Geistliche mit Kerzen in den Händen während des festlichen Ostergottesdienstes in der Christ-Erlöser-Kathedrale am 11. April 2015 in Moskau.
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Russisch-orthodoxe Kirche beschließt im Streit um die Ukraine scharfe Schritte

Moskau legt Beziehungen zu Konstantinopel auf Eis

Neue Eskalation im Streit zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Der Orthodoxie könnte nach scharfen Attacken aus Moskau eine Kirchenspaltung drohen.

Moskau - 15.09.2018

Drohende Kirchenspaltung in der Orthodoxie: Im Streit um die orthodoxe Kirche in der Ukraine hat die russisch-orthodoxe Kirche scharfe Schritte gegen das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel beschlossen. Russisch-orthodoxe Geistliche sollten vorerst keine gemeinsamen Gottesdienste mehr mit Priestern des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel feiern, entschied das Leitungsgremium der russischen Kirche, der Heilige Synod, unter Vorsitz von Patriarch Kyrill I. am Freitag in Moskau. In den Messen werde zudem das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., nicht mehr genannt und der theologische Dialog mit Konstantinopel werde eingestellt, heißt es in der Erklärung des Leitungsgremiums weiter (zum Wortlaut der Erklärung, englisch).

Für den Fall, dass das Patriarchat von Konstantinopel "seine unkanonischen Aktivitäten auf dem Territorium der ukrainischen orthodoxen Kirche" fortsetze, droht die russisch-orthodoxe Kirche mit einem vollständigen Bruch mit Konstantinopel. "Die Verantwortung für die tragischen Folgen dieser Spaltung wird persönlich bei Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel und seinen Unterstützern liegen", heißt es in dem Schreiben.

"Die Ampel in den Beziehungen zu Konstantinopel steht auf Gelb"

Der Außenamtschef der russisch-orthdoxen Kirche, Metropolit Hilarion, sagte nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen, die Entscheidungen des Heiligen Synods entsprächen "ungefähr dem Abbruch diplomatischer Beziehungen" zwischen Staaten. Künftig würden in den Messen die Oberhäupter aller anderen orthodoxen Landeskirchen mit Ausnahme von Bartholomaios I. genannt. Kirchensprecher Alexander Wolkow sagte der Nachrichtenagentur Interfax, man habe mit dem Beschluss die Ampel in den Beziehungen zu Konstantinopel auf Gelb gestellt. Sie könne als nächstes entweder Rot zeigen und so jede Bewegung stoppen oder grünes Licht für die Wiederaufnahme des Dialogs geben.

Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel hatte vor einer Woche zwei Bischöfe zu Exarchen für die Ukraine ernannt und sie beauftragt, in dem Land die Bildung einer eigenständigen (autokephalen) und damit von Moskau unabhängigen Kirche vorzubereiten. Die russisch-orthodoxe Kirche will ihre Oberhoheit über die orthodoxe Kirche in der Ukraine jedoch behalten. Das Moskauer Patriarchat betrachtet die Ukraine als ihr kanonisches Territorium und spricht Konstantinopel das Recht ab, Bischöfe für das osteuropäische Land zu ernennen. (stz/KNA)

Die Erklärung der russisch-orthodoxen Kirche im Wortlaut

Katholisch.de dokumentiert Auszüge aus der Erklärung der russisch-orthodoxen Kirche zum Streit mit Konstantinopel in einer eigenen Übersetzung:

(...) In dieser kritischen Situation, in der sich Konstantinopel praktisch geweigert hat, die Angelegenheit durch Dialog zu lösen, ist das Moskauer Patriarchat gezwungen, das liturgische Andachtsgedenken des Patriarchen von Konstantinopel auszusetzen und die Konzelebration mit Würdenträgern des Patriarchats von Konstantinopel auszusetzen. Ebenso ausgesetzt wird die Teilnahme der russisch-orthodoxen Kirche an  bischöflichen Versammlungen und theologischen Dialogen, multilateralen Kommissionen und anderen Strukturen, die von Vertretern des Patriarchats von Konstantinopel geleitet oder gemeinsam geleitet werden.

Für den Fall, dass das Patriarchat von Konstantinopel seine unkanonischen Aktivitäten auf dem Territorium der ukrainischen orthodoxen Kirche fortsetzt, werden wir gezwungen sein, die eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel vollständig abzubrechen. Die Verantwortung für die tragischen Folgen dieser Spaltung läge persönlich bei Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel und den Würdenträgern, die ihn unterstützen.

Da wir wissen, dass die gegenwärtige Situation die ganze Orthodoxie in Gefahr bringt, bitten wir in dieser schwierigen Stunde die örtlichen autokephalen Kirchen um Unterstützung und rufen die Oberhäupter der Kirchen auf, unsere gemeinsame Verantwortung für das Schicksal der Orthodoxie der Welt voll und ganz wahrzunehmen und eine brüderliche, panorthodoxe Diskussion über die kirchliche Situation in der Ukraine zu initiieren.

Wir rufen die gesamte russisch-orthodoxe Kirche auf, eifrig für die Erhaltung der Einheit der Heiligen Orthodoxie zu beten. (stz)