"So oft wie möglich den Rosenkranz beten"
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Papst wirbt für das meditative Mariengebet

"So oft wie möglich den Rosenkranz beten"

Den Rosenkranz zu beten soll eine weltabgewandte Frömmigkeit sein? Papst Franzisus weist das nachdrücklich zurück und wirbt für die Gebetsform mit der Perlenschnur.

Vatikanstadt - 09.10.2016

Papst Franziskus hat am Samstagabend mit Delegationen von Marienwallfahrtsorten aus der ganzen Welt eine Marienandacht auf dem Petersplatz gefeiert. Nach vatikanischen Angaben waren insgesamt 90 Abordnungen aus 38 Ländern -  vom französischen Lourdes bis zum mexikanischen Guadalupe - zu der Gebetsvigil anlässlich des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit angereist.

In einer Meditation empfahl Papst Franziskus, so oft wie möglich den Rosenkranz zu beten. Er sei "in vieler Hinsicht die Zusammenfassung der Geschichte der Barmherzigkeit Gottes", sagte er vor mehreren tausend Gläubigen. Zugleich wies er die Behauptung zurück es handele sich hierbei um weltabgewandte Frömmigkeit. Dieses Gebet führe keineswegs von den Sorgen des Lebens weg.

Marien-Ikone auf den Petersplatz gebracht

Vielmehr fordere es dazu auf, sich "in die Geschichte aller Tage hineinzubegeben, um die Zeichen der Gegenwart Christi" erkennen zu können. Für die Marienandacht war die berühmteste römische Marien-Ikone, "Salus populi Romani" aus der Kirche Santa Maria Maggiore auf den Peterplatz gebracht worden.

Der Oktober wird in der katholischen Kirche als Rosenkranz-Monat begangen. Der Rosenkranz ist eine jahrhundertealte Gebetsform in der katholischen Kirche. Sinnliches Hilfsmittel ist eine Perlenschnur mit einem Kreuz, deren Perlen in fünf Zehner-Reihen gruppiert sind. Jede der Perlen steht, wenn der Beter sie durch die Hand gleiten lässt, für ein "Gegrüßet seist Du, Maria" (Ave Maria).

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Jede Zehner-Gruppe des Rosenkranzes wird von der folgenden durch eine größere Perle getrennt. Ist sie an der Reihe, wird das "Ehre sei dem Vater" und ein "Vater unser" gebetet. Durch das Wiederholen der Gebete und die Einfügung kurzer Betrachtungen über das Leben und Sterben Jesu bekommt das Rosenkranz-Beten einen meditativen Charakter. Die katholische Kirche unterscheidet bislang den freudenreichen, schmerzhaften, glorreichen und den lichtreichen Rosenkranz.

Barmherzigkeit ist mehr als Menschenfreundlichkeit

Am Wochenende wandte sich der Papst auch gegen eine inflationäre Verwendung des Begriffs "Barmherzigkeit". Sie dürfe nicht einfach mit Menschenfreundlichkeit und Wohltätigkeit gleichgesetzt werden, sagte er in einer Videobotschaft. Es sei gut, wohltätig zu wirken, aber "es ist keine Barmherzigkeit, das ist eine andere Sache". Barmherzigkeit bedeute vielmehr, sich im Herzen mit dem Elend des Anderen zu vereinen und sich davon verletzen zu lassen, heißt es in der Botschaft, die sich an eine christliche Freiwilligenorganisation in Argentinien richtet.

Ebensowenig dürfe Barmherzigkeit mit Mitleid oder Traurigkeit verwechselt werden, so Franziskus weiter. Barmherzigkeit sei zum einen keine Leistung sondern eine Gnade, um die man Gott bitten müsse. Außerdem können nur barmherzig sein, wer selbst Barmherzigkeit erfahren habe. Die Videobotschaft richtete sich an ein Treffen der Organisation "Manos Abiertas" (offene Hände) in Argentinien, das in diesen Tagen in Santa Fe stattfindet. Die Organisation war 1992 von einem argentinischen Jesuiten gegründet worden. (luk/KNA)

9.10.2016, 10:55 Uhr: ergänzt um die Aussagen zur Barmherzigkeit

Linktipp: Das Rosenkranzgebet

Viele Katholiken halten an dem schönen alten Brauch fest, im Mai und Oktober, den beiden Marienmonaten, Rosenkranzandachten zu besuchen. Das Rosenkranzgebet gibt Kraft für den Alltag, Trost in Krankheit, Trauer und Leid. Dieses Gebet ist uralt, es geht bis zu den Anfängen des Christentums zurück.