Wegen Missbrauchsvorwürfen: Ex-Erzbischof kehrt nach Chile zurück
Gericht entscheidet in einer Woche über weiteres Vorgehen

Wegen Missbrauchsvorwürfen: Ex-Erzbischof kehrt nach Chile zurück

Bereits im vergangenen Jahr wurde Francisco José Cox vom Papst wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Nun hat er seinen Wohnort in Deutschland verlassen und ist in seine Heimat Chile zurückgekehrt, denn die dortige Justiz ermittelt gegen ihn.

Santiago de Chile - 12.02.2019

Der in Deutschland lebende und aus dem Klerikerstand entlassene chilenische Erzbischof Francisco José Cox Huneeus ist im Rahmen der Missbrauchsermittlungen gegen ihn in seine Heimat zurückgekehrt. Wie chilenische Medien am Montag (Ortszeit) berichteten, traf der 85-Jährige bereits am Sonntag in Santiago de Chile ein. Nach Angaben der Schönstatt-Priestergemeinschaft, der Cox angehört, leidet er an Prostatakrebs, Altersdemenz und Diabetes. Derzeit wird er von einem Ehepaar im Umland der chilenischen Hauptstadt gepflegt, das in keiner Beziehung zur Schönstatt-Bewegung steht. Die Suche nach einer geeigneten Unterkunft für Cox sei Medienberichten zufolge schwierig gewesen.

In Chile wird gegen Cox in zwei Fällen von Missbrauch an Minderjährigen in den Städten Rancagua und La Serena ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, Jungen geküsst und unsittlich berührt zu haben. In der kommenden Woche entscheidet das Strafgericht in La Serena, ob angesichts der Anschuldigungen weiter ermittelt wird und es zu einer Anklage kommt. Die Taten von Cox gelten jedoch als verjährt. Die Schönstatt-Gemeinschaft kündigte an, dass sich Cox der Justiz stellen werde, wenn dies gefordert sein sollte.

Cox war im Oktober von Papst Franziskus wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen worden, blieb aber Mitglied der Schönstatt-Gemeinschaft. Zuvor war er von 1990 bis 1997 Erzbischof von La Serena und war in dieser Zeit seit längerem des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt worden. Im Alter von 63 Jahren trat er von seinem Amt zurück, ohne dass dafür ein Grund angegeben wurde. Üblicherweise bieten Bischöfe erst mit 75 Jahren ihren Amtsverzicht an.

Seit 2002 lebte Cox am Stammsitz der Schönstattbewegung in Vallendar bei Koblenz. Der damalige Erzbischof von Santiago, Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa, begründete den Wegzug mit einem "unangemessenen Verhalten" des Geistlichen. Anfang August stellte die Schönstattbewegung nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz Strafanzeige gegen Cox wegen eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls 2004. Die Behörde lehnte die Aufnahme von Ermittlungen ab, da das geschilderte Verhalten des Angezeigten zur Tatzeit 2004 keinen Straftatbestand erfüllt habe. (rom/KNA)