Vatikan: Klimaabkommen berücksichtigt Menschenrechte zu wenig
Schwächung der vom Klimawandel am stärksten Betroffenen

Vatikan: Klimaabkommen berücksichtigt Menschenrechte zu wenig

Immerhin: Ein Kompromiss kam zustande. Viel mehr Gutes sagt der Vatikan zur Weltklimakonferenz in Kattowitz nicht. Ein wichtiges Thema fehle und damit würden die am stärksten vom Klimawandel Betroffenen weiter geschwächt, lautet das Fazit.

Vatikanstadt - 19.12.2018

Die katholische Kirche sieht die Ergebnisse des Klimagipfels von Kattowitz als unzureichend an. Positiv sei zwar, dass überhaupt ein Kompromiss zustande gekommen sei; das vereinbarte Regelwerk spiegele aber die Dringlichkeit des Problems nur unzureichend wider, heißt es in einer Vatikanerklärung vom Mittwoch. Besonders kritisiert wird eine verminderte Bedeutung, die das Regelwerk den Menschenrechten zumesse. Damit würden jene, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, erneut geschwächt. Durch Folgen des Klimawandels werden bestimmte Rechte bedroht, wie etwa das Recht auf Nahrung, sauberes Wasser und Wohnraum. Auch müssten die Rechte lokaler Gemeinden bei der Umsetzung von Klimaanpassungs- und Vermeidungsprojekten beachtet werden, fordern der Vatikan und kirchliche Hilfswerke seit langem.

Wechselseitige globale Solidarität gefordert

Die Delegation des Vatikans, die die Verhandlungen in Kattowitz mitverfolgte, fordert in ihrer Stellungnahme eine "gerechte Übergangsphase" zur Eindämmung des Klimawandels, bei der "in fairer Weise alle Beteiligten ihre jeweilige Verantwortung wahrnehmen". Erneut verweist der Vatikan auf die Forderung von Klimaforschern, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Im Einzelnen will der Vatikan verstärkte Beiträge von Einzelstaaten, ihre auf fossiler Energie beruhende Wirtschaft zu reformieren. Dafür sei gegenseitige Transparenz notwendig, aus der klar hervorgehe, wer welche Maßnahmen ergreift, was diese kosten und was sie bewirken. Ergänzend müssten Bildungsmaßnahmen stärker das Thema Nachhaltigkeit und Eigenverantwortlichkeit berücksichtigen und zu einem veränderten Lebensstil führen.

Gemischte Reaktionen aus Deutschland

In Deutschland hatte bereits das weltgrößte katholische Entwicklungshilfswerk Misereor die Ergebnisse der Klimakonferenz als bei weitem nicht ausreichend bezeichnet. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der zugleich Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist, bewertete das Abkommen dagegen als "guten Teilerfolg" und "notwendigen Zwischenschritt auf dem Weg zu einem effektiven Klimaschutz". Auch er betonte allerdings, dass weitere Schritte notwendig seien und vor allem das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden müssen. Der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der DBK, Essens Bischof Franz-Josef Overbeck, hatte die Staatengemeinschaft zum Abschluss der Konferenz zu Entscheidungen und ambitioniertem Handeln aufgefordert.

Beim UN-Klimagipfel vom 2. bis 15. Dezember in Kattowitz war der Vatikan mit einer eigenen Delegation vertreten. Unter der Leitung von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin rief er noch kurz vor Ende des Treffens zu deutlich mehr Anstrengungen auf. Bruno-Marie Duffe vom päpstlichen Amt für Entwicklungsfragen forderte eine "wechselseitige globale Solidarität". Der Kampf gegen Ursachen und Folgen der Erderwärmung müsse auch wirtschaftliche und soziale Reformen einschließen. (fxn/luk/KNA)