Schachfigur
Thomas Seiterich über den Katholiken Steve Bannon

Kommt der Rechtsruck in Europas Kirchen?

Thomas Seiterich über den Katholiken Steve Bannon

Von Thomas Seiterich |  Bonn - 13.08.2018

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift Publik-Forum.

Steve Bannon, der rasputinhafte Stratege, der 2016 den Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump ersann, verfolgt neben seiner rechten Netzwerkarbeit in der Politik auch eine kirchliche Agenda. Leidenschaftlich polemisiert der erzkonservative Katholik gegen menschenrechtlich und sozial engagierte Bischöfe und Kirchen. Man sollte hellwach sein und öffentlich darüber berichten, welche Allianzen Bannon schmiedet, wenn er - wie jüngst beim Englandbesuch von Trump - in einem Londoner Hotel Hof hält und praktisch im Stundentakt Rechtsaußenvertreter aus Europa trifft, darunter auch Kirchennahe.

Bannon will, dass die Nationalpopulisten bei der Europawahl im Mai 2019 zu einer der mächtigsten Kräfte werden. Er trennt nicht zwischen Politik und Religion. Kirchen und Parteien sind für ihn lediglich einflussreiche Kräfte, die es zu benutzen oder zu gilt. Er wittert die Verunsicherung in den Kirchen und spürt ihr Potenzial, Steigbügelhalter für die große Wende nach rechts zu werden. Mithilfe der konservativen, weißen Protestanten, gelang ihm der Rechtsruck beim Sieg Trumps. In ihren Milieus predigt Bannon gerne über Endschlachten in der Apokalypse. Gegenüber den US-Katholiken variiert er seit Jahren sein Narrativ von den zu liberalen Bischöfen, die nicht die Kraft hätten, ihre durch Missbrauchs-Skandale verunstaltete Kirche auszumisten und die deshalb Politik für die Flüchtlinge aus dem Süden machen, damit diese, im Gegengeschäft, die leer gewordenen Kirchen wieder füllen.

Das ist grober Unfug – und bösartig obendrein. Soll man darüber lachen? Es könnte sich eines Tages rächen, Bannon und seine kirchlichen Verbündeten wie den römischen Gegner von Papst Franziskus, US-Kardinal Raymond Burke, zu unterschätzen. In verunsicherten Kirchen Osteuropas weckt Bannons Denkfigur eines nationalen Christentums schon Sympathien; eines Glaubens, der die Gegnerschaft zur westlichen Moderne und ebenso zum Islam betont und Traditionsbestände aus den Türkenkriegen oder der spanischen Reconquista aus der kirchenhistorischen Abstellkammer hervorholt.

Von Thomas Seiterich

Der Autor

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift "Publik-Forum".

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