Pro und Contra: Engagement im Pfarrgemeinderat
Zwischen Bratwurstpreisen und dem Sendungsauftrag Christi

Pro und Contra: Engagement im Pfarrgemeinderat

In Bayern sind am Sonntag Pfarrgemeinderatswahlen. Aber lohnt sich das Engagement in den Räten überhaupt? Ja, sie sind unverzichtbar, sagt Redakteur Felix Neumann. Kollege Kilian Martin hält dagegen.

Von Felix Neumann |  Bonn - 24.02.2018

Pro: Zum Pfarrgemeinderat gibt es keine Alternative

Pfarrgemeinderäte haben nicht immer den besten Ruf: Vereinsmeierei und Sitzungskatholizismus sind mit den Laienräten verbunden, die die Organisation des Pfarrfestes inklusive Würstchen- und Bierpreisen zur Mitte und Höhepunkt des ganzen Lebens der Pfarrei machen würden. Sicher: Solche Zerrbilder sind nicht ganz aus der Luft gegriffen. Ein Pfarrgemeinderat ist auch das Gremium, dessen Mitglieder ganz praktisch das Leben in der Pfarrei in die Hände nehmen, und das heißt eben oft: Sich um langweilige, aber wichtige Verwaltungsaufgaben kümmern.

Schon das ist ein wichtiger Dienst: Christen lassen sich in die Verantwortung nehmen, entscheiden darüber, wie sich die Gemeinde in der Gesellschaft zeigt und wirkt. Das muss man mögen, und nicht jeder ist für solche Aufgaben gemacht – aber jede Gemeinschaft braucht diese bodenständigen Organisatoren, die sich für keine dröge Verwaltungsaufgabe zu schade sind und vielleicht sogar gerade daran Spaß haben und ihre Talente einbringen können. Was sollte auch die Alternative sein zum Pfarrgemeinderat als dem Gremium, in dem sich die Gemeinde selbst verwaltet? Was wäre das für eine Kirche, wenn nur Priester und Hauptamtliche mit der Verwaltung dessen betraut wären, was in der Kirche alle angeht?

Die Kirche ist kein professioneller Konzern, die Kirche ist die Gemeinschaft der Glaubenden, und deshalb stehen neben der hierarchischen Verfassung der Kirche auch synodale Elemente – nicht als Gegensatz, sondern als Ergänzung: "An der Aufgabe der Kirche, Träger der Heilssendung Christi zu sein, haben die ganze Gemeinde und jedes ihrer Glieder Anteil", heißt es im Beschluss über die Räte und Verbände der Würzburger Synode. Die Pfarrgemeinderäte sorgen dafür, dass diese Aufgabe auch tatsächlich eine Sendung aller sein kann, und nicht nur im besten Fall vereinzelte, unverbunden nebeneinanderstehende Einzelinitiativen. Pfarrgemeinderäte sorgen durch ihre Legitimation durch allgemeine Wahl dafür, "die einzelnen Dienste und Gruppen zu integrieren und zwischen der Gemeinde und ihnen zu vermitteln".

Damit sind die Pfarrgemeinderäte nicht einfach nur eine Verwaltungsstruktur, die man einrichten kann oder auch nicht, oder die bestenfalls deshalb bestehen, weil staatskirchenrechtliche Erfordernisse ein demokratisch legitimiertes Vermögensverwaltungsgremium nötig machen. Pfarrgemeinderäte machen deutlich, dass die Kirche nicht nur hierarchisch, sondern auch synodal ist: Dass der Sendungsauftrag Christi nicht nur für Spezialisten ist, sondern alle in der Gemeinde angeht.

Von Felix Neumann

Fleisch auf einem Grill.

Geht es in den Pfarrgemeinderäten primär um die Preise für das Grillfleisch auf dem Pfarrfest?

Contra: Gott statt Bratwurst!

Den tausenden bayerischen Katholiken, die sich an diesem Sonntag zur Wahl in ihre Pfarrgemeinderäte stellen, gebührt großer Dank und Anerkennung. Es ist eine Gnade, dass so viele Gläubige nicht bloß stille Nutznießer des gemeindlichen Lebens sein wollen, sondern sich für eine verbindliche Mitarbeit entscheiden.

Aber auch all jene, die sich bewusst gegen die Teilnahme an der Wahl – ob aktiv oder passiv – entscheiden, verdienen Respekt. Wer die Arbeit der Laiengremien aus eigener Erfahrung kennt und ehrlich reflektiert, sollte nachvollziehen können, warum Gläubige daran nicht mitwirken wollen.

Der Pfarrgemeinderat in seiner heutigen Form weist vor allem zwei systembedingte Fehler auf. Der erste ist seine Funktion als Echokammer einer bestimmten Geisteshaltung. Mitglieder kirchlicher Gremien weisen ein mehr oder weniger homogenes Weltbild auf, das sich durch die zwangsläufige Wiederholung noch verstärkt. Die innere Pluralität der Kirche, mithin Wesensmerkmal des Katholizismus, spiegelt sich in den Räten nicht wieder. Das wiederum sorgt erst recht dafür, dass Andersdenkende sich gegen eine aktive Beteiligung entscheiden.

Der zweite Fehler ist das leider immer wieder an den Tag gelegte Selbstverständnis der Räte als Verwaltungsgremien. Ein Pfarrgemeinderat, der sich stundenlang mit Bratwurstpreisen für das Gemeindefest befasst, ist nicht Ausdruck des synodalen Prinzips der Kirche. Im Gegenteil manifestiert sich darin die Selbstverortung der Laien in einem archaischen Kirchenbild. Ganz praktische und pragmatische Verwaltungsaufgaben sind gewiss keinem Gläubigen unwürdig. Das heißt aber nicht, dass Getaufte und Gefirmte in der Communio der Kirche nicht auch zu anderem berufen wären.

Indem die Laien sich auf das Feld der weltlichen Aufgaben zurückziehen und den Seelsorgern allein die geistliche Arbeit überlassen, bleiben sie hinter ihren Fähigkeiten zurück. Der Pfarrgemeinderat kann ein hervorragendes Instrument der Evangelisierung sein, Laienräte können wesentlich zum Aufbau des Reiches Gottes beitragen. Die Realität sieht oft anders aus. Hoffen wir, dass die (künftigen) bayerischen Pfarrgemeinderäte sich vor allem als Glaubensboten verstehen und weniger als Gemeindefestorganisatoren.

Von Kilian Martin