Pasoraltheologe Paul Michael Zulehner
Pastoraltheologe fordert Unterstützung nach Rücktrittsforderungen

Papstangriffe: Zulehner kritisiert Schweigen der Bischöfe

Vertuschungsvorwürfe, Rücktrittsforderungen: Die Gegner des Papstes griffen Franziskus frontal an, sagt der Pastoraltheologe Paul Zulehner. Was ihn bestürzt: Der Papst bekommt keine Rückendeckung von Europas Bischöfen.

Würzburg - 30.08.2018

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner hat nach den Vertuschungsvorwürfen gegen Papst Franziskus eine mangelnde Rückendeckung durch Europas Bischöfe kritisiert. "Die Bischöfe in Österreich, Deutschland, in der Schweiz – kurzum: alle unsere Europäischen Bischofskonferenzen schweigen", schreibt Zulehner am Mittwoch auf seinem eigenen Blog. Es sei ein skandalöses Schweigen, "das schuldig macht am Wohl der Kirche". Viele Gutwillige im Kirchenvolk würden dadurch verunsichert.

Die Gegner des Papstes seien weltweit vernetzt und griffen ihn frontal an, so Zulehner weiter. Daher fordert er die Österreichische und auch andere Europäische Bischofskonferenzen "in aller Dringlichkeit auf, sich umgehend öffentlich ausdrücklich und wahrnehmbar hinter den Papst zu stellen und seinen Weg zu unterstützen". Auch der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen wäre in seinen Augen gut beraten, "seine Loyalität klar und deutlich zu bekunden". Zudem rief er zu einem Gebetstag für den Papst "in dieser heiklen Stunde der Kirche" auf.

Nur Bischof von Ascoli Piceno schrieb Hirtenbrief

Als wacher Beobachter sei er bestürzt, dass erst ein einziger Bischof weltweit sich in dieser prekären Lage vor den Papst gestellt habe, schreibt Zulehner weiter. Das sei der Bischof der italienischen Diözese Ascoli Piceno, Giovanni D'Ercole, gewesen. D'Ercole schrieb in einem Hirtenbrief an seine Gläubigen unter anderem, der Papst müsse wissen, "dass er in seinem Kampf gegen den Missbrauch von Minderjährigen und jungen Leuten durch ungetreue Kleriker nicht allein sei". Die Rücktrittsforderungen nannte der Bischof eine "mediale und politische Operation" sowie eine "Instrumentalisierung".

Der frühere vatikanische Botschafter in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, hatte dem Papst in einem Memorandum zur Affäre um den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick Vertuschung vorgeworfen und seinen Rücktritt gefordert. McCarrick war Ende Juli von Franziskus unter dem Verdacht des Missbrauchs Minderjähriger aus dem Kardinalsstand entlassen worden.

Zulehner hatte sich bereits im Oktober 2017 mit seiner Initiative "Pro Pope Francis" hinter den Papst gestellt, um ihn gegen Angriffe von Reformgegnern in den eigenen Reihen zu unterstütze. Die von ihm ins Leben gerufene Petition hat mittlerweile 75.000 Unterstützer. (bod)