der Anlage mit modernsten Geräten "geröntgt", um die innere Struktur etwa tragender Teile zu kontrollieren.

Als wissenschaftliche Meisterleistung bezeichnet Bargellini die Entwicklung des Mörtel-Putzes. Nach einer Reihe von Analysen und Versuchen habe man schließlich die Bernini'sche Original-Tönung ermittelt. Insgesamt polierten die Restauratoren damit 50.000 Quadratmeter Fläche wieder auf. Kunsthistorisches Fingerspitzengefühl verlangte die Restauration der sechs Papstwappen und der 140 filigranen, rund drei Meter hohen Statuen, die dem Platz im Volksmund den Namen "Himmel der Heiligen" einbrachten.

Kolonnaden als offene Arme

Die Petrus-Statue aus dem Petersdom in Rom.

Die Großstatue des Apostels Petrus auf dem Petersplatz in Rom.

Bernini selbst beschrieb seine im Auftrag Papst Alexanders VII. erbauten Kolonnaden als Arme der mütterlichen Kirche, die jeden offen aufnehme, "die Katholiken, um sie in ihrem Glauben zu bestärken, die Irrgläubigen, um sie der Kirche zuzuführen und die Ungläubigen, um sie im wahren Glauben zu erleuchten".

Kunsthistoriker Nesselrath ist sicher, dass die Kolonnaden nun wieder annähernd den Originalzustand haben, rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zu Ostern und der Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. im April. "Einer der berühmtesten und meistbesuchten Plätze der Welt hat wieder ein neues Gesicht." Etwa 15 Millionen Euro haben die Arbeiten nach Informationen der italienischen Presse gekostet, aufgebracht angeblich von großen Sponsoren wie einem italienischen Energiekonzern und einem Telekommunikationsunternehmen.

Keine Angaben zu den Kosten

Der Vatikan bestätigte bisher keine Angaben zur Finanzierung des Großprojekts. In einigen Wochen beginnt die Restaurierung des zweiten Brunnens und des Obelisken in der Mitte des Platzes. Auch die beiden Großstatuen der Apostel Petrus und Paulus werden dann vom Staub der Jahrzehnte befreit. Ingenieur Bargellini traut den modernen technischen Verfahren viel zu: "Damit haben wir den Bestand des Steins mindestens für die nächsten 200 Jahre gesichert."

Von Christoph Schmidt (KNA)