Das Kölner Domkapitel im Kölner Dom
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Katholisch.de erklärt das diözesane Gremium

Was ist das Domkapitel?

Den Begriff kennt man, aber die Details wirken kompliziert. Was ist etwa der Unterschied zwischen Dompropst und Domdechant? Und welche Aufgabe hat das Domkapitel eigentlich? Katholisch.de hat die Antworten.

Von Julia Martin |  Bonn - 22.05.2017

Was ist ein Domkapitel?

Das Domkapitel eines Bistums unterstützt den Bischof in Leitung und Verwaltung seiner Diözese. Es setzt sich aus einer Gemeinschaft von Priestern zusammen. Der Begriff des Domkapitels leitet sich vom lateinischen Wort "capitulum", was "Köpfchen" bedeutet ab.

Was ist der Unterschied zwischen einem Domkapitel und einem Metropolitankapitel?

Faktisch gibt es keinen Unterschied. Ist ein Bistum allerdings ein Metropolitanbistum, also ein Erzbistum, wird das Domkapitel als Metropolitankapitel bezeichnet.

Wer gehört zum Domkapitel?

Die Anzahl der Mitglieder eines Domkapitels hängt vom jeweiligen Bistum ab. Die Spitze des Domkapitels ist mit zwei Personen in jedem Bistum gleich: Der Dompropst und der Domdekan werden als Dignitäre bezeichnet. Darüber hinaus kann es Ehrendomherren und Domvikare geben, die jedoch andere Rechte und Pflichten haben.

Ein Teil des Domkapitels des Erzbistums Bamberg im Dom mit Weihbischof Herwig Gössl.

Welche Aufgabe haben die Dignitäre?

Die Dignitäre oder Dignitäten (aus dem Lateinischen "dignitas" für "Würde") sind die Vorsteher des Domkapitels. Dompropst und Domdechant, im Süden auch Domdekan genannt, üben diese Ämter aus. Der Dompropst steht dabei an der Spitze, der Domdechant fungiert als sein Vertreter. Der Dompropst wird vom gesamten Kapitel gewählt oder nach Anhörung des Kapitels durch den Bischof ernannt. Ihm steht die Leitung von Kapitelsitzungen zu sowie die Vertretung des Bischofs im Dom. Außerdem vertritt er die Angelegenheiten des Kapitels nach und außen.

Der Domdechant übernimmt die Leitung bei Abwesenheit des Dompropstes und kümmert sich um die inneren Angelegenheiten des Kapitels.

Was machen die Domkapitulare und Domherren?

Vorweg: Domkapitulare und Domherren sind identisch. Beide Ausdrücke sind korrekt, wobei Domkapitular der geläufigere Begriff ist. Die wichtigste Aufgabe des Domkapitels ist die Wahl eines neuen Bischofs. Wird der Bischofsstuhl vakant, wie etwa bei Erreichen der Altersgrenze oder Tod, ernennen sie zunächst innerhalb von acht Tagen einen Vertreter, den sogenannten Diözesanadministrator.

Danach unterbreiten sie dem Papst  Vorschläge für einen neuen Bischofskandidaten. Je nach Bistum und Bundesland bestehen zusätzliche Abkommen mit der jeweiligen Landesregierung, die Staatskirchenverträge oder Konkordate: In den bayerischen Kirchenprovinzen mit dem Bistum Speyer ernennt der Papst direkt einen neuen Bischof aus der Vorschlagsliste. In den anderen Bistümern, die sich nach badischem und preußischem Konkordat richten, bekommt das Domkapitel eine Dreierliste zurück, aus der sie einen neuen Bischof wählen.

Weiterhin tragen die Domkapitulare Sorge für die Liturgie und das Chorgebet in der Kathedralkirche des Bistums. Ihre Kleidung, die Kapitels- oder Chorkleidung, kann sich je nach Bistum farblich unterscheiden. Während der Gottesdienste haben sie einen Platz im Chorraum des Domes.

Für die Ernennung zum Domkapitular gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird er direkt vom Bischof nach Anhörung des Domkapitels besetzt oder das Domkapitel wählt selbst und der Kandidat wird vom Bischof bestätigt. In manchen Bistümern, wie Würzburg, werden beide Möglichkeiten angewendet. Der Dompropst führt den neuen Domkapitular in die Kapitelsstelle ein.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".

Was ist der Unterschied zwischen residierenden und nicht-residierenden Domkapitularen?

Die Differenzierung von residierenden und nicht-residierenden Domkapitularen kommt aus der frühen Zeit des Domkapitels. Erstere wohnten dabei in der Nähe des Domes. Auch heute ist es üblich, dass nicht-residierende Domkapitulare nicht aus der Bischofsstadt, sondern aus Dekanaten oder Provinzen des Bistums kommen.

Gehören Domvikare auch zum Kapitel?

Domvikare gehören nicht direkt zum Domkapitel. Sie unterstützen das Domkapitel allerdings und fungierten früher als Stellvertreter der Domkapitulare. Vom Bischof werden ihnen meist diözesane Aufgaben oder pastorale Dienste im Dom übertragen.

Was hat der Generalvikar damit zu tun?

Das Amt des Generalvikars hat nicht direkt mit dem eines Domkapitulars zu tun. In der Regel sind die Generalvikare in den Bistümern aber Teil des Domkapitels. Dabei kommt ihnen allerdings keine Sonderstellung zu. Ein Generalvikar fungiert in einem Bistum als Stellvertreter des residierenden Bischofs.

Das heißt allerdings nicht, dass er automatisch bei einer eintretenden Sedisvakanz zum Diözesanadministrator ernannt wird. Im Falle der Vakanz des bischöflichen Stuhls oder einer Suspendierung erlischt auch die Gewalt des Generalvikars. Die erste Amtshandlung eines neuen Bischofs ist deshalb oft die Ernennung eines neuen oder Bestätigung des bisherigen Generalvikars.

Wie wird man Ehrendomherr?

Der Ehrendomherr ist ein bischöflicher Ehrentitel, der ausschließlich vom Bischof verliehen wird. Die Ehrendomherren haben allerdings kein Recht auf Teilnehme an Kapitelsitzungen oder der Wahl eines neuen Bischofs.

Und der Bischof?

Der Bischof selbst ist kein Teil des Domkapitels, die Weihbischöfe allerdings schon. Gab es zu früheren Zeiten Machtkämpfe zwischen Domkapitel und Bischof, sind die Domkapitulare spätestens in der Neuzeit zu wichtigen Beratern und Unterstützern des Bischofs geworden. Sie besetzen meist wichtige Ämter im Bischöflichen Ordinariat, in Ordinariatssitzungen und im Geistlichen Rat.

Von Julia Martin