Petrusbrüder: In die Kirche ist Verdorbenheit eingedrungen
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Deutscher Distriktoberer über Skandale und Erfolge

Petrusbrüder: In die Kirche ist Verdorbenheit eingedrungen

In Kürze begeht die Priesterbruderschaft St. Petrus ihr 30-jähriges Gründungsjubiläum. Vorab äußerte sich der deutsche Distriktobere Bernhard Gerstle zur derzeitigen Situation der Kirche – und zum Erfolg der Bruderschaft.

Wigratzbad - 09.10.2018

Verdorbenheit in der Kirche kritisiert der deutschsprachige Distriktsobere der Priesterbruderschaft Sankt Petrus, Bernhard Gerstle (61). "Wie tief die Verdorbenheit sogar bis in höchste Kreise der Kirche eingedrungen ist", habe jüngst der Missbrauchsskandal in den USA gezeigt, sagte Gerstle in Wigratzbad im Landkreis Lindau im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

In den USA wurden unlängst unter anderem Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Washingtoner Erzbischof und Ex-Kardinal Theodore McCarrick bekannt. In diesem Zusammenhang gibt es auch Vertuschungsbeschuldigungen gegen Papst Franziskus. Gerstle ergänzte, er könne zu den konkreten Vorwürfen nichts sagen. Die Petrusbrüder stünden indes für die Treue zum Papst, "unabhängig von der Person".

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Pater Bernhard Gerstle ist seit 2015 Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Petrus für den deutschsprachigen Raum.

Der Distriktsobere äußerte sich aus Anlass des bevorstehenden 30. Jahrestages der Errichtung seiner Bruderschaft als "Klerikale Gesellschaft Apostolischen Lebens Päpstlichen Rechtes" am 18. Oktober 1988 durch den Heiligen Stuhl. Gegründet hatte sich die Petrusbruderschaft kurz zuvor am 18. Juli 1988 in der Zisterzienserabtei Hauterive in der Schweiz. Sie entstand als Reaktion auf den Bruch der traditionalistischen Piusbruderschaft durch unerlaubte Bischofsweihen mit Rom und soll konservativen Katholiken eine papstverbundene Heimat bieten. Das älteste Priesterseminar der Petrusbrüder befindet sich im bayerischen Pilgerort Wigratzbad in der Nähe des Bodensees. Zu den Anliegen der Bruderschaft zählt unter anderem die Feier der Messe in der Außerordentlichen Form des Römischen Ritus.

Erbe der Kirche als kostbarer Schatz

Gerstle erklärte, die Petrusbrüder seien konservativ in dem Sinne, dass sie "das Erbe der Kirche als kostbaren Schatz betrachten, nicht nur in der Liturgie, auch in der Theologie und Spiritualität". Diesen Schatz gelte es zu bewahren und weiterzugeben. Zugleich sei man offen für Neues: "Man muss auf neue Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche flexibel reagieren. Leider liest die junge Generation immer seltener ein Buch. Darum gilt es neue Formen der Evangelisierung zu finden."

Außerdem gebe es unter den islamischen Flüchtlingen nicht wenige Menschen, die für das Christentum offen seien. "Sie suchen aber ein authentisches Christentum", so Gerstle. "Wie können wir hier Orientierung bieten? Die Lösung kann nicht sein, dass man in der Kirche die Normen senkt und sich 'der heutigen Lebenswirklichkeit' im Sinne des Zeitgeistes anpasst."

In den vergangenen sechs Jahren habe die Gemeinschaft einen Zuwachs von über 20 Prozent an Priestern verzeichnen können, sagte Gerstle weiter. Zudem seien im deutschsprachigen Distrikt die Gottesdienstbesucherzahlen um etwa 15 Prozent gestiegen. "Wir hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt." Viele Gläubige seien unzufrieden mit den zunehmenden Großpfarreien, sie würden die persönliche Seelsorge vermissen. "Bei uns finden sie diese", betonte der Pater. (tmg/KNA)