Schönborn verteidigt Papst: Sie wollen ihn loswerden
Wiener Kardinal zu Rücktrittsforderungen gegen Franziskus

Schönborn verteidigt Papst: Sie wollen ihn loswerden

Nach den Vertuschungsvorwürfen stärkt nun auch Kardinal Christoph Schönborn Franziskus den Rücken. Er sagt: Die offene Art des Papstes sei für viele Kirchenmitarbeiter ein Problem - auch im Vatikan.

Wien - 07.09.2018

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat Papst Franziskus gegen Rücktrittsforderungen verteidigt. In der Kirche gebe es "Kreise", die den Papst "möglichst bald loswerden wollen", schreibt er in seiner Freitags-Kolumne im Gratisblatt "Heute". Franziskus erlebe derzeit schwere Tage. Seine offene Art, die Dinge beim Namen zu nennen, stoße nicht überall auf Sympathie. "Auch nicht im Vatikan", so Schönborn. "Ich danke Gott für diesen so überzeugenden Hirten. Danke, Papa Francesco!"

Der Wiener Erzbischof bezog sich damit auf ein Memorandum des früheren Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, in dem er Papst Franziskus beschuldigt, von sexuellen Verfehlungen des ehemaligen Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick gewusst und sie geduldet zu haben. Der Papst solle deshalb zurücktreten und damit ein Vorbild für die Bischöfe sein. McCarrick wird unter anderem vorgeworfen, in der Vergangenheit junge Seminaristen zum Sex gezwungen zu haben.

Schönborn: Papst hat aus Fehlern gelernt

Als Kardinal Jorge Mario Bergoglio vor fünf Jahren zum Papst gewählt wurde, habe er "frischen Wind in die Kirche" gebracht, so Schönborn in seiner Kolumne. Der Papst zeige sich als Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung und für den Schutz der Umwelt, lobte der Wiener Erzbischof. Sein Herz gehöre den Armen und Menschen am Rande der Gesellschaft wie den Flüchtlingen und Migranten. "Und mit großer Entschiedenheit geht er gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche vor", nahm Schönborn den Papst in Schutz vor anderslautenden Vorwürfen.

Die Papstgegner würden Fragen aufwerfen wie: "Hat er nicht doch zu wenig aufgeklärt? Gar manches zugedeckt?" Franziskus habe selber Fehler zugegeben, nahm Schönborn indirekt Bezug auf die Chilereise des Papstes, nach der er sich bei Missbrauchsopfern für seine Wortwahl entschuldigt hatte. Entscheidend sei freilich, aus Fehlern zu lernen, betonte der Kardinal: "Das hat Papst Franziskus gezeigt."

In der vergangenen Woche hatte der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner eine mangelnde Rückendeckung für den Papst durch Europas Bischöfe beklagt. "Die Bischöfe in Österreich, Deutschland, in der Schweiz – kurzum: alle unsere Europäischen Bischofskonferenzen schweigen", kritisierte er. Zahlreiche Bischöfe - auch aus Deutschland - hatten sich anschließend öffentlich hinter Franziskus gestellt. Dazu zählten unter anderem der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Passauer Oberhirte Stefan Oster. (bod/KNA)