Ein Papstgrab und das Vorbild für die Berliner Gedächtniskirche
Achter Teil der Serie "Deutschlands Basiliken"

Ein Papstgrab und das Vorbild für die Berliner Gedächtniskirche

Im achten Teil der Serie über Deutschlands Basiliken geht es unter anderem an ein Papstgrab sowie zu einem Gotteshaus, das Kaiser Wilhelm II. nachhaltig beeindruckte. Außerdem im Programm: eine bedeutende Kirche des bayerischen Barock und eine Wirkungsstätte Adolph Kolpings.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 08.06.2019

Bamberg: Dom St. Peter und St. Georg

Basilica

Neben den drei Wallfahrtsbasiliken Marienweiher, Vierzehnheiligen und Gößweinstein ist der Bamberger Dom die vierte Basilica minor des Erzbistums Bamberg.

Die Geschichte des Bamberger Doms ist eng mit einem mittelalterlichen Herrscher verknüpft: Der spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Heinrich II., legte 1004 dem Grundstein für das Gotteshaus im romanischen Stil, das 1012 eingeweiht wurde. Auf Heinrichs Veranlassung war Bamberg 1007 zum Bistum erhoben worden. In seiner heutigen Form wurde der Dom im 13. Jahrhundert errichtet. Seit dem Bauabschluss wurde an der Architektur nichts Wesentliches verändert – anders verlief die Entwicklung im Inneren. Im Jahre 1513 vollendete Tilman Riemenschneider das Grabdenkmal aus Marmor für Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde, in welches 1513 die Reliquien des heiliggesprochenen Kaiserpaars überführt wurden. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erfolgte die barocke Neugestaltung des Innenraums. In den 1830er Jahren wollte der bayerische König Ludwig I. den Dom wieder in seinen ursprünglichen romanischen Stil zurückversetzen lassen und ordnete diverse Rekonstruktionen an. Diese trugen jedoch eher zu einer Verarmung des Bauwerks bei.. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verschwanden viele der zahlreichen Seitenaltäre. Die Kirche zeigt sich heute in einem nüchtern-zurückhaltenden Antlitz. Der Bamberger Dom beherbergt nicht nur das Grab des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars des Heiligen Römischen Reichs, sondern auch das einzige Papstgrab nördlich der Alpen: Der vermutlich 1047 verstorbene Clemens II., der ein Jahr zuvor zum Papst gewählt wurde und parallel zu seinem Pontifikat noch als Bischof von Bamberg amtierte, wurde seinem Wunsch gemäß im Bamberger Dom beigesetzt. Rätsel gibt seit Jahrhunderten die bekannte Figur des "Bamberger Reiters" am Nordpfeiler des sogenannten Georgenchors auf: Wen stellt sie dar? Die Deutungsvorschläge reichen von Kaiser Friedrich Barbarossa über König Stephan I. von Ungarn bis hin zum endzeitlichen Messias. Zur Basilica minor wurde der Bamberger Dom 1923 durch Papst Pius XI. erhoben.

Weitere Informationen: dompfarrei-bamberg.kirche-bamberg.de

Niederaltaich: Abteikirche

Abteikirche Niederaltaich

Nach der Säkularisation wurde die Kirche der Abtei Niederaltaich zur Pfarrkirche umgewidmet.

Das Kloster Niederaltaich wurde 741 gegründet und entwickelte sich schnell zu einem der größten bayerischen Benediktinerklöster. Große Namen der Kirchengeschichte verbinden sich mit diesem Ort: Die Heiligen Gotthard und Gunther wirkten hier, Kaiser Heinrich II. war, wie beim Bamberger Dom, ein großer Förderer. Auf der Grundlage eines romanischen Vorgängerbaus aus dem 11. Jahrhundert entstand von 1260 bis 1270 der dreischiffige gotische Hallenchor und von 1295 bis 1306 das dreischiffige Langhaus. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde mit der barocken Umgestaltung begonnen, wodurch das Gebäude zu den bemerkenswertesten Kirchenbauten des süddeutschen Barocks zählt. Während der Kirchenbau an sich durch seine dreischiffige Form noch Reste des gotischen Stils aufweist, ist der Innenraum vollständig barockisiert: Neun Arkadenjoche leiten zum Hochaltar; durch Gurte voneinander geschiedene Quertonnen wölben sich über den Jochen des Langhauses. Die Seitenschiffe tragen eine Folge ovaler Flachkuppeln. Mit der Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde das Kloster am 21. März 1803 aufgehoben. Nachdem ein Blitzschlag 1813 einen Brand verursacht hatte, wurden die Seitenkapellen abgerissen und die Klosterkirche zur Pfarrkirche umgewidmet. 1932 erhob Papst Pius XI. das Gotteshaus zur Basilica minor. 1949 wurde das Kloster wieder eine selbstständige Abtei.

Weitere Informationen: www.abtei-niederaltaich.de

Bonn: Münster St. Martin

Das Bonner Münster befindet sich in der Innenstadt der alten Bundeshauptstadt.

Eines der Wahrzeichen der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn ist ihr Münster. Es wurde im 11. Jahrhundert als romanische Stiftskirche erbaut. Die dreischiffige Kreuzbasilika war eine der ersten Kirchengroßanlagen im Rheinland. Vom diesem Bauwerk sind außer der Gruft noch Teile der Ostkrypta und des Hochchores sowie der Westbau erhalten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde das Chorhaus mit Kreuzrippengewölben versehen und um 1200 wurden die Querschiffe, die Vierung und ein achteckiger, von einem gefalteten Zeltdach gekrönter Vierungsturm erbaut. 81,4 Meter ist dieser Turm heute hoch und trägt einen Spitzhelm aus späterer Zeit. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde das Langhaus im rheinischen Übergangsstil neu ausgeführt, wobei die Seitenschiffe verbreitert und die Westapsis neu gestaltet wurden. Nach der Säkularisation des Stiftes am Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Abriss der benachbarten Pfarrkirche St. Martin im Jahr 1812 kam das Münster in den Besitz der Pfarrei St. Martin. Im Laufe der Geschichte wurde das Bonner Münster mehrfach erheblich zerstört, zuletzt infolge von Bombenschäden während des Zweiten Weltkriegs. Kaiser Wilhelm II., der in an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn studiert hatte, war von der Architektur des Bonner Münsters so beeindruckt, dass er später maßgeblichen Einfluss auf die Bauarbeiten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin nahm und sie in Anlehnung an das Münster bauen ließ. Seit 1956 trägt das Münster den Titel Basilica minor, der ihr von Papst Pius XII. verliehen wurde. Aktuell wird das Bonner Münster generalsaniert und ist voraussichtlich bis Ende 2020 geschlossen.

Weitere Informationen: www.bonner-muenster.de

Regensburg: St. Emmeram

St. Emmeram in der Altstadt von Regensburg.

739 wurde am Ort der Grablege eines als Märtyrer verstorbenen Missions- und Wanderbischofs namens Emmeram ein Benediktinerkloster gegründet. Um 780 ließ Bischof Sintpert, gleichzeitig Abt von St. Emmeram, eine große dreischiffige Basilika errichten. Die Gebeine des heiligen Emmeram erhielten damals ihren Platz in einer Krypta direkt unter dem Hochaltar. Auch der später heiliggesprochene Bischof Wolfgang (972 bis 994) fand seine letzte Ruhestätte wie selbstverständlich in St. Emmeram. Dazu wurde um 1050 ein geräumiges Westquerhaus errichtet. Im Großen und Ganzen ist die Kirche in ihrer damaligen Form bis heute erhalten. Einige Brände erforderten allerdings Erneuerungen. Von 1731 bis 1733 erfolgte die Neuausgestaltung durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam im Stil des Barocks, wobei die Raumverhältnisse des 12. Jahrhunderts weitgehend beibehalten wurden. Schon die gewaltigen Ausmaße des Kirchenkomplexes zeugen von der einstigen Bedeutung St. Emmerams: 100 Meter misst das Gotteshaus in der Länge und, nimmt man die Anbauten hinzu, rund 90 Meter in der Breite. Auch die fast 20 Altäre und die vielen Grabdenkmälern sind ein Zeugnis dafür. Während die Räumlichkeiten des Klosters nach der Säkularisation an das Fürstenhaus Thurn und Taxis fielen, wurde die Abteikirche zur Pfarrkirche umgewandelt. Papst Paul VI. erhob sie 1964 zur Basilica minor.

Weitere Informationen: www.st-emmeram-regensburg.de

Mönchengladbach: Münster St. Vitus

Mönchengladbach: Münster St. Vitus

Das Münster St. Vitus in Mönchengladbach

Der erste Vorgängerbau des heutigen Vitusmünsters war die Kirche einer Benediktinerabtei. Errichtet wurde sie im Jahre 974, kurz nach der Gründung des Klosters. Sie wurde schnell zu klein und wurde im 12. und 13. Jahrhundert mehrfach umgebaut. Von 1180 bis 1183 entstand der Unterbau des mächtigen Westbaus, von 1228 bis 1239 folgte das dreischiffige Langhaus. Am 28. April 1275 weihte kein Geringerer als Albertus Magnus die über der Krypta errichtete gotische Chorhalle mit angeschlossener Sakristei. Der oktogonale Turm mit dem nördlichen Treppenturm vervollständigte das bis dahin unvollendete Westwerk um 1343. Die Turmspitze hat im Laufe der Jahrhunderte durch Krieg, Brand und einen veränderten Architekturgeschmack häufige Veränderungen erfahren. 1804 wurde die Abteikirche zur Pfarrkirche umgewandelt. Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört und von 1947 bis 1957 wieder aufgebaut. Heute ist das Gotteshaus die Pfarrkirche der Gemeinde St. Vitus. 1974 wurde die Kirche von Papst Paul VI. anlässlich des 84. Deutschen Katholikentages in Mönchengladbach und der 1000-Jahr-Feier der Abteigründung zur Basilica minor erhoben.

Weitere Informationen: www.pfarre-sankt-vitus.de

Marktleugast: Basilika Mariä Heimsuchung

Marktleugast: Basilika Mariä Heimsuchung

Die Klosterkirche Marienweiher in Marktleugast ist die vermutlich älteste Wallfahrtskirche Deutschlands,

Die Basilika Mariä Heimsuchung im Marktleugaster Ortsteil Marienweiher ist zugleich Wallfahrtsbasilika und Pfarrkirche. Marienweiher ist der größte Marienwallfahrtsort im Erzbistum Bamberg und zählt zu den ältesten seiner Art in Deutschland. Jährlich besuchen ihn rund 8000 Pilger. Der erste historisch belegte Nachweis einer Kirche in Marienweiher stammt aus dem Jahr 1189. Ende des 15. Jahrhunderts entstand ein Kirchenneubau als dreischiffige Halle. Darin befand sich das bis heute erhaltene Gnadenbild aus der Zeit um 1500: eine geschnitzte Marienfigur eines unbekannten Bildhauers. Die vorhandene Kirche konnte die wachsenden Pilgerströme nicht mehr fassen, sodass Mitte des 18. Jahrhunderts mit einem Neubau begonnen wurde. Mittelpunkt ist das Gnadenbild aus der Zeit um 1500, umrahmt von einem klassizistischen Hochaltar. Den Besucher beeindrucken vor allem die Helligkeit des Raums und die reich verzierte Stuckdecke. Die Kirche erhielt 1993 den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor.

Weitere Informationen: www.basilika-marienweiher.de

Wuppertal: St. Laurentius

St. Laurentius Wuppertal
Bild: © dpa

Zahlreiche Besucher sitzen im Mai 2014 bei einem Freilichtgottesdienst zum "Zukunftsforum für die mittlere Ebene" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor der katholischen St.-Laurentius-Kirche in Wuppertal.

Die St.-Laurentius-Kirche ist nach einem Vorgängerbau am Turmhof die zweite katholische Kirche, die nach der Reformation im späteren Wuppertaler Stadtteil Elberfeld entstanden ist. Sie übernahm das Patrozinium des Elberfelder Stadtpatrons, des heiligen Laurentius, dem im Mittelalter die heutige evangelische Stadtkirche geweiht war. 1828 erwarb die Gemeinde das so genannte Osterfeld westlich der Stadt und begann die Planungen für den Bau einer neuen Kirche. Aufgrund großer technischer und finanzieller Schwierigkeiten verzögerte sich die Bauzeit und die Kirche wurde erst 1835 feierlich eröffnet. 1847 wurde sie geweiht. Von Mai 1845 bis März 1849 war der Sozialreformer Adolph Kolping Kaplan an der Pfarrei. Ein Knochensplitter von ihm ist als Reliquie in einem Seitenaltar ausgestellt, eine Gedenktafel am Pfarrhaus erinnert ebenfalls an ihn. Bei dem Luftangriff auf Elberfeld in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1943 wurde die Kirche sowie ihre Einrichtung durch Brandbomben zerstört. Nach dem provisorischen Wiederaufbau durch die Gemeinde erfolgte mit dem Weihnachtsgottesdienst 1949 die Wiedereröffnung. Die endgültige Wiederherstellung zog sich bis 1974 hin. Von 2007 bis 2009 wurde das Gewölbe saniert und die Kirche am 9. Mai 2009 durch Kardinal Joachim Meisner feierlich wiedereröffnet. Im Dezember 2013 wurde die St.-Laurentius-Kirche durch Papst Franziskus zur Basilica minor erhoben.

Weitere Informationen: gemeinden.erzbistum-koeln.de/laurentius-elberfeld_mitte

Von Matthias Altmann