Ein Kind hält sich vor Angst die Hände über den Kopf.
Bischofskonferenz stellt Studie über sexuellen Missbrauch vor

Täter sind nicht zwingend pädophil

Katholische Geistliche, die Kinder sexuell missbraucht haben, zeigen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung keine besonderen auffälligen psychischen Erkrankungen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die am Freitag in Trier vorgestellt wurde.

Bonn/Trier - 07.12.2012

Die betroffenen Priester seien in den seltensten Fällen im klinischen Sinne pädophil, erklärte der Mediziner und Psychiater Norbert Leygraf. "Diesbezüglich zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede zu Erhebungen in der deutschen Allgemeinbevölkerung", so der Leiter des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, das die Studie im Auftrag der DBK zusammen mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt hatte.

Die Kirche als starkes Netzwerk

Nur fünf Prozent der Täter, die Minderjährige missbrauchen, würden rückfällig, erklärte Leygraf mit Bezug auf internationale Zahlen. Inwiefern pädophile Geistliche, die nicht in Behandlung gewesen seien, von diesem Befund abwichen, sei nicht bekannt. Das soziale Umfeld in der Kirche wirke hier aber durchaus präventiv: Innerhalb der Kirche gebe es ein "soziales Kontroll- und Unterstützungsnetzwerk", das möglichen Rückfällen präventiv entgegenwirke, so Leygraf.

Der Missbrauchsbeauftragte der DBK, der Trierer Bischof Stephan Ackermann lobte die Studie: "Die Vorstellung der Ergebnisse stellt einen weiteren wichtigen Schritt in unseren Bemühungen zur transparenten Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche dar", sagte er.

In der Untersuchung wurden 78 Gutachten aus 21 Bistümern ausgewertet. Sie erbrachten unter anderem diese Ergebnisse: 9 der 78 Geistlichen waren pädophil, 4 hatten eine homosexuelle Neigung zu pubertären Jungen. Von den verbleibenden 65 Priestern wiesen 54 Prozent eine heterosexuelle Orientierung auf, 37 Prozent eine homosexuelle, 9 Prozent waren bisexuell. Bei 37 wurden in den Gutachten keine Bedenken gegen einen weiteren Einsatz in der Kirchengemeinde vorgebracht, bei 29 wurde ein nur eingeschränkter, bei 12 kein weiterer Einsatz empfohlen.

Die Gutachten wurden zwischen dem Jahr 2000 und 2010 erstellt, die meisten Vorfälle liegen mehrere Jahrzehnte zurück.

(gho mit Material von KNA)