Moraltheologe: Neuer Bluttest ist diskriminierend
Franz-Josef Bormann kritisiert "Praenatest" als Selektionsmittel

Moraltheologe: Neuer Bluttest ist diskriminierend

Ethik - Der "Praenatest" zur Früherkennung von Trisomie 21 dient allein der Selektion, sagt der Tübinger Moraltheologe Bormann. Das Ethikratsmitglied warnt vor einer gefährlichen gesellschaftlichen Entwicklung.

Tübingen - 24.08.2016

Der katholische Moraltheologe Franz-Josef Bormann hat scharfe Kritik an der möglichen Kostenübernahme eines neuen Bluttests für Schwangere durch die Krankenkassen geübt. Der "Praenatest" sei diskriminierend und diene allein der Selektion, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrates am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Tübingen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten und Krankenkassen hatte vergangene Woche angekündigt, er wolle prüfen, ob der Bluttest zur Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen künftig eine Regelleistung der Kassen bei Risikoschwangerschaften wird. Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken betonte, der Bundesausschuss werde angesichts der fundamentalen ethischen Fragestellungen neben Fachgesellschaften auch "weitere gesellschaftliche Organisationen, beispielsweise den Deutschen Ethikrat" einbeziehen. Der Test funktioniert einfacher und risikoloser als die bisherige Erkennung über die Biopsie der Plazenta oder die Fruchtwasseruntersuchung.

Bormann: Behinderte Kinder werden "vermeidbares Problem"

Bormann nannte das Vorgehen des G-BA aus ethischer Sicht "außerordentlich problematisch". Der Test "leistet - bei aller Verschiedenheit der betroffenen Krankheitsbilder - letztlich der Diskriminierung Behinderter Vorschub". Vor allem Kinder mit dem Down-Syndrom würden dadurch zunehmend als "vermeidbares Problem" wahrgenommen.

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Ein neuer Bluttest zur Früherkennung des Down-Syndroms könnte bald von den Krankenkassen finanziert werden. Die katholische Kirche fürchtet einen Abtreibungsmechanismus - und schlägt Alarm!

Der Theologe verwies darauf, dass schon jetzt in neun von zehn Fällen die Diagnose "Trisomie 21" zur Abtreibung führe, "obgleich die Betroffenen bei aller körperlichen oder geistigen Einschränkung mittlerweile nicht nur eine hohe Lebenserwartung vor sich haben, sondern sich zumeist auch einer subjektiv befriedigenden Lebensqualität erfreuen können". Der elterliche Wunsch nach einem gesunden Kind sei zwar ebenso verständlich wie die Suche nach Gewissheit. Die elterliche Verantwortung schließe aber "auch die Annahme eines kranken Kindes ein". Dies gelte umso mehr, "als der Test in vielen Fällen keine genauen Angaben darüber macht, wie stark sich bestimmte chromosomale Abweichungen im Einzelfall auswirken".

Theologe warnt vor veränderter Einstellung zum Lebensrecht

Wenn der neue Test als Routineuntersuchung akzeptiert werde, werde er die Eltern "in einen gravierenden Entscheidungskonflikt über Leben und Tod stürzen und die Einstellung der Bevölkerung zum Lebensrecht behinderter Menschen weiter verschieben". Die Erwartungshaltung der Gesellschaft, aber auch der Mütter selbst, ein gesundes Kind zu Welt zu bringen, "wird weiter steigen".

Bormann erinnerte daran, dass der Ethikrat 2013 in seiner Stellungnahme zur Zukunft der genetischen Diagnostik "neben Verbesserungen im Bereich der Aufklärung auch die Einführung eines über die Pflichtberatung nach Paragraf 218 hinausgehenden Schutzkonzeptes verlangt". Bislang sei davon nichts umgesetzt. (KNA)

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Eine relativ neue Methode der Medizin macht es möglich, schon in der frühen Phase der Schwangerschaft zu erkennen, ob ein ungeborenes Kind einen Chromosonenfehler hat. Das Verfahren könnte bald zur Regel werden - ist aber hoch umstritten.