Hoffnung auf Befreiung vom "Islamischen Staat"

Patriarch: Mossul muss wieder multikulturell werden

Aktualisiert am 26.10.2016  –  Lesedauer: 
Bild: © Vogt/Missio
Irak

Rom ‐ Noch wird um die irakische Stadt Mossul gekämpft – doch bereits jetzt macht sich der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako Gedanken um die Zukunft der einst vielfältige Metropole. Er hat eine große Hoffnung.

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Die umkämpfte irakische Großstadt Mossul muss nach Ansicht des chaldäischen Patriarchen Louis Raphael Sako künftig wieder zu einem multikulturellen Treffpunkt unterschiedlicher Kulturen, Ethnien und Religionen werden. In der Stadt und der umgebenden Ninive-Ebene müssten nach der Befreiung vom "Islamischen Staat" die Rechte aller Bürger, Volks- und Religionsgruppen geachtet und Korruption und Diskriminierung bekämpft werden, zitiert der römische Pressedienst "Asianews" (Mittwoch) aus einem Schreiben des Kirchenoberhaupts. Die Christen müssten wieder Vertrauen zu ihren islamischen Nachbarn aufbauen können.

Für die Zukunft sei es unerlässlich, einen Rechtsstaat aufzubauen, der sich auf die Prinzipien von Wahrheit und Gleichheit stützt und der die Freiheit und Würde seiner Bürger verteidigt, so Sako. Ein solcher Staat respektiere die Religion und versuche nicht, sie "zu politisieren und zu eigenen Zwecken zu deformieren".

Wendepunkt für den ganzen Irak

Die Schlacht zur Befreiung von Mossul bedeute nach Einschätzung des Patriarchen einen Wendepunkt für den ganzen Irak. Denn die Militäroffensive vereinige alle Iraker in einer gemeinsamen Aktion von größter Bedeutung und könnte damit den Anstoß für eine nationale Aussöhnung bilden. Sako appelliert an Politiker, Würdenträger und gesellschaftliche Führungskräfte, für eine komplette Neuordnung der Stadt und der Provinz einzutreten, an der alle Gruppen beteiligt sein müssten. Mossul müsse ein Beispiel auch für andere befreite Regionen des Irak sein, wo es keine religiöse, soziale oder politische Diskriminierung gebe.

Die Christen sind nach dem Islam die zweitgrößte Religionsgruppe im Irak. Insbesondere Mossul ist von einem Ring christlicher Dörfer und Gemeinden umgeben. Das christliche Element spiele eine bedeutende Rolle für das Gemeinwohl des Landes, hob Sako hervor. Nach dem "Drama von Mossul und der Ninive-Ebene", müssten ihre Rechte besonders geschützt werden; sie dürften nicht an den Rand gedrängt bleiben. (KNA)

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Bei der Großoffensive der irakischen Armee gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in der Stadt Mossul zeichnen sich erste Erfolge ab. Die Lage der Zivilbevölkerung spitzt sich indes immer weiter zu. Davor warnt die Misereor-Nahost-Expertin Astrid Meyer.