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Standpunkt

An die katholischen Leugner des Klimawandels

Spielt der Mensch Gott, wenn er versucht, der Erderwärmung etwas entgegenzusetzen? Solche Einwände kommen von Klimawandel-Leugnern aus dem katholischen Milieu, so Ulrich Waschki. Er richtet sich an sie.

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 28.11.2018

Heute will die EU-Kommission ihre Strategie für einen langfristigen Klimaschutz vorstellen. Kommende Woche beraten Regierungsvertreter aus aller Welt im schlesischen Kattowitz, wie die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens doch noch zu erreichen sind. Der Kampf gegen den Klimawandel ist die Zukunftsfrage unserer Zeit. Schon jetzt mehren sich die Wetterextreme. Die globale Erwärmung hat Folgen, schon heute.

Und doch gibt es, auch im katholischen Milieu, immer noch Menschen, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten. Klimawandel habe es schon immer gegeben, die Erderwärmung sei ein normaler Prozess. Anmaßend nennen sie es, wenn Menschen sich einbildeten, diesem Automatismus der Schöpfung etwas entgegensetzen zu können. Der Mensch spiele Gott, wie beim Turmbau zu Babel, so ein immer wieder erhobener Vorwurf. Dabei sind weit über 90 Prozent der seriösen Wissenschaftler auf der ganzen Welt einig: Es gibt ihn, den von Menschen verursachten Wandel unseres Klimas. Er ist heftiger und schneller als die Klimaveränderungen der Vergangenheit. Internetseiten wie klimafakten.de versuchen, die häufigsten Vorwürfe der Skeptiker mit Fakten zu entkräften. Manch einer lässt sich nicht einmal davon überzeugen und behauptet, alles sei eine gigantische Verschwörung. Blanker Unsinn: Welches Interesse sollten Wissenschaftler aus so vielen Ländern haben, der Welt einen Klimawandel einzureden?

Der Klimawandel ist real. Er bedroht die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder. Neben unmittelbaren Klimafolgen wird der Migrationsdruck, auch auf Europa, zunehmen. So werden etwa in Ägypten Millionen von Menschen bis zum Jahr 2100 ihren fruchtbaren Ackerboden durch den Anstieg des Meeresspiegels verlieren. Wenn wir nicht gegensteuern, kommt es noch schlimmer. Ein Bischof der Fidschi-Inseln sagte kürzlich in einem Interview: "Wir sind die Opfer des Klimawandels. Wir sind die Opfer des Lebensstils der Menschen in der Ersten Welt." Deutlicher geht es nicht. Doch die bisher vorgelegten Maßnahmen der Staaten reichen nicht aus, um die Erderwärmung auf ein vertretbares Maß zu begrenzen. Die Zeit ist zwar knapp, aber zu spät ist es noch nicht. Maßnahmen, wie eine CO2-Steuer, gibt es. Deutschland und Europa müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Auch, wenn das Geld kostet. Was wäre die Alternative?

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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