Marx würdigt in Polen Freiheitsbewegung Solidarnosc
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DBK-Vorsitzender will Beziehungen zwischen Kirchen vertiefen

Marx würdigt in Polen Freiheitsbewegung Solidarnosc

"Der Kampf für die Freiheit hört nicht auf." - Kardinal Reinhard Marx findet bei seinem Besuch in Polen deutliche Worte. Dabei soll es aber auch um die Beziehungen beider Kirchen gehen.

Danzig - 30.08.2018

In Danzig (Gdansk) hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Errungenschaften der polnischen Oppositionsbewegung Solidarnosc gewürdigt. Das Engagement für die Freiheit habe sein Leben "sehr inspiriert", sagte Marx am Donnerstag bei einem Besuch des Europäischen Solidarnosc-Zentrums auf dem Gelände der früheren Lenin-Werft. Aus seiner Sicht ist das Erbe der Freiheitsbestrebungen in den 80er Jahren: "Der Kampf für die Freiheit hört nicht auf."

Damals hätten Menschen ihr Leben für die Freiheit riskiert, betonte der Kardinal. In einer solchen Situation sei er selbst nie gewesen. Doch die Ereignisse seinerzeit hätten ihn dazu gebracht, "auch heute für die Freiheit zu kämpfen". Marx unterstrich den Beitrag der Kirche und insbesondere des damaligen, aus Polen stammenden Papstes Johannes Paul II. (1978-2005) für die Freiheitsbestrebungen in Polen. Dies zeige das Engagement einer Kirche, die in die Gesellschaft vernetzt sei und die Freiheit unterstütze. Auch die Solidarität - das deutsche Wort für Solidarnosc - sei eine Grundvoraussetzung für das Leben.

Beziehungen zwischen Kirchen weiter vertiefen

Marx hält sich bis Samstag in Polen auf. Mit dem Besuch in Danzig und ab Freitag in Posen (Poznan) sollen laut Deutscher Bischofskonferenz die Beziehungen zwischen der Kirche in beiden Ländern weiter vertieft werden. Außerdem liege der Akzent der Reise "auf der Würdigung des zentralen Beitrags Polens zur europäischen Freiheitsgeschichte". Dieser sei mit der Geschichte der katholischen Kirche eng verbunden. In Posen ist ein Treffen von Marx mit dem Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz geplant, dem Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki.

Auf der Danziger Werft waren im August 1980 die Arbeiter in den Streik getreten. Die Arbeitsniederlegungen und die damit verbundenen Auseinandersetzungen führten am 31. August 1980, also vor 38 Jahren, zum Danziger Abkommen und zur Anerkennung der Solidarnosc als eine unabhängige Gewerkschaft. Das Abkommen unterschrieben seinerzeit Streikführer Lech Walesa und Vize-Ministerpräsident Mieczyslaw Jagielski. Am Donnerstag traf Marx für etwa eine halbe Stunde mit Walesa zusammen, der 1990 zum polnischen Staatspräsidenten gewählt wurde.

Erinnerung an die Opfer des blutigen Dezembers 1970

Die Ausstellung im Solidarnosc-Zentrum an der ehemaligen Lenin-Werft dokumentiert Entstehung und Siegeszug der ersten unabhängigen Gewerkschaft im kommunistischen Europa. Die Schau widmet sich auch dem Beitrag Papst Johannes Pauls II. zur friedlichen Revolution in seiner Heimat.

Mit einer Eucharistiefeier in der Kirche der Heiligen Brygida hatte Marx seinen Besuch am Morgen begonnen. Das Gotteshaus ist als Kirche der polnischen Gewerkschaft und der Solidarnosc in die Geschichte eingegangen. Auf dem Programm standaußerdem eine Kranzniederlegung am Denkmal der gefallenen Werftarbeiter. Es erinnert an die Opfer des blutigen Dezembers 1970, als schon einmal Arbeiter der Werft für Reformen demonstrierten. Geplant war darüber hinaus ein Vortrag "Solidarität - ein Schlüsselwort für die Zukunft unserer Gesellschaft, Europas und der Welt" mit anschließender Podiumsdiskussion. (bod/KNA)