Flüchtlings-Rettungsschiff Lifeline im Mittelmeer
Keine Vatikan-Flagge für Seenotretter

Rettungsschiff "Lifeline" darf nicht ins Vatikan-Schiffsregister

Viele Staaten wollen nicht, dass Rettungsschiffe unter ihrer Flagge fahren: Ein Ausweg wäre das Schiffsregister des Kirchenstaats. Doch der Vatikan will keine Seenotretter in sein Schiffsregister eintragen.

Bonn - 28.09.2018

Das Rettungsschiff "Lifeline" kann seine Seenoteinsätze im Mittelmeer nicht unter vatikanischer Flagge fahren. In einem von der Hilfsorganisation "Mission Lifeline" veröffentlichten Brief an den Kapitän des Schiffes, Claus-Peter Reisch, teilt die Apostolische Nuntiatur in Deutschland mit, dass das Anliegen im Vatikan geprüft worden sei. Eine Registrierung im Schiffsregister des Vatikans sei aber nicht möglich, weil das Schiff "keine tatsächliche Beziehung zum Vatikanstaat" habe und "dieser die eigene Zuständigkeit über das Schiff nicht ausüben kann". Zudem könne der Vatikan auch nicht die "Immunität von Besatzung und Passagieren" gewährleisten. Der Brief endet mit der Versicherung, den Kapitän, die Besatzung und Menschen in Seenot ins Gebet einzuschließen.

Seit September 2017 ist die Lifeline im Mittelmeer an Rettungsaktionen vor der libyschen Küste beteiligt. Im Juni 2018 hatte das Schiff mehrere Hundert schiffbrüchige Flüchtlinge gerettet. Sowohl Italien als auch Malta verweigerten das Anlegen in Häfen der Länder und verwiesen auf die Aufnahmepflicht der Niederlande, unter deren Flagge das Schiff derzeit fährt. Nach der Zusicherung mehrerer europäischer Staaten, die geretteten Flüchtlinge aufzunehmen, konnte das Schiff in Malta anlegen.

Auch andere Rettungsboote haben Probleme mit der Registrierung

Um die Registrierung des Schiffs gibt es Konflikte: Während die Niederlande bestreiten, dass das Schiff zu Recht unter niederländischer Flagge fahre und nicht in das Schiffsregister eingetragen sei, ist der Trägerverein der Ansicht, die Eintragung bei einem niederländischen Sportverband als Sportboot sei ausreichend bei Booten unter 500 Tonnen.

Auch das von den Organisationen "SOS Méditerranée" und "Ärzte ohne Grenzen" betriebene Rettungsschiff Aquarius hat Probleme mit der Registrierung: Nachdem Gibraltar das Schiff aus seinem Schifffahrtsregister gelöscht hatte, fährt es derzeit unter panamaischer Flagge. Auch Panama erwägt eine Löschung aus dem Schiffsregister.

Noch nie Schiffe unter Vatikan-Flagge

Aufgrund dieser Probleme wurde in der Vergangenheit immer wieder Hilfe durch den Vatikan ins Spiel gebracht. Der Kirchenstaat hat zwar keinen eigenen Seezugang. Gemäß internationalem Seerecht haben aber auch Binnenstaaten das Recht, Schiffe zu registrieren, die unter ihrer Flagge fahren.

Papst Pius XII. hatte 1951 ein "Dekret über die Seeschifffahrt unter der Flagge des Vatikanstaats" erlassen und damit ein Schiffsregister eingerichtet. Hintergrund waren Erwägungen während des Zweiten Weltkriegs, Hilfsgüter unter einer neutralen vatikanischen Flagge zu transportieren, was unter anderem am damals noch fehlenden Schiffsregister scheiterte. Seit Einrichtung des vatikanischen Registers sind keine Schiffe bekannt, die je unter der Flagge des Kirchenstaats gefahren sind. (fxn)