Gebäude der Kongregation für die Glaubenslehre am Palazzo del Sant Uffizio, im Vatikan.
Aber kein Schuldeingeständnis

Missbrauchsvorwurf: Mitarbeiter der Glaubenskongregation tritt zurück

Die Vorwürfe stehen schon jahrelang im Raum – nun geht es Schlag auf Schlag: In der vergangenen Woche hieß es noch aus dem Vatikan, das Verhalten des hochrangigen Mitarbeiters der Glaubenskongregation werde untersucht – nun ist er zurückgetreten, hat die Tagespost erfahren.

Vatikanstadt - 28.01.2019

Nach Informationen der "Tagespost" tritt der Leiter der Glaubensabteilung in der Glaubenskongregation, Pater Hermann Geißler, nach Missbrauchsvorwürfen zurück. Gegen das Mitglied der Gemeinschaft "Das Werk" hatte eine ehemalige Angehörige dieser Gemeinschaft den Vorwurf erhoben, er habe sie "in der Beichte belästigt". Geißler bestreitet die Vorwürfe. In einer bislang unveröffentlichten Erklärung, aus der die "Tagespost" am Montagabend zitiert, begründet er seinen Rücktritt damit, dem Druck nicht mehr standhalten zu können und Schaden von der Glaubenskongregation abwenden zu wollen.

Am Dienstag bestätigte das Presseamt des Heiligen Stuhls den Rücktritt. Geißler habe am 28. Januar dem Präfekten der Glaubenskongregation gebeten, "seinen Dienst zu beenden". Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen "um weiteren Schaden von der Glaubenskongregation und von seiner Gemeinschaft abzuwenden". Weiterhin streitet er die Vorwürfe ab und setzt auf die Fortführung des bereiteits eingeleiteten kirchenrechtlichen Verfahrens. Außerdem behalte er sich weitere rechtliche Schritte vor.

Vorwürfe erstmals 2012

In der vergangenen Woche hatte der "National Catholic Reporter" unter Berufung auf auf Vatikansprecher Alessandro Gisotti gemeldet, dass der Vatikan eine erneute Untersuchung eingeleitet hätte. Die Zeitung zitiert den Vatikansprecher mit den Worten, der betreffende Priester stehe "unter Untersuchung durch die Oberen der Glaubenskongregation, die sich entsprechende Schritte vorbehalten".

Erstmals wurden gegen den Priester bereits 2012 entsprechende Vorwürfe erhoben, die sich auf Taten im Jahr 2009 bezogen. Eine Untersuchung der Glaubenskongregation habe damals nach Informationen der "Tagespost" keine Anhaltspunkte für die Schuld ergeben. Im September des vergangenen Jahres ging das mutmaßliche Opfer mit den Vorwürfen an die Öffentlichkeit. (fxn)

Am 29. Januar 2019, 12.45 Uhr um Erklärung der Glaubenskongregation ergänzt.