Ukrainisch-orthodoxe Kirche: Gründungskonzil hat Termin
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Präsident Poroschenko gibt Datum bekannt

Ukrainisch-orthodoxe Kirche: Gründungskonzil hat Termin

Sie ist das Streitobjekt schlechthin zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel und Moskau: die geplante, eigenständige ukrainisch-orthodoxe Landeskirche. Jetzt ist nicht nur klar, dass sie gegründet wird, sondern auch wann.

Kiew - 05.12.2018

Die Gründung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Landeskirche soll am 15. Dezember stattfinden. Das gab Präsident Petro Poroschenko nach Medienberichten am Mittwoch in Kiew bekannt.

Eingeladen zum Gründungskonzil seien die Bischöfe dreier Kirchen: der Ukrainischen orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats, der Autokephalen ukrainischen orthodoxen Kirche und der Ukrainischen orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Das Bischofstreffen solle in der ältesten Kiewer Kirche stattfinden, der Sophienkathedrale, die derzeit ein Museum im Besitz des Staates ist.

Mehr als 300 Jahre hat die Ukraine kirchenrechtlich zum Moskauer Patriarchat gehört. Die Kiewer Führung bemüht sich seit längerem um eine Eigenständigkeit (Autokephalie) der orthodoxen Kirche in der Ex-Sowjetrepublik - zumal angesichts des derzeitigen Konflikts mit Moskau.

Russische Kirche läuft Sturm

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, hat als Ehrenoberhaupt aller orthodoxen Christen die Autokephalie in Aussicht gestellt. Dagegen läuft die russische Kirche aber Sturm und hat die Beziehungen zu dem Patriarchen mit Sitz in Istanbul abgebrochen. Die meisten Bischöfe der moskautreuen Kirche in der Ukraine werden die Vereinigungssynode boykottieren. Damit sind Konflikte um einzelne Kirchengebäude und Klöster absehbar.

Bereits am vergangenen Donnerstag waren die Weichen für die Gründung einer eigenständigen Landeskirche gestellt worden. Das federführende Patriarchat beschloss bei seiner Tagung (Heiliger Synod) in Istanbul das Statut für die neue autokephale Kirche, legte aber noch keinen Termin für das Gründungskonzil fest.

Folgen auch für die Orthodoxie in Deutschland

Unterdessen hat der Streit in der Orthodoxie auch Auswirkungen in Deutschland. Erstmals hat am Mittwoch die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) ohne die Mitglieder der beiden russisch-orthodoxen Diözesen ihre Herbstvollversammlung in Bonn abgehalten. Die anwesenden Bischöfe der griechischen, rumänischen und serbischen orthodoxen Diözesen bedauerten das Fehlen der russischen Bischöfe und äußerten die Hoffnung auf baldige Überwindung der innerorthodoxen Spannungen, wie aus dem Kommunique hervorgeht.

Die russisch-orthodoxe Kirchenleitung in Moskau hatte wegen des Konflikts um die kirchliche Jurisdiktion in der Ukraine die Teilnahme ihrer Bischöfe an Gremien untersagt, die von einem Repräsentanten des Patriarchats Konstantinopel geleitet werden. Vorsitzender der OBKD ist der zu diesem Patriarchat gehörende griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos.

Da aus diesem Grund auch der Generalsekretär der OBKD, Nikolaj Thon, der zur russisch-orthodoxen Kirche gehört, nicht an der Sitzung teilnahm, beauftragte die Bischofskonferenz den Berliner serbisch-orthodoxen Erzpriester Radomir Kolundzic, "vorläufig die Aufgaben des Generalsekretärs kommissarisch zu übernehmen", um "eine kontinuierliche Weiterarbeit der OBKD zu ermöglichen". Die Bischöfe riefen ihre Priester und Gläubigen auf, um "den Frieden der ganzen Welt, den Wohlbestand der heiligen Kirchen Gottes und die Einheit aller" intensiver zu beten. (tmg/fxn/dpa/KNA)

5. 12. 2018, 18 Uhr: Ergänzt um Folgen für Orthodoxie in Deutschland