Der Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien.
"Vatican Insider" berichtet unter Berufung auf Kurienkreise

Noch keine Papst-Entscheidung über Medjugorje

Rund 42.000 Marienerscheinungen soll es seit 1981 im umstrittenen Wallfahrtsort Medjugorje gegeben haben. Sind sie authentisch? Der Papst lässt sich mit einem Urteil wohl noch Zeit.

Rom - 11.12.2017

Zu dem umstrittenen Marienwallfahrtsort Medjugorje liegt offenbar noch keine Entscheidung von Papst Franziskus vor. Das berichtete das italienische Nachrichtenportal "Vatican Insider" unter Berufung auf Kurienkreise am Wochenende. Dies bedeute jedoch nicht, dass der Vatikan gegen die Pilgerfahrten in den bosnisch-herzegowinischen Ort sei.

Am Freitag hatte der Papst den altersbedingten Rücktritt des Warschauer Erzbischofs Henryk Hoser (75) angenommen, der seit Februar auch Sondergesandter für Medjugorje war; diese Sondermission ist inzwischen beendet. Hoser hatte zum Ende seiner Amtszeit in einem Interview gesagt, er rechne damit, dass die Kirche die ersten der seit 1981 in Medjugorje berichteten Erscheinungen als echt anerkenne. Und dass die Anerkennung "vielleicht noch in diesem Jahr" erfolgen könnte.

Die ersten sieben Erscheinungen als authentisch eingestuft

Benedikt XVI. (2005-2013) hatte 2010 eine Kommission unter Leitung des italienischen Kardinals Camillo Ruini eingesetzt, um den übernatürlichen Charakter der Ereignisse von Medjugorje zu klären. 2014 legte der Ausschuss seine Ergebnisse der vatikanischen Glaubenskongregation vor. Anschließend wurden sie dem Staatssekretariat übergeben.

Demnach soll die Mehrheit der Kommissionsmitglieder die ersten sieben Erscheinungen, die sich zwischen dem 24. Juni und dem 3. Juli ereigneten, als authentisch eingestuft haben. Überwiegend Zweifel gab es laut Berichten über das noch unveröffentlichte Dossier an den folgenden rund 42.000 Visionen von Ende 1981 bis heute. Erstmals hatten drei - mittlerweile erwachsene - Hirtenkinder von Erscheinungen der Gottesmutter berichtet. Der Papst selbst sieht solche angeblichen Privatoffenbarungen persönlich Kritisch. Die Gottesmutter Maria sei keine Botin, die an bestimmte "Seher" zu bestimmten Tageszeiten himmlische Botschaften übermittle, sagte er etwa bei einer Frühmesse im Juni 2015.

Jährlich besuchen rund 2,5 Millionen Gläubige aus aller Welt Medjugorje. Offizielle Wallfahrten von Bistümer und Pfarreien sind eigentlich ohne die Anerkennung durch den Papst nicht möglich. Allerdings haben schon Kardinäle, Bischöfe und Tausende Priester Gläubige dorthin begleitet. (bod/KNA)