US-Bischöfe schuld an Vatikan-Veto für Maßnahmen gegen Missbrauch
Vatikan widerspricht US-Bischöfen

US-Bischöfe schuld an Vatikan-Veto für Maßnahmen gegen Missbrauch

Warum hat der Vatikan den Maßnahmenkatalog der US-Bischöfe gegen Missbrauchsvertuscher und -täter gestoppt? Kardinal DiNardo sah die Schuld in Rom – doch ein nun aufgetauchter Brief der Bischofskongregation stellt die Sache ganz anders dar.

Vatikanstadt - 02.01.2019

Die US-Bischöfe haben ihre vom Vatikan gestoppten Pläne zur Missbrauchsprävention wohl zu spät bei den zuständigen Kurienbehörden eingereicht. Dies geht aus einem Brief des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, an den Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, hervor, der der Nachrichtenagentur Associated Press vorliegt. DiNardo hatte bei der Eröffnung der US-Bischofsversammlung Rom die Schuld zugewiesen, dass der Maßnahmenkatalog nicht verabschiedet werden konnte.

In dem auf den 11. November, den Tag vor der Eröffnung der Vollversammlung der Bischofskonferenz, datierten Brief heißt es, die Pläne für einem Maßnahmenkatalog für den Umgang mit Missbrauchstätern und -vertuschern unter Bischöfen seien erst am 8. November im Vatikan eingegangen. Bereits am 6. November hätte Ouellet DiNardo aufgefordert, auf die Abstimmung zu verzichten. "Angesichts der Art und des Umfangs der von der Konferenz vorgeschlagenen Dokumente wäre es meiner Meinung nach besser gewesen, mehr Zeit zu haben für die Beratung mit dieser und anderen Kongregationen, die mit dem Amt und den Regeln für Bischöfe betraut sind", zitiert AP aus dem Schreiben des Präfekten.

Kardinal DiNardo hatte Vatikan Schuld zugewiesen

Zu Beginn der Vollversammlung hatte DiNardo gesagt, "auf Drängen des Heiligen Stuhls" solle mit der Beratung bis nach dem Missbrauchsgipfel im Vatikan im Februar gewartet werden. Aus dem Brief Ouellets dagegen geht laut AP hervor, dass man im Vatikan den US-Bischöfen unterstellte, Rom unter Zeitdruck setzen zu wollen und so rechtlich fragwürdige Normen an der römischen Zentrale vorbei beraten zu können. "Die Bischofskonferenz hat eine rechtmäßige Eigenständigkeit, Maßnahmen zu diskutieren und zu verabschieden. Aber die Arbeit der Konferenz muss immer im Einklang mit der hierarchischen Struktur und dem universellen Kirchenrecht stehen", so Ouellet in dem Brief.

Kardinal Daniel N. DiNardo bei der Familiensynode im Oktober 2015 im Vatikan

Seit November 2016 ist Kardinal Daniel N. DiNardo der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Er ist Erzbischof der texanischen Diözese Galveston-Houston.

Gegenüber AP sprach Kardinal DiNardo von einem Missverständnis: "Jetzt wird klar, dass es unterschiedliche Erwartungen hinsichtlich der Aufgaben der Konferenz und Roms gegeben hat." Er sei davon ausgegangen, dass die zuständigen Kongregationen ihre Rückmeldungen anhand des von der Bischofskonferenz verabschiedeten Beschlusses geben würden, nicht auf der Grundlage der Beschlussvorlagen.

Maßnahmenkatalog mit potentiellen rechtlichen Problemen

Die US-Bischofskonferenz wollte auf ihrer Versammlung im November drei konkrete Maßnahmen zur Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt beschließen: eine unabhängige Stelle, die Vorwürfe gegen Bischöfe annimmt, Richtlinien für Bischöfe, die ihres Amtes enthoben werden, und einen Verhaltenkodex für Bischöfe über den Umgang mit Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfen.

Einzelne Maßnahmen könnten dabei mit dem Kirchenrecht nicht vereinbar sein. Rechtliche Verfahren, an denen Bischöfe beteiligt sind, können nicht von nationalen kirchlichen Gerichten oder Gremien entschieden werden. Zuständig ist gemäß Kirchenrecht die Römische Rota, das zweithöchste Gericht der Kirche. (fxn)